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Laudrup: "Diese Saisonphase ist großartig"

Swansea Manager Michael Laudrup
© Getty Images

Sieht man Michael Laudrup sich in der Lobby eines Sportklubs seinen Weg bahnen, werden unweigerlich Erinnerungen an seine Bewegungen als Spieler für Juventus, Barcelona oder Real Madrid wach. Der legendäre dänische Mittelfeldspieler vollzog seinen Wechsel auf die Trainerbank mit der gleichen Leichtigkeit, mit der er einst auf dem Platz seine Gegenspieler hinter sich ließ. Inzwischen kann er auf erfolgreiche Engagements beim dänischen Klub Bröndby, beim FC Getafe in Spanien sowie beim Premier-League-Vertreter Swansea City zurückblicken. Seinen jüngsten Erfolg verzeichnete Laudrup in der Qatar Stars League (QSL), in der er mit Lekhwiya gleich in seiner ersten Saison als Coach den Meistertitel gewann.

Für den einstigen Mittelfeldspieler, der Dänemark bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Frankreich 1998™ mit seiner Schnelligkeit und Spielintelligenz ins Viertelfinale führte, ist schon jetzt eine neue Generation von talentierten katarischen Nachwuchsspielern erkennbar, die in der Folge des Zuschlags für die Ausrichtung der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2022™ herangezogen wurde.

Wenige Tage nach dem Gewinn der katarischen Liga erklärte der 50-Jährige im Gespräch mit www.sc.qa, wie sich seine Trainerphilosophie entwickelte, um in seiner Karriere einen weiteren Titelgewinn erringen zu können. Laudrup, der den spanischen Clasico aus beiden Perspektiven kennengelernt hat, tippte außerdem auf seinen ehemaligen Klub Barcelona als leichten Favoriten im diesjährigen Titelrennen in Spanien.

*Herr Laudrup, Glückwunsch für den Gewinn der Meisterschaft in der Qatar Stars League in Ihrer ersten Saison als Cheftrainer von Lekhwiya. Wie fühlen Sie sich nach diesem Erfolg? *Ich freue mich sehr. Es war schön, diese Trophäe zu gewinnen. Es gab viele Herausforderungen zu meistern. So waren zahlreiche Spieler auf internationalen Turnieren im Einsatz, wie beispielsweise beim Golf Cup, den Katar gewann, aber auch beim Asien-Cup und dem Nationenpokal. Deshalb denke ich, dass der Titelgewinn mit diesem großen Punktevorsprung erstaunlich ist. In der vergangenen Saison hatte Lekhwiya 53 Punkte und die zweit- und drittplatzierten Teams 48 beziehungsweise 47 Zähler. In diesem Jahr hatten wir vor der letzten Partie 59 Punkte auf dem Konto und Al Sadd 54. Wir mussten in diesem Jahr also mehr Punkte holen, um die Liga zu gewinnen. Außerdem sind wir in der asiatischen Champions League vertreten und wollen über die Gruppenphase hinauskommen. Der Klub hat noch nie zwei Trophäen in einer Saison gewonnen, so dass wir Geschichte schreiben können, wenn uns noch ein Titelgewinn glückt, ob beim Qatar Cup oder dem Emir-Pokal.

*Werden Sie auf Ihre erfolgreiche erste Saison in Katar eine weitere folgen lassen? *Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um eine Entscheidung zu fällen, da wir noch in drei Wettbewerben stehen. Wenn die Saison vorüber ist, werde ich darüber nachdenken. Ich werde mir außerdem anhören, was der Klub zu sagen hat und was er für die Zukunft tun will, denn man muss das Team immer weiter verbessern. Außerdem will ich mir auch die Angebote anderer interessierter Klubs anhören und mich dann entscheiden.

*Gibt es eine direkte Verbindung zwischen Ihrer Trainerphilosophie und ihrem Stil als Spieler? Und wie haben Sie sie an die verschiedenen Ligen angepasst, in denen Sie gearbeitet haben? *Ich denke schon. Das kann man an der Art und Weise sehen, wie wir trainieren. Die großen Meisterschaften in Europa sind ein anderes Niveau, doch viele Dinge, die ich hier trainieren lasse, habe ich in Swansea oder Getafe genauso gemacht. Als Trainer musst du dich an die Spieler, die Kultur und das Niveau des Vereins und der Spieler anpassen, doch es gibt überall einige grundlegende Dinge zu lernen. Hier zum Beispiel haben wir eine Menge Nationalspieler mit guten individuellen Fähigkeiten. Also trainieren wir den Ballbesitz und das Halten des Balles. Das gelingt uns recht gut.

Konnten Sie die Entwicklung junger katarischer Fussballer wie beispielsweise der Spieler, die nächsten Monat an der FIFA U-20-WM in Neuseeland teilnehmen, aus der Nähe verfolgen?
Natürlich, das ist die nächste Spielergeneration, die aufgezogen wurde, seit Katar als Ausrichter der WM 2022 feststeht. Es ist eine neue Generation junger Spieler, die anders ausgebildet wird und viele Spiele gegen europäische und andere hochklassige Teams aus anderen Kontinenten absolviert. Das ist natürlich sehr wertvoll und unbedingt erforderlich, wenn man mit Blick auf die WM auf höchstem Niveau konkurrieren will.

*Glauben Sie, dass Sie Katar 2022 als Trainer miterleben werden - vielleicht mit Dänemark - oder eher als Fan? *2022 werde ich alt sein [58, Anm.d.Red.] ! Ich verspreche, dass ich einige Spiele sehen werde, doch wahrscheinlich als Zuschauer. Es ist ein positiver Aspekt, dass die Fans weniger reisen müssen und am gleichen Ort bleiben können. Dadurch wird es für die Fans auch nicht so teuer.

*Wie bewerten Sie im Rückblick Ihre vorherige Trainerstation in Swansea? *Es war ein historischer Moment. Der Klub stand in der Liga erstmalig in den Top Ten und gewann zum ersten Mal in hundert Jahren einen Titel. Das ist historisch. Noch in zehn Jahren werden sie sich den Pokal ansehen und an unser Team aus diesem Jahr denken. Ich hoffe, dass ich hier etwas ähnliches leisten kann. Als Trainer, Spieler und Klub musst du dich immer verbessern wollen und wissen, was dazu erforderlich ist. Du brauchst außerdem die Mittel dazu.

*Glauben Sie, dass sie in Swansea ein Erbe hinterlassen haben, das noch heute erkennbar ist? *Sie haben sich ein wenig verändert. Viele Spieler, dich ich mitbrachte, sind nicht mehr dort, so dass sich ihr Stil etwas verändert hat. Aber ich muss sagen, dass sie bisher eine sehr gute Premier-League-Saison hingelegt haben. Das freut mich. Als wir den Pokal gewannen, sagte ich zu den Spielern, dass sie den Moment genießen sollen. Denn man weiß nie, wann so etwas wieder vorkommt. Es kann in einem, aber auch erst in fünf oder 20 Jahren geschehen. Doch dieser Titel ist da und bleibt für immer.

*Zuvor hatten Sie ein erfolgreiches Gastspiel in der spanischen Liga bei Getafe. Wie schätzen Sie das technische Niveau der Premier League im Vergleich zur spanischen Meisterschaft ein? *Ich denke, das lässt sich nicht so einfach vergleichen. Es sind zwei fantastische Ligen mit vielen großartigen Spielern. Was ist das typische englische Team? Es gibt so viele unterschiedliche Spielweisen, vom Kick-and-Rush im alten Stil bis hin zum Kurzpassspiel von Mannschaften wie Arsenal oder Manchester City. Vielleicht gibt es in der Premier League mehr unterschiedliche Spielweisen als in der spanischen Liga, in der alle mit dem Ball spielen wollen. Die Intensität ist in der Premier League höher, andererseits durchleben englische Teams in Europa momentan eine schwere Zeit. Seit zwei Jahren kam keines unter die besten Acht. Ich denke, das ist für die Menschen dort und die Premier League schwer zu akzeptieren, denn es ist die bekannteste Liga weltweit, in der das meiste Geld steckt. In den Jahren zuvor dominierten sie auch in Europa, deshalb diskutieren jetzt alle darüber, was los ist. Ok, es gibt Barcelona und Real Madrid, aber auch Juventus, PSG, Monaco, Porto und damit Teams aus niedriger eingestuften Ligen, die besser abschneiden. Was also ist da los?

*Da wir gerade über harten Wettbewerb sprechen: Ihre zwei ehemaligen Teams Barcelona und Real Madrid liefern sich in der spanischen Liga ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Wer ist Ihr Favorit auf den Titelgewinn? *Das ist sehr schwer. Beide haben noch einige sehr harte Spiele vor sich. Vier Punkte waren ein gutes Polster, doch jetzt sind es nur noch zwei Zähler Unterschied, es wird schwer. Auch was in der Champions League passiert, wird Auswirkungen darauf haben. Wenn eine Mannschaft ausscheidet und die andere nicht, bedeutet das zwei Spiele weniger. Beide wollen alles gewinnen, sie sind darauf vorbereitet und dazu in der Lage. Es wird also spannend zu beobachten sein. Für einen Zuschauer ist diese Saisonphase großartig. Ich glaube immer noch, dass Barcelona favorisiert ist, weil das Team in Führung liegt. Doch ein schlechtes Spiel - schon liegst du hinten. Natürlich ist es immer besser, vorne zu stehen, so wie hier, als Al Sadd hinter uns lag. Sie mussten gewinnen und hoffen, dass der Spitzenreiter verliert.

*Sind Sie denn manchmal hin- und hergerissen, wenn Sie zwischen ihren zwei ehemaligen Teams wählen müssen? *Nein, keineswegs. Ich bin stolz darauf, für beide gespielt zu haben. Die fünf Jahre bei Barcelona waren als Spieler die besten meines Lebens. Und als Mensch wurde ich in Madrid sehr gut empfangen. Aber ich bin dort nicht geboren, ich bin ein ausländischer Spieler und einfach nur glücklich darüber, für diese fantastischen Vereine gespielt zu haben.

*Gibt es einige Spieler in diesen Teams, die Sie an Ihre eigene Spielweise erinnern? *Es gibt viele mit meinem Stil. Ich bin aber immer stolz darauf, wenn jemand etwas Besonderes macht und die Leute sagen: 'er spielt wie Laudrup'. Es ist 18 oder 19 Jahre her, seit ich Spanien verließ. Es ist also großartig, dass sie mich immer noch in Erinnerung behalten.

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