Heute vor 14 Jahren verstarb Ferenc Puskás

Hommage an eine große Persönlichkeit

  • Am 17. November 2006 verstarb Ferenc Puskás im Alter von 79 Jahren
  • Wir blicken zurück auf einen außergewöhnlichen Fussballer
  • Seit 2009 gibt es den FIFA Puskás-Preis

"Ein Pummelchen, das so aussah, als absolviere es seine Trainingseinheiten meist in Restaurants" - so beschrieb der ehemalige englische Nationaltrainer Ron Greenwood einen Mann, der eines Morgens im Jahr 1958 schnaufend in die Umkleide seines neuen Vereins gerollt kam. Schuld daran war eine leichte Fitness-Einheit, die der buchstäbliche Fremd-Körper unter all den sonstigen Topstars obendrein nur zur Hälfte absolviert hatte. Trotzdem war sein Trikot so schweißnass, dass es hartnäckig an seinem Oberkörper klebte. Nachdem er es endlich mühevoll ausgezogen hatte, schleppte er sich unter die Dusche.

Seine damaligen Mannschaftskameraden bei Real Madrid, dem Starensemble seiner Zeit, werden sich verwundert gefragt haben, was in aller Welt sich ihre Vereinsoberen bei der Verpflichtung von Ferenc Puskas gedacht hatten. Er hatte zwei Jahre lang nicht mehr professionell gespielt und er war 31 – damals ein schon fast biblisches Fussballeralter. Zudem galt Puskas als durchaus trinkfreudig und wenn ihn sein stämmiger Körperbau in der ersten Hälfte des Jahrzehnts auch nicht davon abgehalten hatte, seine Gegner das Fürchten zu lehren, so war er inzwischen schlicht und ergreifend dick. Wie sollte so einer also Wunderdinge am Ball veranstalten?

Kraftvoll und genau

Nun, Puskas konnte – und zwar nicht nur mit einem Ball sondern auch mit wesentlich unhandlicheren Objekten. "Ich warf ihm ein Stück Seife zu und er nahm es blitzschnell mit seinem linken Fuß auf, schnippte es auf sein Knie und begann, damit zu jonglieren!", erinnerte sich Francisco Gento später. "Und das mit einem Stück Seife! Wir standen nur staunend da."

Danach war klar: wenn Puskas ein Stück Seife nach seiner Pfeife tanzen lassen könnte, dann konnte es auch noch einen Ball mit der militärischen Präzision spielen, die er in der Armee verinnerlicht hatte. Die Waffe seiner Wahl war der linke Fuß, unglaublich kraftvoll und gleichzeitig genau, sein Ziel war das gegnerische Tor. Am Ende hatte er das Leder in 528 Spielen für die Merengues 512 Mal versenkt und mit ihnen drei Europapokale und fünf spanische Meisterschaften gewonnen.

Dabei war Puskas’ Zeit im Bernabeu-Stadion nur der Ausklang einer erstaunlichen Laufbahn. Sie begann 1943 in Kispest und in seinen zwölf Jahren bei dem 1949 in Honved umbenannten Klub erzielte er 357 Tore in 354 Spielen und wurde fünf Mal ungarischer Meister.

83 Tore in 84 Länderspielen

Zahlen, die ihn landesweit zur Berühmtheit werden ließen. Unsterblich jedoch machten ihn seine Länderspiele. Puskas führte Ungarn 1952 zu Olympischem Gold, zu einem 6:3-Sieg gegen England in Wembley im Jahr darauf, zu einem 7:1 gegen eben jenen Gegner sechs Monate später in Budapest sowie zum Titel im Europapokal der Fussball-Nationalmannschaften, den die Jahrhundertelf mit "Major" Puskas an der Spitze in Rom mit 3:0 gegen Italien gewann. Es waren die goldenen Zeiten der ungarischen Nationalmannschaft. 32 Begegnungen lang blieb sie ungeschlagen – eine Serie, die ausgerechnet mit der 2:3-Niederlage gegen die BR Deutschland im Finale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz endete. Und wer weiß, was geschehen wäre, hätte sich Puskas nicht beim 8:3-Schützenfest gegen den späteren Sieger in der Gruppenphase eine Verletzung zugezogen, wegen der er im Finale allenfalls unrund lief.

Unterm Strich brachte es Puskas letztlich auf 83 Tore in 84 Länderspielen, von denen zahlreiche fantastische Traumtore waren. "Er hat zahllose Tore erzielt, nachdem er seine Gegner aussteigen ließ, obwohl dafür eigentlich gar kein Platz gewesen wäre", beschrieb es sein langjähriger Nationalmannschaftskamerad Nandor Hidegkuti einst. Davon kann auch Billy Wright ein Liedchen singen. Der legendäre englische Vorstopper war nämlich beim gefeierten 6:3 der Ungarn in Wembley dabei und musste sich von Puskas in diesem "Jahrhundertspiel" übertölpeln lassen. "In neun von zehn Fällen hätte ich den Ball erobert. Aber das war eben der zehnte, und mein Gegenspieler war niemand anders als der unvergleichlichliche Puskas", räumte Wright später neidlos ein.

Die weitaus meisten seiner genialen Tore schoss Puskas indes aus der Distanz. "Wenn Puskas 30, 35 Meter vor dem Tor an den Ball kam, hast du es als Torhüter mit der Angst bekommen", so sein ehemaliger Real-Mitspieler Raymond Kopa. "Er hatte nicht nur einen harten Schuss sondern auch eine unglaubliche Präzision. Selbst aus dieser Entfernung konnte er den Ball genau dorthin zirkeln, wo er ihn hin haben wollte."

Eine Hommage an Puskás

Der ehemalige ungarische Nationalspieler Zoltan Czibor sagte einmal: "Er hat nicht nur ungeheuer regelmäßig getroffen sondern auch noch unglaublich schöne Tore gemacht. Er gehört zu den größten Torjägern aller Zeiten und ist auf jeden Fall derjenige, der die meisten Traumtore erzielt hat."

"Er hat immer für alle Zeit. Dieses Lächeln und sein Charme … jeder liebt Puskas", beschrieb es der ehemalige ungarische Nationaltrainer Gusztav Sebes 1969. Zu Puskas' Abschiedsspiel gegen Rapid Wien kamen im selben Jahr 80.000 Zuschauer. Zum Vergleich: Das Endspiel im Europapokal der Landesmeister zwischen Ajax Amsterdam und dem AC Mailand wollten zwei Tage später kaum 32.000 sehen.

Seit 2009 vergibt die FIFA ihm zu Ehren den Puskás-Preis, Geehrt wird der Spieler oder die Spielerin, der oder die im zu Ende gehenden Jahr das schönste Tor erzielt hat.

"Es ist eine enorme Ehre, dass die FIFA, die sich so beispielhaft für unsere Jugend engagiert, einen so wichtigen Preis nach Ferenc Puskás benennt", erklärte seine Frau Erzsébet Puskás bei der Bekanntgabe der Auszeichnung. "Ich danke Ihnen im Namen von 'Öcsi' und all denjenigen, die Ferenc Puskás‘ Talent und Persönlichkeit bewunderten und meinen Ehemann auf der ganzen Welt respektierten. Ich hoffe, dass die jungen Gewinnerinnen und Gewinner viel Freude am Puskás-Preis der FIFA haben und die Fussballfans stolz auf sie sein werden."

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