FIFA Congress

FIFA-Schiff auf Kurs

A general view of Mauritius, which will host the FIFA Congress 2013. Copyright: Mauritius Tourism
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Für die Debatte über die letzten Vorschläge im Reformprozess gibt es kaum eine bessere Kulisse als die zauberhafte Insel im Indischen Ozean, wenn man sich an das Versprechen von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter beim FIFA-Kongress 2011 erinnert, das FIFA-Schiff wieder in ruhige und klare Gewässer zu steuern. Die Delegierten der 209 FIFA-Mitgliedsverbände werden allerdings wenig Zeit haben, die wunderschöne Aussicht vom Swami Vivekananda International Convention Centre zu genießen, denn beim zweitägigen Kongress wartet ein dicht gedrängtes Programm.

Wichtigster der insgesamt 19 Punkte auf der Tagesordnung sind zweifellos die beantragten FIFA-Statutenänderungen zum Abschluss des zweijährigen Governance-Reformprozesses.
Nachdem beim FIFA-Kongress im letzten Jahr in Budapest bereits einige wichtige Reformen beschlossen wurden (siehe Reformplan auf Seite 15), werden die Mitgliedsverbände nun über die letzten Änderungen abstimmen, die zehn Hauptpunkte betreffen und die Führungsstruktur, Integrität, Transparenz und den repräsentativen Charakter des Weltfussballverbands stärken sollen.

So sollen etwa die Leumundsprüfungen, die gemäß Beschluss des FIFA-Kongresses 2012 bereits für alle Amtsträger gelten, die vom Kongress gewählt werden, auf weitere wichtige Schlüsselpositionen – insbesondere auf alle Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees – ausgedehnt werden. Zur Wahl des FIFA-Präsidenten werden zudem nur Bewerber zugelassen, die von insgesamt mindestens fünf Mitgliedern vorgeschlagen wurden und in den letzten fünf Jahren während mindestens zweier Jahre eine aktive Rolle im Association Football gespielt haben.

Die vorgeschlagenen Reformen sehen ebenfalls vor, dass die FIFA-Mitglieder alle maßgebenden Parteien in ihre Struktur einbinden, damit die wichtigsten Anspruchsgruppen im Fussball stärker vertreten sind. Der Kongress wird im Weiteren über die freiwillige Restrukturierung des International Football Association Board (IFAB) informiert, der im Fussball über die Spielregeln wacht.

Wie der IFAB bei seiner Jahresversammlung am 2. März bekannt gab, werden insbesondere zwei neue Beratungsausschüsse geschaffen, denen zum einen Schiedsrichterexperten und zum anderen ehemalige Spieler und Trainer, amtierende Trainer und technische Direktoren angehören, womit die wichtigsten Akteure besser eingebunden sind.
* WM-Bewerbungen*
Bei der Vergabe der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ soll laut Vorschlag künftig der Kongress das letzte Wort haben, wie dies der FIFA-Kongress 2011 im Grundsatz bereits beschlossen hat. Demnach wird der FIFA-Kongress anhand eines detaillierten Bewerbungs- und Veranstaltungsreglements, das die FIFA erlassen wird, und auf Grundlage einer Vorauswahl von bis zu drei Bewerbungen durch das FIFA-Exekutivkomitee den Ausrichter der Endrunde der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft bestimmen. Dabei gilt, dass der Kongress jeweils nur eine FIFA Fussball-Weltmeisterschaft vergeben darf und dies zudem nicht an ein Mitglied der Konföderation, die bereits die letzte Endrunde veranstaltet hat.

Die weiteren vorgeschlagenen Änderungen betreffen eine Reihe von Ausführungen und Präzisierungen in den FIFA-Statuten, einschließlich der Neufassung der Art. 2 und 3, mit der die Förderung von Ethik und die Bekämpfung von Diskriminierung verstärkt und genauer definiert werden.

Nach der Abstimmung über diese Änderungen wird der Kongress schließlich über zwei Vorschläge zur Einführung von Alters- und/oder Amtszeitbeschränkungen für wichtige Amtsträger entscheiden.

"Wir konnten bereits beim Kongress 2012 in Budapest einige wichtige Reformen verabschieden. Ich freue mich nun auf den Abschluss dieses wichtigen Prozesses auf Mauritius", sagte FIFA-Präsident Joseph S. Blatter nach der letzten Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees im März gegenüber FIFA World. "Wenn ich sehe, wie geschlossen das Exekutivkomitee hinter den restlichen Vorschlägen steht, ist der Reformprozess auf einem guten Weg. Das letzte Wort hat nun aber der Kongress."
* Mehr als Reformen*
Auch wenn wohl die letzten Schritte im Governance-Reformprozess die Berichterstattung der Medien dominieren werden, stehen noch weitere wichtige Themen auf der Tagesordnung.
Wie üblich muss der Kongress die konsolidierte Jahresrechnung, die 2012 ein positives Ergebnis von 89 Millionen US-Dollar ausweist, und das detaillierte Budget für das nächste Jahr genehmigen.

Darüber hinaus werden die Delegierten über eine Reihe strategischer und sportpolitischer Angelegenheiten informiert, insbesondere über die laufende Arbeit der FIFA zur Bekämpfung von Spielmanipulationen sowie von Diskriminierung und Rassismus im Fussball. In diesem Zusammenhang wird auch die Zusammensetzung der neuen FIFA-Arbeitsgruppe gegen Diskriminierung vorgestellt, die im März unter der Führung von FIFA-Vizepräsident und CONCACAF-Präsident Jeffrey Webb gebildet wurde.

Gemäß den im letzten Jahr beschlossenen Reformen werden schließlich auch die Vorsitzenden, Vizevorsitzenden und Mitglieder der Audit- und Compliance-Kommission und der Rechtsorgane der FIFA (sprich der beiden Kammern der Ethikkommission, der Disziplinarkommission und der Berufungskommission) gewählt.

Weibliches Mitglied
Nach der historischen Ernennung von Lydia Nsekera, die für ein Jahr ins FIFA-Exekutivkomitee hinzugewählt wurde, wird dieses Jahr zudem erstmals formell eine Frau in die Exekutive gewählt. Auf Antrag des Exekutivkomitees wird der Kongress ebenfalls über die Hinzuwahl von zwei weiteren weiblichen Mitgliedern entscheiden, womit der FIFA-Exekutive insgesamt drei Frauen angehören werden. Vier Frauen wurden von ihren Konföderationen zur Wahl vorgeschlagen: Nsekera, Moya Dodd (Australien), Paula Kearns (Neuseeland) und Sonia Bien-Aime (Turks- und Caicos-Inseln).

Ebenfalls abstimmen wird der Kongress über den Antrag auf Abschaffung der Spielabgaben, die die Mitgliedsverbände der FIFA derzeit für jedes internationale Spiel entrichten müssen. Den Konföderationen und Verbänden steht es ungeachtet des Ausgangs der Abstimmung aber frei, selbst eine Abgabe zu erheben.

Zur Abstimmung gelangt schließlich auch ein Antrag des australischen Fussballverbands, einen Punkt der Ausführungsbestimmungen zu den Statuten betreffend Spieler zu ändern, die eine neue Staatsbürgerschaft erworben haben.
Ein ausführlicher Bericht zu den Ergebnissen und Beschlüssen des FIFA-Kongresses erscheint in der nächsten Ausgabe von FIFA World.

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