Jean-Louis voller Optimismus

PD - Seychelles
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Für Ralph Jean-Louis, den Nationaltrainer der Seychellen, kommt es in dem bevorstehenden Duell ebenso auf mentale Stärke an, wie auf Taktik, Technik und körperliche Kondition. Sein Team sei in einer "guten Position", meinte der Trainer im Vorfeld des Duells gegen Kenia zum Auftakt des afrikanischen Qualifikationswettbewerbs für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™.

Dem Team von der Inselgruppe im Indischen Ozean hat allerdings in letzter Zeit keine Wettkampferfahrung sammeln können, nachdem man nicht an der Qualifikation für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2012 teilgenommen hat. Dies heißt allerdings nicht, dass die Spieler auf der faulen Haut gelegen hätten. Im Gegenteil: Im August gewannen die Seychellen als Gastgeber die Goldmedaille beim Fussballturnier im Rahmen der Spiele der Inseln im Indischen Ozean.

Der erst zweite Titelgewinn bei diesem regionalen Turnier ist eine bemerkenswerte Leistung für das mit nicht einmal 100.000 Einwohnern bevölkerungsärmste aller afrikanischen Länder. Der ambitionierte Trainer bezeichnet den Titelgewinn denn auch als großen Motivationsschub für seine Schützlinge, die sich nun auf das Aufeinandertreffen mit den Harambee Stars aus Kenia vorbereiten, die in der aktuellen FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste nicht weniger als 43 Plätze weiter vorn platziert sind.

"Die Jungs haben viel Selbstvertrauen. Wir spielen gut und die Stimmung in der Mannschaft ist sehr optimistisch", so Jean-Louis. "Der Gewinn der Goldmedaille bei den Spielen hat die Einstellung der Spieler von Grund auf verändert. Wir haben eine gute Mannschaft und erwarten ein gutes Ergebnis. Das Ziel ist natürlich der Sprung in die Gruppenphase. Das wäre das erste Mal, dass die Seychellen die erste Runde überstehen und in die nächste Runde einziehen. Wir sind überzeugt, dass das nicht unmöglich ist, insbesondere nach dem Erfolg bei den Spielen der Inseln im Indischen Ozean."

Der Trainer erwartet gegen Kenia eine auch körperlich schwere Aufgabe für seine Mannschaft, die erst 2002 erstmals an einer WM-Qualifikation teilnahm. "Die Kenianer sind groß und bevorzugen das druckvolle Direktspiel. Wir hingegen sind eine Mannschaft, die den Ball gern laufen lässt. In der kenianischen Liga wird ein etwas schnellerer und dynamischerer Fussball gespielt. Abgesehen davon sind wir eigentlich auf dem gleichen Niveau", meinte der Trainer.

Weiter auf der Erfolgswelle
Jean-Louis hat nur noch eine Woche Zeit, um sein Team auf die Partien gegen Kenia einzustellen. Doch für ihn ist die zeitliche Nähe zum Ende der Ligasaison am vergangenen Freitag kein Problem, denn so sind die Spieler noch an den Wettbewerbsdruck gewöhnt. "Das ist ein Vorteil, denn unsere Spieler haben seit mehreren Monaten stets mindestens zwei Ligaspiele pro Woche absolviert. Abgesehen von kleineren Verletzungen hier und da sind alle in guter Form."

Verstärkt wird die Mannschaft durch Kevin Betsy vom englischen Drittligisten Wycombe Wanderers, der mehr als ein Jahrzehnt lang gezögert hatte, für sein Geburtsland zu spielen, bevor er im August sein Debüt im Team der Seychellen gab. "Er reist am nächsten Montag an und stößt dann zu den Spielern im Trainingslager", so der Trainer.

Auf den ehemaligen englischen U‑21‑Nationalspieler Michael Mancienne müssen die Seychellen indes noch etwas länger warten. Der 23-Jährige Verteidiger, der früher beim FC Chelsea unter Vertrag stand, ist seit Saisonbeginn beim Hamburger SV in der Bundesliga aktiv. Er hat dem Fussballverband der Seychellen mitgeteilt, dass er zunächst versuchen wolle, wieder in den Kader der englischen Nationalmannschaft zu gelangen (er wurde bereits früher nominiert). Wenn er bis zu seinem 25. Geburtstag keinen Länderspieleinsatz bekommt, will er für die Seychellen antreten. Manciennes Vater, der früher als Mittelfeldspieler in der Nationalmannschaft aktiv war, wurde auf den Seychellen geboren. "Michael hat dem Verband schon sehr viel Ausrüstung geschenkt. Wir haben einen sehr guten Kontakt zu ihm", so Jean-Louis.  

Am Freitag, 11. November, wird es ernst für die Seychellen. Dann steht das Hinspiel gegen die Kenianer im heimischen Roche Caiman auf dem Programm. "Ein gutes Resultat in diesem Spiel ist sehr wichtig", weiß der Trainer, der vier Tage später mit dem Team nach Nairobi reist, wo das Rückspiel stattfindet. Der Gesamtsieger aus Hin- und Rückspiel zieht in die zweite Runde ein und spielt dort in Gruppe F gegen Malawi, Nigeria und den Sieger des Vorausscheidungsduells zwischen Dschibuti und Namibia.

An eine Niederlage will Jean-Louis gar nicht denken. Eine Pleite wäre nach den Fortschritten der vergangenen Monate in der Tat ein herber Rückschlag. "Das würde ganz sicher all die guten Leistungen des Teams in den vergangenen Monaten überschatten. Wir drücken also die Daumen, dass es nicht dazu kommt."

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