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Guinea-Bissau feiert einen bemerkenswerten Erfolg

Guinea-Bissau national team
© Others

Wäre im Fussball alles berechenbar, so würde sich die Nationalmannschaft von Guinea-Bissau jetzt nicht auf ihre erstmalige Teilnahme am CAF Afrikanischen Nationen-Pokal im Januar in Gabun vorbereiten. Doch das Team sorgte mit dem völlig unerwarteten Erfolg in einer schweren Qualifikationsgruppe für das jüngste Fussballmärchen Afrikas und qualifizierte sich sogar schon am vorletzten Spieltag für die Endrunde des Turniers.

Dank des 3:2-Siegtreffers durch Toni Silva in der 90. Minute besiegte das Team im vorletzten Spiel der Gruppe E Sambia, den Afrikameister von 2012 und baute damit den Vorsprung an der Tabellenspitze auf vier Punkte aus. Es war der Schlusspunkt einer beeindruckenden Aufholjagd, denn nach zwei Spieltagen hatte die Mannschaft erst einen Punkt auf dem Konto gehabt und hatte schon drei Punkte hinter Sambia und Kongo zurückgelegen.

Doch nach zwei knappen 1:0-Siegen gegen Kenia wurde dem Team laut den Worten von Kapitän Bocundji Ca klar, dass ein Erfolg noch möglich war. "Bei den Siegen gegen Kenia hat jeder sein Bestes gegeben. Alle Spieler haben ihr ganzes Potenzial genutzt."

Da sich Sambia und Kongo in ihren beiden Duellen mit 1:1 trennten und somit jeweils nur zwei Punkte holten, fand sich Guinea-Bissau plötzlich an der Tabellenspitze wieder und hatte erstmals in der Geschichte die Möglichkeit, sich für die Endrunde der Afrikameisterschaft zu qualifizieren. Ca vom französischen Zweitligisten FC Paris berichtet, die historische Chance habe dem Team Flügel verliehen. "Wir sind mit der gleichen Entschlossenheit in das Spiel gegen Sambia gegangen wie gegen Kenia. An ein Unentschieden haben wir nicht gedacht. Wir wollten gewinnen, unbedingt. Erstmals in unserer Geschichte hatten wir die Chance, uns für die Endrunde der Afrikameisterschaft zu qualifizieren. Diese Chance durften wir nicht ungenutzt lassen."

Tatsächlich hatte das Team aus dem kleinen, zwischen Senegal und Guinea gelegenen Land Erfolg. Zezinho brachte die Mannschaft per Elfmeter in Führung, doch kurz darauf konnte Collins Mbesuma für den Afrikameister von 2012 ausgleichen. Stürmer Frederic Mendy, der sein erstes Länderspiel für Guinea-Bissau bestritt, stellte die Führung noch vor der Pause wieder her, doch Sambia konnte erneut ausgleichen, dieses Mal durch Christopher Katongo.

Angetrieben von den Fans im ausverkauften Stadion in der Hauptstadt Bissau gelang Silva, ebenfalls ein Debütant, in der letzten Minute der regulären Spielzeit der umjubelte Siegtreffer. Einen Tag später wurde aus dem Jubel absolute Extase, da Kenia sein Spiel gegen Kongo drehte und mit 2:1 siegte. Damit war die historische Qualifikation Guinea-Bissaus besiegelt.

Erfolgsformel
Der Weg nach Gabun war laut Ca allerdings keineswegs eine leichte Angelegenheit. "Unsere Spiele waren sehr schwer und kompliziert. Es war alles andere als einfach, doch unser Teamgeist ist sehr gut, und das macht uns stark. Jeder beteiligt sich an der Verteidigung, auch die Stürmer. Wir setzen unsere Gegner stark unter Druck. Wir greifen zusammen an und wir verteidigen zusammen. Das mag sich elementar anhören, doch noch vor wenigen Jahren war es nicht so. "Diese enorme Solidarität im Team ist unsere größte Stärke. Und auch unser Heimpublikum verleiht uns viel Kraft."

Obwohl Guinea-Bissau eine ehemalige portugiesische Kolonie ist, sprechen nicht alle Spieler Portugiesisch. Darin sieht Ca allerdings kein Problem. "Ob wir nun Portugiesisch oder Spanisch sprechen, spielt keine Rolle. Wir sind alle auf der gleichen Wellenlänge."

Das Team wird von Paulo Torres trainiert, einem Mitglied der Goldenen Generation Portugals, die 1991 die FIFA Junioren-Weltmeisterschaft gewann. "Der Trainer spricht auf dem Platz nicht sehr viel. Er ist ein sehr ruhiger Mensch. Aber er führt sehr intensive Einzelgespräche mit den Spielern und erklärt jedem, was er von ihm erwartet. Er ist sehr professionell. Wir spüren das Vertrauen und die Unterstützung. Alle sind sehr engagiert", so Ca.

Einen weiteren Grund für den Erfolg sieht der Kapitän in der Unterstützung durch höchste Stellen. "Wir spüren die Unterstützung des ganzen Landes, allen voran von Präsident José Mário Vaz, mit dem wir im Mai und Juni drei Mal zusammengetroffen sind. Das Interesse am Fussball ist relativ neu. Bisher gehörte Fussball nicht unbedingt zu den führenden Themen in Guinea-Bissau. Aber offenbar hat die Regierung erkannt, wie sehr der Fussball dem Land zugute kommen kann."

Ein erfolgreiches Abschneiden in Gabun würde der Stimmung im Land sicher weiteren Auftrieb verleihen. Ca sagt, die Spieler hätten keine Angst vor dem Kräftemessen mit den besten Teams aus Afrika. "Wir freuen uns sehr darauf, beim Afrikanischen Nationen-Pokal zu spielen. Wir haben nichts zu verlieren. Siege gegen Teams wie Sambia haben uns gezeigt, dass wir nicht unterlegen sind. Wenn wir ein Team schlagen können, das erst vor wenigen Jahren die Afrikameisterschaft gewonnen hat, warum sollten wir uns dann Sorgen über unsere Turnierteilnahme machen?"

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