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Groundhopping – der Fussball als Faktor kultureller und sozialer Begegnungen

© Others

26.000 Kilometer innerhalb von 14 Tagen und 18 besuchte Stadien – auf den ersten Blick muss man schon verrückt sein, um eine solche Reise zu unternehmen. Doch dahinter stecken gute Gründe, beispielsweise Fussball-Leidenschaft, das Entdecken fremder Kulturen, das Schließen neuer Freundschaften und das Erfüllen von Träumen. Darum geht es Groundhoppern, den Weltenbummlern des Fussballs, in aller Regel.

Ron Coppens, Pim Meussen und Theo van Gestel waren die Protagonisten dieser Wahnsinnstour durch argentinische Stadien – einige davon mit Weltruhm, andere lediglich der Stolz eines Stadtviertels. Die drei sind Niederländer, doch es gibt auch in anderen Ländern Hunderte von ihnen, insbesondere in Europa. Es geht um Fans, die Städte oder Länder bereisen, weil sie Spaß daran haben, sich ein Fussballspiel anzuschauen.

Die Groundhopping-Szene wächst von Tag zu Tag. Berichte in sozialen Netzwerken, Blogs, einschlägige Foren und sogar spezielle Apps führen Fans aus unterschiedlichen Ecken und Enden der Welt zusammen. Sie bieten Informationen, Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch und helfen bei der Entscheidung darüber, welches Stadion als nächstes besucht werden könnte. Darüber hinaus gibt es dort nützliche Tipps für die Beschaffung der Eintrittskarten, und es lassen sich neue Kontakte knüpfen. 

"[Das Groundhopping] gibt mir die Möglichkeit, mehrere Dinge unter einen Hut zu bringen", erklärt der 30-jährige Ron im Gespräch mit FIFA.com. "Andere Städte sehen, gemeinsam mit Freunden oder meiner Frau reisen, ein Fussballspiel genießen und Freundschaften mit anderen Fans schließen. Der Fussball verbindet!"

Dieses Interesse, den Fussball mit kulturellen und gesellschaftlichen Aspekten zu verknüpfen, ist allen Groundhoppern gemein. Und dann hat jeder von ihnen ganz eigene Vorlieben.

"Es gibt unterschiedliche Typen", berichtet der 49-jährige Pim, der seinen offiziellen Einstand in der Groundhopper-Szene 1997 anlässlich einer Partie zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund gab.

"Einige möchten alle Profistadien besuchen, andere sämtliche Profi- und Amateurstadien. Es gibt Groundhopper, die nur zur Derbys fahren und andere, die sich auf 'verlassene Stadien' spezialisiert haben, das sind alte Stadien, die von den Klubs bereits aufgegeben wurden. Ich selbst fahre gern überall hin, wo ich mir eine Partie anschauen kann."

Der Fussball führt zusammen

Die Reise der drei Fans nach Argentinien ist ein gutes Beispiel für die Bande, die in diesem Umfeld geknüpft werden. Ron und Theo kennen sich bereits seit 20 Jahren. "Ich war bei den Jugendteams des VV Steensel Rons Trainer, und heute ist er einer meiner besten Freunde", meint der 47-jährige Theo.

Die beiden leben in der Nähe von Eindhoven und sind Fans der PSV. Ron, der es als Groundhopper bereits auf 426 besuchte Stadien bringt, hat Theo in die Szene eingeführt, und die beiden unternehmen viele Reisen zusammen. Laut Theo träumten sie davon, den argentinischen Fussball einmal hautnah zu erleben, um "sich ein Bild von den Fans zu machen und diese großen, alten Stadien zu besuchen, die man in Europa nur noch selten sieht".

Pim, Fan von N.E.C. Nijmegen und wohnhaft in Harderwijk hatte seine Reiseroute bereits Monate zuvor geplant. Kurz bevor es losgehen sollte, machte sein Begleiter dann einen Rückzieher. Er setzte sich über Twitter mit Ron und Theo in Verbindung, die er damals noch nicht kannte, um sich ihnen anzuschließen. Zwei Wochen später machten sich alle drei auf den Weg in Richtung Buenos Aires. Für Pim ist das "die Hauptstadt des Fussballs".

"Das war nicht gelogen ..."

In Argentinien sahen sie ihre höchsten Erwartungen bestätigt. Mit jeder Partie stieg der Adrenalinpegel, und ein schönes Erlebnis jagte das nächste. Sie besuchten Stadien der ersten, zweiten, dritten und sogar vierten Liga.

"Die schönste Erfahrung war die Unterstützung, die wir von den einheimischen Fans bekamen", meint Ron. Fans sowie einige Journalisten waren beim Kaufen der Tickets sowie beim Ausloten der besten Reisemöglichkeiten von einem Stadion zum nächsten behilflich. "Was über Twitter und Facebook alles möglich ist, ist unglaublich", fügt er hinzu.

Auf diesem Wege wurden sie von der Medienabteilung von Atlético Huracán kontaktiert. Man bot ihnen Gratistickets an und die Möglichkeit, das Spielfeld zu betreten. "Was für ein Stadion! Nostalgie pur!", meint Ron begeistert. "Als wir auf dem Spielfeld standen, haben wir uns alle drei angesehen und gesagt: 'Wow!", fügt Pim hinzu.

Die drei möchten unbedingt noch einmal wiederkommen. Theo war fasziniert von Rosario Central, und zwar "wegen der Atmosphäre, des Stadions und der hervorragenden Partie, die ich gesehen habe."

Pim kehrte einige Tage nach dem Spiel nach Quilmes zurück, um Trikots zu kaufen, obwohl er dazu eine Stunde im Taxi verbringen musste. "Dank des herzlichen Empfangs, der uns in Argentinien bereitet wurde, haben wir jede Minute der Reise genossen."

Für Ron gab es gleich mehrere Lieblingsmonente. Er hat das Glück, Ende März bei einer von der Fussballzeitschrift Staantribune im Stadion von Go Ahead Eagles organisierten Veranstaltung darüber berichten zu können. Dutzende von Groundhoppern werden ihm zuhören, begierig, sich in die Planung der nächsten Reise zu stürzen – wo auch immer der Fussball sie hinführen mag.

18 Spiele in 12 Tagen
Rosario Central - River Plate Racing Club - Godoy Cruz Lanús - Rosario Central
Vélez Sarsfield - Colón Talleres (RE) - UAI Urquiza Huracán - Unión (SF)
San Lorenzo - Newell's Quilmes - Chacarita Independiente - Racing Club
Almagro - Gimnasia de Mendoza Boca Juniors - Atl. Tucumán River Plate - San Martín (T)
Banfield - River Plate Sportivo Italiano - V. Arenas Defensa - Justicia v Boca Juniors
Dep. Español - Dep. Riestra Barracas Central - Comunicaciones Newell's - San Martín (SJ)

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