Gemeinsam gegen COVID-19

Fans der Erzrivalen ziehen vereint an einem Strang

Ole Gunnar Solskjaer manager of Manchester United, ManU greets Josep Guardiola manager of Manchester City.
  • Fans von Manchester United und Manchester City kämpfen gemeinsam gegen Lebensmittelmangel
  • Everton und Liverpool vereint gegen Vereinsamung
  • Auch in Ägypten, Brasilien und anderen Ländern bringt die COVID-19-Krise rivalisierende Fanlager zusammen

Es gibt nur wenige Orte auf der Welt, an denen die Leidenschaft für den Fussball so intensiv ist wie in Manchester und in Liverpool.

Die dortigen Spitzenklubs sind weltbekannt und die Leidenschaft der Fans spiegelt ein geflügeltes Wort von einem der beliebtesten Liverpool-Trainer aller Zeiten wider:

"Einige Leute halten Fussball für eine Frage von Leben und Tod. Ich bin von dieser Einstellung sehr enttäuscht. Ich versichere Ihnen, dass es viel, viel wichtiger als das ist."

Natürlich meinte Bill Shankly diese unsterblichen und oft missverstandenen Worte nicht ganz ernst. Und natürlich lieben die Fans in Manchester und Liverpool ihre Fussballteams, doch sie haben schon oft bewiesen, dass sie das richtige Augenmaß besitzen, wenn es darauf ankommt, Einigkeit zu zeigen.

Man denke nur an die gemeinsame Trauer von Rot und Blau in Liverpool nach der Hillsborough-Katastrophe und an die Demonstrationen der Solidarität von Manchester City zu Ehren der verunglückten Busby Babes von Manchester United.

Es kann daher nicht wirklich überraschen, dass die Fanlager in diesen und anderen Städten sich nun gemeinsam den Herausforderungen durch COVID-19 stellen.

Solidarität und Hilfen

Die beiden Spitzenklubs in Manchester schufen den Hashtag #AcityUnited, als die Krise eskalierte –und das ist weit mehr als ein Slogan. Die beiden benachbarten Klubs gaben eine gemeinsame Erklärung heraus, in der sie den Lebensmittelhilfen und Tafeln der Stadt finanzielle Hilfe in Höhe GPB 100.000 für den gestiegenen Bedarf zusagten.

Schon zuvor hatten die Fans beider Klubs diesen guten Zweck durch Sammlungen der Gruppierungen MCFC Fans' Foodbank Support und MUFC Fans' Foodbank unterstützt. Allerdings kamen die Spenden hierfür vorwiegend aus Aktionen an den Spieltagen. Nach der Unterbrechung des Fussballbetriebs mussten somit dringend andere Lösungen gefunden werden. Und die Klubs versäumten keine Zeit und sprangen in die Bresche.

Ein Sprecher der Aktion *MCFC Fans' Foodbank Support* sagte: "Dies ist eine riesige Hilfe für die Gemeinschaft in dieser Zeit, in der die Menschen sie am dringendsten brauchen. Wir möchten allen für diese Demonstration gemeinschaftlicher Solidarität danken, die zeigt, dass Hunger keine Vereinsfarben trägt."

Fans beider Teams, aus dem ganzen Land und der ganzen Welt unterstützen zudem Manchester Uniteds Stürmer Marcus Rashford. Der englische Nationalspieler wollte mit einer Spendenaktion GBP 100.000 zusammenbringen, um Kindern zu helfen, die sonst kostenloses Schulessen bekommen. Dieses Ziel wurde sehr schnell übertroffen und bis Wochenbeginn waren schon GBP 150.000 zusammengekommen.

Rashford, der als Kind selbst vom Schulessen abhängig war, sagte zu *The Times*: "Es gibt Menschen in schlimmeren Lagen als ich damals. Sie bekommen zu Hause keine alternative Mahlzeit. Es ist mir wichtig, dass ihnen geholfen wird."

Rot und Blau vereint angesichts der Herausforderung

Kaum 50 Kilometer weiter westlich zeigt man ebenfalls vorbildliche Solidarität, und auch hier steht der Wunsch im Mittelpunkt, den Schwächsten zu helfen. Die North Liverpool Food Bank konnte sich über eine Spende von 600 kg frischer Naturprodukte von Everton FC und eine Spende von GBP 40.000 von Liverpool FC freuen.

Diese Hilfsorganisation wird schon länger durch eine Initiative namens Fans Supporting Food Banks unterstützt, in der Anhänger des FC Liverpool und des FC Everton sich gemeinsam gegen Lebensmittelmangel in der Stadt einsetzen. Wie auch in Manchester wurden angesichts der COVID-19-Krise schnelle Aktionen nötig, weil die Spendeneinnahmen an den Spieltagen fehlen.

Zudem wurde klar, dass Einsamkeit und soziale Isolation, die in der Gesellschaft bereits ein großes Problem darstellen, durch die Pandemie und die von der Regierung verfügten Ausgangsbeschränkungen noch weiter verschärft werden. Auch hier gab es eine schnelle Reaktion der Klubs: Kinder aus den Nachwuchsprogrammen der LFC Foundation schrieben Briefe und malten Bilder für Bewohner von Pflegeheimen vor Ort, die derzeit keinen Besuch empfangen dürfen.

Spieler und Mitarbeiter des FC Everton wiederum führten Telefongespräche mit besonders gefährdeten Fans. So konnten sich Anhänger in häuslicher Isolation über Anrufe von Kapitän Seamus Coleman und Trainer Carlo Ancelotti freuen.

Einigkeit von Kairo bis Rio

Natürlich rücken in der globalen Krise nicht nur in England die Klubrivalitäten in den Hintergrund. Kürzlich berichteten wir bereits darüber, wie Spieler und Fans der ägyptischen Spitzenklubs Al Ahly und Zamalek, die eine der intensivsten Rivalitäten in der Welt des Fussballs pflegen, gemeinsam in Kairo Hilfe leisten.

Und auch in Brasilien gibt es beeindruckende Demonstrationen der Solidarität. In Rio de Janeiro beispielsweise haben die Fans der vier großen Lokalrivalen Botafogo, Flamengo, Fluminense und Vasco da Gama gemeinsam die Kampagne "Gegen COVID-19 gibt es nur eine gemeinsame Fanbasis" gestartet.

Die Kampagne sammelt Spenden für die Oswaldo-Cruz-Stiftung, die bereits mehrere globale Auszeichnungen für ihre Arbeit erhalten hat, Verbesserungen des öffentlichen Gesundheitswesens und Gesellschaftliche Inklusion durch Wissenschaft zu erreichen. Das gesammelte Geld wird von der Stiftung eingesetzt, um COVID-19 zu behandeln, die Ausbreitung zu bremsen, Testmaterialien herzustellen und das Infektionszentrum zu finanzieren, das im Hauptquartier der Organisation eingerichtet wurde.

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