Alles Gute zum 75. Geburtstag!

Sepp Maier: Fangkünstler mit besonderem Charme

Sepp Maier West Germany's keeper holds aloft the World Cup after their victory.
© Getty Images

Auf die Frage, wer die besten Torhüter Deutschlands aller Zeiten sind, dürfte sich die Fussballwelt schnell auf ein Trio einigen. Zum einen wäre da der aktuell noch aktive und Weltmeister von 2014, Manuel Neuer, sowie die Ex-Keeper Sepp Maier und Oliver Kahn. Während Letzterer 2008 seinen Rücktritt bekannt gab, liegt die Ära des bayerischen Urgesteins schon viel länger zurück.

Josef Dieter Maier, genannt Sepp Maier, gelangte in den 70er Jahren zu Weltruhm - sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft. Heute feiert er seinen 75. Geburtstag.

Begonnen hatte die Fussballkarriere beim TSV Haar in der Nähe von München. Kurios: Maier spielte damals keineswegs zwischen den Pfosten, sondern sah sich selbst vielmehr als Angreifer. "Du bist der faulste, der dickste - du gehst ins Tor", so beschreibt Sepp Maier seinen Einstieg in eine großartige Karriere.

Denn als er mit acht Jahren beim TSV Haar startete, da wollte er eigentlich stürmen. Doch seine Mitspieler und sein Trainer sahen das anders, und so musste er ins Tor. Der Jungspund fand Geschmack am Tore verhindern. Dank seines Talents landete er schlussendlich 1959 mit gerade einmal 15 Jahren in der Jugendabteilung des FC Bayern München.

Titel und Rekorde

"In meinem Bett lag kein Teddybär, sondern ein Ball. Ein Superverhältnis, er war ja meine Liebe. Ich weiß noch genau, nach Weihnachten, ich war sieben, da hatte ich einen. Du warst ja früher der König, wenn du einen Fussball gehabt hast. Der mit dem Ball hat die Mannschaften bestimmt: 'Du da, du schleichst dich, du warst frech zu mir! Du bist zu dick, ab ins Tor mit dir!' Mit Ball warst du der Chef", erinnert sich Maier an die Zeiten seiner Jugend zurück.

Der Wechsel zum FC Bayern war der Beginn einer großartigen Karriere, denn nur drei Jahre später erhielt er einen Profivertrag und wurde Stammtorwart. Nach dem Aufstieg des FC Bayern in die Bundesliga war Maier maßgeblich am großen Erfolg des Vereins beteiligt. Gemeinsam mit Franz Beckenbauer, dem wohl besten deutschen Spieler aller Zeiten, und Gerd Müller, einem der größten Torjäger der Welt, bildete Maier die legendäre Achse der Münchener in den 70er Jahren, die zahlreiche Titel hervorbrachte. Alle drei sind von den Fans auch in die Jahrhundertelf des FC Bayern gewählt worden.

Vier deutsche Meisterschaften, vier DFB-Pokalsiege und fünf Titel in internationalen Wettbewerben stehen auf Vereinsebene für Maier zu Buche. Unvergessen ist die Zeit Mitte der 70er Jahre, als der FC Bayern mit Maier 1974, 1975 und 1976 den Europapokal der Landesmeister (Vorläufer der UEFA Champions League) holte und 1976 Weltpokalsieger wurde.

"Deutschlands Torhüter des Jahrhunderts"

Aber nicht nur im Verein, sondern auch in der Nationalmannschaft kann der inzwischen 67-Jährige auf eine erfolgreiche Vergangenheit blicken: Welt- und Europameister, dazu zwei Vize-Titel bei der WM 1966 und der EM 1976 sowie ein dritter Platz bei der WM 1970 zeugen von einer schier einzigartigen Karriere. "Ohne den Sepp wären wir nicht Weltmeister geworden", machte der damalige Mannschaftskapitän Franz Beckenbauer den Stellenwert des Torhüters bei der WM 1974 deutlich.

Mit 95 absolvierten Länderspielen ist Maier gegenwärtig deutscher Rekord-Nationaltorhüter. In seinen sechs letzten Länderspielen 1978/79 war er sogar Spielführer der Nationalmannschaft.

Kein Wunder also, dass Maier in seiner Schaffenszeit auch zahlreiche persönliche Ehrungen zuteil wurden. Dreimal wurde er zu Deutschlands Fussballer des Jahres gewählt und dazu als "Deutschlands Torhüter des Jahrhunderts" ausgezeichnet. Bei der Wahl zum Welttorwart des Jahrhunderts belegte er Platz vier hinter Lev Yashin (Russland), Gordon Banks (England) und Dino Zoff (Italien).

Zwischen Yashin und Valentin

Dass eine solch große Fussballlegende, die vielen als leuchtendes Beispiel dient, selbst Vorbilder hat, mag überraschen, spiegelt aber im Falle von Sepp Maier nur einen weiteren Charakterzug wider. Denn während der russische Weltklasse-Torhüter Yashin durchaus nachvollziehbar ist, lässt die zweite Wahl, der Komiker Karl Valentin, einen im ersten Moment verdutzt dreinschauen.

Sepp Maier hatte schon immer das Talent, nicht nur Ballfänger, sondern auch Spaßmacher zu sein. "Ein Torwart muss Ruhe ausstrahlen, er muss nur aufpassen, dass er dabei nicht einschläft", verriet er einst augenzwinkernd und gab gleich noch einen weiteren Spruch zum Besten: "Wenn man richtig zum Ball steht, braucht man nicht zu fliegen."

Unvergessen dürfte die Szene sein, als er sich während eines Bundesligaspiels zwischen Bayern München und dem VfL Bochum auf eine Ente stürzte, die kurz zuvor auf das Spielfeld gewatschelt war. Und das in einem Moment, da sich der Torhüter eigentlich auf das Geschehen vor dem gegnerischen Gehäuse hätte konzentrieren müssen, denn seine Mannschaft hatte gerade einen Elfmeter zugesprochen bekommen.

Ein abruptes Karriereende

Im Juli 1979 ging die Karriere der "Katze von Anzing", wie er wegen seiner Gewandtheit und Fangsicherheit genannt wurde, abrupt zu Ende. Bei einem schweren Autounfall erlitt er einen Zwerchfellriss, eine Gehirnerschütterung, einen Armbruch sowie Rippenfrakturen. "Früher habe ich einmal gesagt: Ich spiele so lange, wie der Franz Beckenbauer und der Gerd Müller mich im Rollstuhl aufs Spielfeld schieben können", hatte Maier vorher verlauten lassen. Der Unfall machte diesen "Plan" zunichte.

Doch unterkriegen wollte sich der "Karl Valentin des Fussballs" nicht und widmete sich nach seiner Heilung verstärkt seinem Tennis-Center, ehe er als Torwarttrainer beim Deutschen Fussball-Bund (1987-2004) und Bayern München (1994-2008) tätig war.

Bei seiner "Rückkehr" zum deutschen Rekordmeister vertraute man ihm gleich die Aufgabe an, aus einem vom Karlsruher SC neuverpflichteten Torhüter einen Schlussmann auf Weltklasseniveau zu formen. Es gelang! Denn bei dem Schüler handelte es sich um keinen Geringeren als Oliver Kahn, der in 14 gemeinsamen Jahren zum legitimen Nachfolger Maiers aufstieg.

Golf und Tennis statt Fussball

Seinen Hang zur Komik hat Maier auch nach seinem Karriereende nicht verloren. So sang der Ex-Nationalkeeper in fast 50 Volksmusiksendungen im Duett mit Wencke Myhre Fussballschlager wie "Er steht im Tor" oder "Fussball ist unser Leben". Als Magier "Sepp Copperfield" ließ er seine Assistentin und eine Ente verschwinden.

Darüber hinaus schrieb er einige Bücher über das Fussballtraining, so zum Beispiel die Titel "Artist der Nation" (1978), "Ich bin doch kein Tor" (1980), "Super-Torwart-Training" (1990), "Mit Spaß zum Erfolg. Torwart-Training" (2000) oder "Wer mit dem Ball tanzt" (2000).

Vom Fussball hat er sich inzwischen vollkommen zurückgezogen. "Das ist vorbei. Ich spiele nur noch ein bisschen Golf und Tennis", sagt Maier. Die Spiele "seines" FC Bayern verfolge er aber noch "auf Schritt und Tritt".