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Jujugol - wenn Talent zu Veränderungen führt

Jujugol
© Others
  • Jujugols Talent veranlasste Rio de Janeiro, Mädchen in Jungenligen mitspielen zu lassen
  • Sie bekam schon Videobotschaften von Cristiane, Marta, Thiago Silva und Zico
  • Die Zehnjährige trainierte vor Frankreich 2019 mit Brasiliens Nationalmannschaft

Pionierinnen und Pioniere, die sich für und im Frauenfussball für den Kampf gegen Sexismus eingesetzt haben, gab und gibt es reichlich. Die Sportart muss Persönlichkeiten wie Nettie Honeyball, Florence Dixie, Alice Milliat, Lotte Specht, Eleanor Roosevelt, Brajaranjan Ray, Malfrid Kuvas, Hannelore Ratzeburg, Jim Selby, Sif Kalvo, Megan Rapinoe und Ada Hegerberg ewig dankbar sein – um nur ein paar Namen zu nennen.

Aber wer hätte sich vorstellen können, dass zu diesem erlauchten Kreis aus Aktivistinnen, Profifussballerinnen und Politikerinnen eines Tages auch eine Siebenjährige gehören würde?

Noch 2017 hatte Rio de Janeiro – vermutlich der Inbegriff einer Stadt voller fussballspielender Kinder schlechthin – keine offiziellen Wettbewerbe für Mädchen. Sie durften nicht in den Ligen für Jungen spielen.

Bis Julia Rosado de Souza sich anschickte, die Regeln zu ändern. Ihr schier atemberaubendes Talent ließ den Verantwortlichen keine andere Wahl.

"Ich glaube, die Liebe zum Fussball wurde mir schon in die Wiege gelegt, aber angefangen zu spielen habe ich erst im Alter von vier Jahren", erzählt die Schülerin mit dem Künstlernamen Jujugol bei FIFA.com fröhlich.

Geschenkt bekam Julia allerdings bei jeder Gelegenheit nur Barbies.

"Weil ich ein Mädchen bin, dachten die Leute, ich sollte zum Geburtstag eben Puppen bekommen", berichtet sie. "Es ist nicht so, dass ich keine Puppen mag, aber sie sind nicht so mein Fall. Ich habe ihnen höchstens die Köpfe abmontiert und damit Fussball gespielt."

Und das tat Jujugol letztlich so gut, dass Heerscharen von faszinierten Zuschauern sie spielen sehen wollten – auch unter Wettkampfbedingungen. Der Druck auf Rios Futsal-Verband wurde schließlich so groß, dass er die Regeln änderte. Die Schülerin aus Teresopolis wurde das erste Mädchen, das in den Jungenligen spielen durfte – und das als Siebenjährige in der Altersklasse U-9.

"Ich war total glücklich", sagt Julia. "Denn der Verband hat sich ja nicht nur für mich geöffnet, sondern auch für andere Mädchen."

Aber damit war Jujugols Kampf noch nicht zu Ende.

"Anfangs hat mir kaum jemand mal den Ball zugespielt. Die dachten wohl, ein Mädchen kann einfach nicht Fussball spielen", so Julia

"Ich habe ihnen dann nach und nach gezeigt, dass ich Fussball mag, dass ich Fussball spielen kann, dass ich Talent habe und Sport für alle da ist. Ich habe mich richtig reingehauen und jeden Tag trainiert, um besser zu werden, bis sie mich dann in ihren Teams haben wollten."

Jujugols Bandbreite ist dabei nachgerade beängstigend. Sie täuscht und dribbelt wie Marta, tunnelt Gegner wie Ronaldinho, ist zweikampfstark und furchtlos wie Hegerberg, spitzelt Bälle weiter wie Romario und hat eine linke Klebe wie Rivelino.

Sie ist schon von Barcelonas Fussballlinternat in Brasilien in das von Paris Saint-Germain gewechselt, begeisterte bei Jugendturnieren auf der ganzen Welt und zählt heute höchst offiziell zu den "Sportlerinnen und Sportlern von Rio de Janeiro".

Sie trainierte im Vorfeld der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019™ mit der brasilianischen Nationalmannschaft um Cristiane, Formiga und Marta. Sie hatte ein Probetraining mit Amandinha und Brasiliens A-Nationalteam im Futsal. Man sieht sie regelmäßig im Fernsehen. Zum Geburtstag bekommt sie heute Anrufe und Videobotschaften von Zico, Marta, Thiago Silva und Cristiane. Auf Instagram folgen ihr über 78.000 Menschen und sehen Bilder von Jujugol mit Ronaldinho, Kaká, Milene Domingues, Fred, Jorginho, Robinho und anderen mehr.

"Ich treffe mich gern mit all diesen Spielerinnen und Spielern, sie bringen mir sehr viel Zuneigung und Aufmerksamkeit entgegen", sagt Jujugol. "Besonders kann ich mich aber mit Andressa Alves und Cristiane identifizieren, denn die sind Stürmerinnen und linksfüßig, so wie ich.

Von ihnen habe ich viele gute Tipps bekommen. Einer war, meine Träume nie aufzugeben, und jedes Training und jedes Spiel zu genießen, damit ich mich weiterentwickle.

Und mein Traum ist es, eine große Fussballerin zu werden und zu wachsen – und zwar nicht allein, sondern zusammen mit dem Frauenfussball."

Überbordendes Talent. Überragende Befähigungen. Kaum zu glauben, dass dieses Mädchen aus Rio de Janeiro erst zehn Jahre alt ist – und damit noch das, was man im Fussball gemeinhin einen "Rohdiamanten" nennt.

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