Fussball-Historie

Mali stürzt Angola mit Fussballwunder in Verzweiflung

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Nach jahrelanger Planung, wochenlanger Vorfreude und all der Nervosität, die ein Eröffnungsspiel mit sich bringt, erlebten die Fans am 10. Januar 2010 in Luanda bei Angolas erstem Heimspiel des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals einen märchenhaften Auftritt ihres Teams – jedenfalls bis zur 78. Minute.

Die Angolaner steuerten nämlich auf einen 4:0-Sieg über Mali zu, das in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste fast 50 Plätze vor ihnen rangierte. Entsprechend ausgelassen war die Stimmung im Stadion 11 de Novembre. Allerdings sollten die begeisterten Angolaner wenig später unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden.

Nach einem Doppelpack von Flavio in Halbzeit eins, gefolgt von zwei von Gilberto und Manucho verwandelten Elfmetern schien Angola eine Viertelstunde vor Ende der regulären Spielzeit den perfekten Turnierstart in trockenen Tüchern zu haben. In einem zerfahrenen Spiel hatten die Angolaner mit viel Einsatz und Leidenschaft einen scheinbar uneinholbaren Vorsprung herausgespielt und waren auf dem Weg zu ihrem insgesamt dritten Sieg in einer Endrunde dieses prestigeträchtigen Turniers.

Aber ähnlich wie bei einem Marathonläufer, dem der Drang, einen Sprint einzulegen, zum Verhängnis werden kann, schien beim Gastgeber am Ende sämtliche Energie verpufft zu sein. Die Einwechslung von Mustapha Yatabaré in der 77. Minute sollte dann die Rettung für Mali bringen. Nach einer misslungenen Abwehr des angolanischen Schlussmanns Carlos Fernandes nach einem Eckball kam Seydou Keita im Gewühl an den Ball und erzielte den ersten Treffer für Mali.

Wackelige Abwehr
Es waren nur noch 120 Sekunden auf der Uhr, als Freddy Kanouté mit einem erstaunlichen Kopfball auf der Höhe des Elfmeterpunkts den Rückstand seines Teams auf zwei Treffer verkürzte. Die Heimfans dürften in diesem Augenblick trotzdem noch nicht mit dem Schlimmsten gerechnet haben. Selbst als Keita in der 93. Minute die mittlerweile mehr als wacklige angolanische Abwehr durchbrach und das Leder volley ins Tor drosch, nahmen die meisten wohl an, dass der malische Ansturm zu spät kam.

Der frisch eingewechselte Yatabaré hatte da jedoch andere Vorstellungen. Nur noch 15 Sekunden waren von der vierminütigen Nachspielzeit übrig, als der Joker nach einer unglücklichen Parade von Fernandes als erster am Ball war und die Kugel zum 4:4-Ausgleich ins Netz jagte.

"Ich hätte nie gedacht, dass wir so eine Aufholjagd schaffen könnten", so der zweimalige Torschütze Keita. "Wir haben in der ersten Halbzeit schlecht gespielt und waren mental noch nicht wirklich im Rennen." Wie jeder gute Trainer war auch Stephen Keshi, der sein Heimatland 2013 zum Titel führen sollte, trotz seiner Freude über den Ausgleich nicht glücklich darüber, dass eine solche Aufholjagd nötig gewesen war. "Es war etwas schwierig, daran zu glauben, dass uns der Ausgleich noch gelingen würde. Ich habe gemischte Gefühle. Einerseits bin ich glücklich über das Unentschieden, andererseits aber auch verärgert über mein Team."

Für sein unglückliches Pendant Manuel José war die Gefühlslage jedoch ganz eindeutig. "Dieses Unentschieden hat sich für mich angefühlt wie eine Niederlage. Das ist eine der bittersten Pillen, die ich in all den Partien meiner langen Karriere schlucken musste", erklärte er. "Fussball in Afrika bedeutet Schritt für Schritt zu lernen. Wir verfügen über die Fähigkeiten, aber wir waren etwas zu naiv. Das Publikum hatte einen Sieg verdient."

Die Angst, seit Tunesien 1994 als erster Gastgeber bereits nach der Gruppenrunde auszuscheiden, erwies sich glücklicherweise als unbegründet. Trotz der Federn, die man an diesem Tag lassen musste, sollte Angola schließlich das Glück auf seiner Seite haben. Das Team hatte nämlich am Ende der Gruppenphase einen Punkt mehr zu verzeichnen als Mali und zog damit ins Viertelfinale ein.

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