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Harris: "Eine echte Herzensangelegenheit"

Atiba Harris in action for FC Dallas in MLS.
© Getty Images

Atiba Harris wird immer wieder angesprochen, wenn er auf den Straßen von Basseterre unterwegs ist. Die Leute legen den Arm um ihn und machen schnell ein Selfie mit dem Star. "Ein sehr freundlicher Ort", so Harris im Gespräch mit FIFA.com, wobei die ihm entgegengebrachte Verehrung ihm offenbar leicht peinlich ist. Doch er ist nun einmal der beste Fussballer, den St. Kitts und Nevis je hervorgebracht hat. Der schlanke, groß gewachsene Stürmer, der immer ein Lächeln auf den Lippen hat, ist ein Fussball-Idol.

Er verließ die Inseln mit ihren knapp 60.000 Einwohnern bereits im Alter von 17 Jahren. Der Wechsel nach Spanien bedeutete für ihn, erstmals in seinem Leben seine Heimat, die Gemeinde St. Peter in der Nähe von Monkey Hill, zu verlassen. Er war der erste und ist bis heute der einzige Spieler aus St. Kitts und Nevis, der als Profi in Spanien spielte. "Ich kannte niemanden", erzählt er über seine Anfangszeit in Cadiz und gibt zu, dass ihm die Offenheit und der Humor seiner Heimat fehlten.

"Hier sind alle glücklich und zufrieden", so Harris weiter, der nun seine Zeit in seiner Heimat Basseterre und in Texas verbringt, wo er für den FC Dallas spielt. "Ich versuche, mindestens ein Mal im Jahr zurückzukommen", so der Kapitän der Nationalmannschaft, genannt die Sugar Boyz.

**Internationale Erfahrung

**In seiner karibischen Heimat ist Harris eine Ikone, in der nordamerikanischen Major League Soccer wechselt er seit 2005 von Klub zu Klub. In seinen neun Spielzeiten in Amerika trug er bereits die Trikots sechs verschiedener Teams, in denen er meist als vielseitig einsetzbarer Einwechselspieler von der Bank kommt. Genau diese Vielseitigkeit ist es, die ihn so wertvoll macht. Harris ist schnell genug, um die Außenbahnen zu besetzen und dort seine Spielübersicht zu nutzen, er kann jedoch auch als Neuner im Angriff eingesetzt werden. Er ist ein vorbildlicher Profi, gehört jedoch nicht zu den großen Stars der MLS. Selbst in den sechs amerikanischen Städten, in denen er gelebt und gespielt hat, wird Harris auf der Straße nur selten erkannt.

Aktuell ist er zum zweiten Mal beim FC Dallas und erlebt dort eine kleine Renaissance. Seine erfolgreichste Saison hatte er 2009 bei dem texanischen Klub, mit dem er den MLS Cup erreichte. Als er die San Jose Earthquakes im vergangenen Jahr verließ, holte man ihn zurück nach Dallas. Der mittlerweile 30-Jährige hat sich beim derzeitigen Tabellenzweiten der Western Conference einen Stammplatz erspielt. In der noch jungen Saison stand er bei fünf der bisherigen sechs Spiele in der Startformation. Trainer Oscar Pareja schenkt ihm sein Vertrauen. Die Folgen der Knieverletzung, wegen der er die gesamte Saison 2011 versäumte, scheinen endgültig überwunden.

"Ich bin zufrieden in Dallas", sagt er über seine Wahlheimat. "Auch meine Familie fühlt sich hier sehr wohl. Wir schießen viele Tore und fahren Siege ein." Seine Brötchen verdient Harris zwar in Dallas, doch seine Heimat bleibt St. Kitts und Nevis. Dort findet sein Herz Frieden. "St. Kitts ist wie eine Familie", so der heutige Teamkapitän, der sein Debüt in der Nationalmannschaft bereits im zarten Alter von 15 Jahren feierte. "Hier ist alles etwas anders. Die Leute lächeln mehr. Ständig läuft man Freunden aus der Jugendzeit über den Weg."

Als Harris Ende März zum letzten Mal in der Heimat war, trug er zum Einzug der Nationalmannschaft in die nächste Runde der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ bei. Gegen den Nachbarn Turks- und Caicos-Inseln gab es einen klaren 6:2-Erfolg. Doch als vorbildlicher Profi war er auch nach dieser Partie nicht restlos zufrieden. "Das Resultat ist natürlich gut für uns", so Harris, der selbst den ersten Treffer erzielte. "Aber wir hätten noch mehr Tore schießen können, und dass wir zwei Gegentreffer kassiert haben, gefällt mir auch nicht. Damit bin ich nicht sehr zufrieden."

**Professionelles Niveau

**Harris flog bereits vor dem Rückspiel nach Dallas zurück. Dennoch nimmt er seine Verpflichtungen als Kapitän der Nationalmannschaft ernst, die indes auch ohne ihn das Rückspiel ebenfalls mit 6:2 gewann (Gesamtresultat 12:4). Es ist zwar unwahrscheinlich, dass St. Kitts und Nevis es in der WM-Qualifikation noch besonders weit bringt. Eine WM-Teilnahme oder auch die Teilnahme am CONCACAF Gold Cup blieb bisher jedenfalls stets ein großer Traum. Doch darum geht es auch gar nicht.

"Wenn man für sein Land spielt, und insbesondere als Kapitän, dann tut man das nicht für das Geld", so Harris, ein Cousin ersten Grades des englischen Mittelfeldspielers Micah Richards. "Man spielt für seine Mutter und seinen Vater, seine Großmutter und seinen Großvater. Das hat einen hohen Stellenwert und alles ist eine echte Herzensangelegenheit."

Wie in jeder Familie sind auch in der Heimat die Erwartungen hoch. "In dem Stadion hier kann man jeden einzelnen Ruf hören", so Harris. "Man spürt den Druck. Die Leute erwarten Tore, egal wie. Sie wollen gut unterhalten werden und sich über Siege freuen – ob der Gegner nun Turks und Caicos oder USA heißt."

Die nächste große Herausforderung für das kleine St. Kitts und Nevis ist das Duell mit El Salvador im Juni. Die Mittelamerikaner müssen im direkten Vergleich als wahrer Fussballgigant gelten. In der Weltrangliste rangieren sie immerhin 27 Plätze vor den Sugar Boyz. Zudem waren sie 1970 und 1982 bei den WM-Endrunden dabei. Kürzlich konnten sie sogar Argentinien in einem Freundschaftsspiel lange Zeit Paroli bieten und verloren am Ende nur mit 0:2 gegen den Vizeweltmeister. Doch wenn man für die Familie spielt, dann ist laut Kapitän Harris so ziemlich alles möglich. "Hier geht es eben um eine Herzensangelegenheit", sagt er mit schwellendem Stolz. "Die Familie lässt man nicht im Stich."

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