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Das Phänomen Gehfussball 

BayCity Strollers walking football team train.
© Others
  • Gehfussball ist seit seiner Entstehung im Jahr 2011 immer beliebter geworden
  • John McKellar gründete und trainiert einen der erfolgreichsten Klubs
  • Er erklärt, warum sich Tausende neuer Spieler anmelden

Fussballfans dürfen sich ihr ganzes Leben lang an dieser Sportart erfreuen.

Das Fussballspielen und die körperliche Fähigkeit dazu, war traditionell nur für eine begrenzte Zeit möglich. Jeder von uns weiß noch, wie viel Spaß das Spiel mit dem Ball als Kind gemacht hat, und viele haben sicher noch bis ins Erwachsenenalter hinein gespielt. Im Alter von 50 Jahren schnüren jedoch nur noch wenige die Fussballschuhe.

Mit der Einführung des Gehfussballs ändert sich dies nun. Jetzt sind ältere Spieler nicht mehr zu langsam, um mithalten zu können, sondern der Fussball schaltet einen Gang runter, damit sie die heiß geliebte Sportart weiterhin betreiben können. Diese langsame Variante erfreut sich immer größerer Beliebtheit.

John McKellar, Gründer und Trainer des Gehfussballteams BayCity Strollers in Kent (England), erklärt das Phänomen. "Als wir 2014 begonnen haben", berichtet er, "existierte der Gehfussball erst seit etwa zwei Jahren und landesweit gab es etwa 80 Klubs. Jetzt sind es über 1000.

"Darüber hinaus gibt es auch eine ganze Reihe internationaler Turniere, insbesondere in Europa. Die Entwicklung des Gehfussballs ist wirklich phänomenal. Und die Sportart wird weiter wachsen."

Gehfussball: Eckdaten

  • Teams mit 5, 6 oder 7 Spielern
  • Kein Rennen mit oder ohne Ball
  • Keine Grätschen und minimaler Körperkontakt
  • Der Ball muss unterhalb Kopfhöhe gespielt werden

Bereits lange bevor McKellar sich mit der Gehvariante beschäftigte, war der Fussball ein integraler Bestandteil seines Lebens. Der ehemalige aufstrebende Spieler des FC Gillingham absolvierte eine Trainerausbildung und ist für Charlton Athletic tätig. Darüber hinaus organisiert er Fussballcamps und Klubs in südenglischen Schulen.

Doch obwohl McKellar im Fussball zu Hause ist, stieß er beim Fernsehen zum ersten Mal auf Gehfussball.

BayCity Strollers coach John McKellar.
© Others

"Ich bin vor einigen Jahren durch einen TV-Werbespot der Barclays Bank darauf gekommen", erklärt er. Ich weiß noch, dass ich gedacht habe: 'Das ist eine tolle Idee, und in diesem Bereich würde ich mich gern einbringen. Ich erinnere mich noch an die erste Trainingseinheit mit den BayCity Strollers im Oktober 2014. Es war ein wirklich furchtbarer, windiger und regnerischer Abend – mit sintflutartigen Regenfällen. Zehn Minuten vor dem geplanten Beginn stand ich ganz allein da. Aber dann, als ich gerade die Bälle und Hütchen einpacken wollte, tauchten zwei Männer auf. Dann kamen noch einige weitere dazu."

"Ich sagte zu ihnen: 'Ok, bei diesem Wetter haben wir zwei Möglichkeiten: Entweder wir gehen in die Kneipe und machen nächste Woche einen neuen Anlauf, oder wir kicken ein wenig.' Sie waren sich alle einig: 'Lasst uns spielen.' So hat es angefangen. In der darauffolgenden Woche kamen noch zwei weitere Spieler hinzu, und so ging es weiter. Mittlerweile haben wir über 40 Mitglieder."

Die BayCity Strollers, deren ältester Spieler, Trevor, 73 Jahre alt ist, sind eine der großen Erfolgsgeschichten des Gehfussballs. Mehrere Spieler nehmen an Probetrainings für das englische Nationalteam teil und kürzlich wurden die Strollers in der Halbzeitpause der Partie zwischen West Ham United und dem FC Liverpool geehrt, nachdem sie ein Turnier im London Stadium der Hammers gewonnen hatten.

Doch solche Erfolge auf dem Platz nehmen in der Liste der Beitrittsgründe einen eher geringen Stellenwert ein. "Einige Mitglieder sind nur dabei, um fit zu bleiben, andere wollen zurück zum Fussball und für wieder andere ist der Sport hilfreich bei gesundheitlichen Problemen", erklärt McKellar.

"Letztes Jahr trat zum Beispiel die erste Frau unserem Klub bei. Ihr Arzt hatte ihr erklärt, dass ihr Diabetes außer Kontrolle geriet und dass sie Bewegung brauchte. Kürzlich war sie erneut beim Arzt und hat erfahren, dass sie außerhalb der Diabetes-Skala ist – dank Gehfussball hat sie das Problem vollständig unter Kontrolle bekommen.,Ebenso wichtig ist oft der soziale Aspekt. Die Leute kommen raus und treffen andere Menschen. Und die Kameradschaft, die bei uns herrscht, ist wirklich grandios Es ist eine fantastische Möglichkeit, Menschen aus dem Haus zu locken, insbesondere, wenn sie allein leben. Wir hatten auch schon Spieler mit psychischen Problemen, die enorm vom Gehfussball profitiert haben. Das ist beim Fussball im Allgemeinen so beeindruckend – es geht nicht nur um die Vorzüge, die er bringt, wenn du auf dem Platz stehst. Wir veranstalten Quizabende, Bowling-Abende, sammeln Geld für den guten Zweck und ich glaube, das hat sich wirklich positiv auf das Leben aller Beteiligten ausgewirkt."

Daran dürfte es keinen Zweifel geben. Tausende können inzwischen die positiven Auswirkungen dieser Sportart bestätigen, und die Kunde verbreitet sich schnell. Der kometenhafte Aufstieg des Gehfussballs dürfte sich daher fortsetzen.

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