#Pele80

Herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag an "O Rei"

Pele
© Alexandre Schneider / Getty Images
  • Heute ist der 80. Geburtstag von Pelé
  • "O Rei" hat ein unvergleichliches fussballerisches Erbe geschaffen
  • Wir ehren ihn mit Anekdoten, Fakten und Zahlen

Die Namen

Dondinho und Celeste benannten ihren ersten Sohn Edson nach Thomas Edison, einem der größten Erfinder aller Zeiten. In seiner Familie nannten sie ihn meist "Dico". Den Namen "Pelé" bekam er in der Schule, weil er den Namen des brasilianischen Nationaltorhüters Bile falsch aussprach.

Sein Vater Dondinho spielte in einer unterklassigen Liga. "Ich bin stolz darauf, dass mein Vater der einzige Spieler ist, der in einem Spiel fünf Kopfballtore schaffte", so Pelé gegenüber der FIFA.

Das Versprechen

Dondinho und seine Freunde hingen gebannt am Radio und brachen plötzlich in riesigen Jubel aus: Brasilien war im entscheidenden letzten WM-Spiel 1950 gegen Uruguay mit 1:0 in Führung gegangen. Schon ein Unentschieden im Maracanã-Stadion hätte den Brasilianern gereicht, um erstmals Weltmeister zu werden. Der damals neunjährige Pelé ging also raus, um mit Freunden ein bisschen zu kicken.

"Als ich zurückkam, war ich völlig perplex", erinnert sich Pelé. "Es war das erste Mal, dass ich meinen Vater weinen sah. Er war am Boden zerstört. Ich versprach ihm: 'Weine nicht, Papa. Eines Tages werde ich die Weltmeisterschaft für Dich gewinnen!'"

Eigentlich wollte Pelé Pilot werden, doch nun war er fest entschlossen, Fussballer zu werden.

Der Durchbruch

Der frühere brasilianische Nationalstürmer Waldemar de Brito war als Trainer des kleinen Klubs Bauru tätig, als er den Wunderknaben entdeckte. Er nahm Pelé mit zum Klub Santos und kündigte dort voller Überzeugung an, sein Schützling werde "der beste Fussballer der Welt".

Trainer Lula kicherte zunächst nur in sich hinein, doch nachdem er Pelé zum ersten Mal im Training gesehen hatte, steckte er ihn sofort ins Trikot der ersten Mannschaft, für die Pelé 1956 als 15-Jähriger im ersten Spiel gleich sein erstes Tor erzielte. In den 18 Folgejahren schoss der Stürmer Santos zu 25 großen Erfolgen, darunter je zwei Titel in der Copa Libertadores und im Interkontinental-Pokal.

Nationales Kulturgut

Inter Mailand, Juventus Turin, Manchester United, Real Madrid – die Liste der Klubs, die Pelé verpflichten wollten, ist lang. Die brasilianische Regierung unter Präsident Jânio Quadros erklärte ihn kurzerhand zu einem nationalen Kulturgut, um einen Wechsel ins Ausland zu verhindern.

127

Pelé erzielte 1959 unglaubliche 127 Tore in einem Kalenderjahr

"Zehner" aus Zufall

Pelé steht wie kein anderer Spieler rund um den Globus sinnbildlich für die Rückennummer 10 – aber dazu kam es rein zufällig. Brasilien hatte vor der WM 1958 in Schweden vergessen, die Trikotnummern der Spieler an die FIFA zu melden. Diese wurden daraufhin zufällig vergeben. Mit der Spielposition hatten die Nummern daher nichts zu tun. So spielte Torhüter Gilmar mit der 3 und Innenverteidiger Zozimo mit der 9. Einzig Pelé erwischte zufällig die Nummer, die er zur berühmtesten im Fussball machen sollte.

25

Länderspieltore für Brasilien erzielte Pelé in nur 20 Länderspielen. Kein anderer Spieler der Fussballgeschichte kam als Teeanager so schnell auf 25 Treffer.

Pelé und Garrincha

Pelé und Garrincha bestritten sechs WM-Spiele und zudem zahlreiche Partien bei der Copa América gemeinsam. Sie traten mehrfach gegen Argentinien an und auch gegen europäische Schwergewichte wie England, Frankreich, Portugal, die Sowjetunion, Spanien und die BR Deutschland. Gemeinsam verloren sie kein einziges Spiel.

Der Mann, für den ein Krieg unterbrochen wurde

Im nigerianischen Bürgerkrieg von 1967 bis 1970 fanden ein bis zwei Millionen Menschen den Tod. 1969 wurde für ein Spiel von Pelé mit Santos gegen die Super Eagles ein 48-stündiger Waffenstillstand zwischen den nigerianischen Regierungstruppen und dem abtrünnigen Bundesstaat Biafra vereinbart. Beim 2:2-Unentschieden gab es riesigen Applaus und stehende Ovationen der Heim-Fans für "O Rei".

Den König des Fussballs entthront man nicht

Kaum zweieinhalb Monate vor Beginn der FIFA Fussball-WM Mexiko 1970™ tat Trainer Joao Saldanha, unter dem Brasilien eine perfekte Qualifikation hingelegt hatte, etwas Unglaubliches und nominierte Pelé für ein Freundschaftsspiel gegen Chile nicht. Wenige Stunden später wurde er entlassen!

Eine CBF-Delegation eilte daraufhin zu einer Trainingseinheit von Botafogo und wies Mario Zagallo an, sofort in den Wagen zu steigen, weil er der neue Trainer der Seleção sei. Pelé nutzte das Vertrauen, das er bei seinem ehemaligen Teamkameraden genoss, und überzeugte Zagallo und den Mannschaftsarzt Lidio Toledo, auch Tostao mit zur WM zu nehmen, der wegen einer Augenverletzung fast seine Karriere beenden musste.

WM-Rekorde

  • Pelé ist der jüngste Torschütze, der jüngste Hattrick-Schütze, der jüngste Finalteilnehmer und der jüngste Final-Torschütze in der Geschichte der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™.
  • Gunnar Gren, der 1958 im WM-Finale gegen Brasilien spielte, hatte sein Debüt für Schweden gefeiert, als Pelé noch nicht einmal geboren war. Einen derartigen Altersunterschied von 20 Jahren zwischen zwei gegnerischen Spielern gab es nur dieses eine Mal in einem WM-Finale.
  • Uwe Seeler, Pelé, Miroslav Klose und Cristiano Ronaldo sind die einzigen Fussballer, die bei vier WM-Endrunden trafen. Seeler gelang dies bei der WM 1970 nur drei Minuten vor dem Brasilianer.
  • Vava, Pelé, Paul Breitner und Zinédine Zidane sind die einzigen Spieler, die sich in zwei WM-Endspielen in die Torschützenliste eintrugen.
  • Pelé brachte es bei der WM 1970 in Mexiko auf sechs Torvorlagen – Rekordwert für ein WM-Turnier. Vier Spielern gelangen fünf Torvorlagen, nämlich Robert Gadocha 1974 in Deutschland, Pierre Littbarski 1982 in Spanien, Diego Maradona 1986 in Mexiko und Thomas Hässler 1994 in den USA. Pelé bereitete in zwei WM-Endspielen drei Tore vor, nämlich eines 1958 gegen Schweden und zwei 1970 gegen Italien.

Der Täufer

Pelé war es, der den weltweit bekannten Ausdruck 'O jogo bonito' (das schönste Spiel der Welt) für den Fussball prägte. Brasiliens Mannschaft von 1970 nannte er später entsprechend "das schönste Team der Welt".

Der König von New York

Anfang der 1970er Jahre war Fussball in New York nahezu unbekannt. Aber es wimmelte von Stars. Die bekanntesten Persönlichkeiten der Welt waren im Big Apple.

Als New York Cosmos 1975 sensationell Pelé aus dem Ruhestand holte, explodierte die Beliebtheit des Fussballs förmlich. Cosmos wurde zum schillerndsten Klub der Welt und "O Rei" zum VIP aller VIPs in NYC.

"Jeder, wirklich jeder, wollte seine Hand schütteln und ein Foto mit ihm", erzählte Mick Jagger von Pelés Besuch im Studio 54. "Sagen zu können, man hatte mit Pelé gefeiert, war die größte Auszeichnung."

Pelé zog riesige Zuschauermengen in die Stadien und war der Grund dafür, dass Stars wie Muhammad Ali, Peter Frampton, Mick Jagger, Elton John, Diane Keaton, Henry Kissinger, Robert Redford, Rod Stewart und Barbra Streisand zu Cosmos-Fans wurden. Um mit Pelé zu spielen, kamen auch Franz Beckenbauer, Carlos Alberto und Giorgio Chinaglia in den Big Apple. In seiner letzten aktiven Saison feierte Pelé mit New York Cosmos den Gewinn der Soccer Bowl.

The King rocks NYC

Siehe auch

The King rocks NYC

Film und Fernsehen

Flucht oder Sieg

Pelé spielte eine Hauptrolle in diesem Film von 1981, in dem auch Sylvester Stallone, Michael Caine, Max von Sydow sowie Bobby Moore dabei waren. Es ging um alliierte Kriegsgefangene, die ein Fussballspiel gegen die Deutschen bestritten.

Der Rest

Pelé spielte außerdem in mehreren brasilianischen Seifenopern, Fernsehserien und Filmen mit.

Die Simpsons

“Hey, Dad, wieso hast du uns eigentlich nie zu einem Fussballspiel mitgenommen", fragt Bart Homer in einer Episode aus dem Jahr 1997. In der nächsten Szene sieht man die Simpsons im Stadion von Springfield, wie sie dabei zuschauen, als Pelé ein Spiel zwischen Portugal und Mexiko in Gang setzt.

Seitdem kamen andere Spieler wie David Beckham, Ronaldo, Cristiano Ronaldo und Neymar ebenfalls bei den Simpsons vor.

Die erfolgreichsten internationalen Torschützen Südamerikas

Spieler Land Tore Spiele Quote
Pelé Brasilien 77 91 0,85
Lionel Messi Argentinien 71 140 0,51
Neymar Brasilien 64 103 0,62
Ronaldo Brasilien 62 98 0,63
Luis Suarez Uruguay 62 115 0,54
Romario Brasilien 55 70 0,79
Edinson Cavani Uruguay 50 116 0,43
Zico Brasilien 48 71 0,68
Alexis Sanchez Chile 45 134 0,34
Sergio Aguero Argentinien 41 97 0,42
6

Tore schoss Pelé in gerade einmal zwei Spielen gegen Frankreich - einen 5:2-Hattrick im Halbfinale von Schweden 1958 und einen weiteren Dreierpack 1963 in einem Freundschaftsspiel gegen Paris. Am meisten traf er für Brasilien gegen Paraguay (10 in 9 Spielen) und Argentinien (8 in 9).

Pele plays the guitar at the Brazil team hotel during Mexico 1970
© Getty Images

Musik

Vier Tage vor seinem 80. Geburtstag veröffentlichte Pelé Acredita No Véio (Hört auf den alten Mann), ein Lied, das mit Rodrigo y Gabriela aufgenommen wurde, die 2019 den Grammy gewannen.

Pelé liebte sein ganzes Leben lang die Musik und hat seit Anfang der 1960er hunderte Lieder komponiert. Er war dafür bekannt, überall ein Aufnahmegerät dabeizuhaben, denn "ein Lied kann dir jederzeit in den Kopf kommen - sogar bei einer Weltmeisterschaft".

VIP und Ehrentitel

1970 wurde Pelé als bekannteste Persönlichkeit der Welt ausgezeichnet, noch vor John Lennon, Papst Paul VI, Paul McCartney, Muhammad Ali, Paul Newman, Queen Elizabeth II, Neil Armstrong, Elvis Presley, Clint Eastwood, Elizabeth Taylor, John Wayne und Barbra Streisand.

Wenige Jahre später war der Name Pelé weltweit der zweitbekannteste, vor den großen Öl- und Gasunternehmen, Banken, Autoherstellern, Fluggesellschaften und Telekommunikationsgiganten. Einzig und allein Coca-Cola war rund um die Welt noch bekannter.

Pelé, Muhammad Ali und Jackie Robinson sind die einzigen Sportler, die es in die 1999 veröffentlichte Liste der wichtigsten Persönlichkeiten des Jahrhunderts des TIME Magazine schafften.

Im gleichen Jahr war Pelé einer von neun Sportlern, die vom Internationalen Olympischen Komitee als Sportler des Jahrhunderts ausgezeichnet wurden – und das, obwohl er nie an Olympischen Spielen teilgenommen hatte. Zu den anderen gehörten mit Carl Lewis, Mark Spitz und Nadia Comaneci drei der erfolgreichsten Athleten der olympischen Geschichte, sowie Steffi Graf und Michael Jordan.

Pelé erhielt im Jahr 2000 den erstmals verliehenen Laureus Lifetime Achievement Award.

Obrigado, Rei

FIFA: "Vielen Dank, dass Sie heute hier sind, Cafu."

Cafu: "Wow! Sie danken mir, dass ich hierher gekommen bin, um dies für den 80. Geburtstag von O Rei aufzunehmen? Nein – ich danke Ihnen!"

Pelé, keine Worte können dir jemals gerecht werden, aber diese Einleitung und der Wunsch so vieler Fussballlegenden auf der ganzen Welt, in diesen unruhigen Zeiten alles zu tun, um dich zu ehren, veranschaulicht vielleicht am besten, welch unermesslichen Wert du für den Fussball hast.

Danke für alles, und einen SCHÖNEN 80. Geburtstag!

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