FIFA Congress

Erste Reformen beim FIFA-Kongress

62nd FIFA Congress 2012, Budapest
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Beim FIFA-Kongress in Budapest werden wichtige Weichen gestellt. Die Mitgliedsverbände werden im Rahmen des laufenden FIFA-Reformprozesses über die ersten Vorschläge befinden.

Die Perle an der Donau, wie Budapest auch genannt wird, bietet der FIFA am 24. und 25. Mai eine malerische Kulisse für ihren 62. Kongress, bei dem die 208 Mitgliedsverbände über weitreichende Reformen in den Bereichen Good Governance, Compliance und Ethik befinden werden.

Zur Debatte stehen erste konkrete Maßnahmen, die vom FIFA-Exekutiv­komitee Ende März verabschiedet wurden. Ein erster wichtiger Schritt ist damit getan. Gemäß Aktionsplan, den FIFA-Präsident Joseph S. Blatter im Oktober 2011 vorstellte, soll der Reformprozess beim FIFA-Kongress 2013 auf Mauritius abgeschlossen werden.

Die Anträge, über die der Kongress in Budapest entscheiden wird, basieren auf den Empfehlungen der drei nach dem letzten Kongress eingesetzten Task Forces und der unabhängigen Kommission für Governance (UKG) unter dem Vorsitz des renommierten Governance-Experten Professor Mark Pieth. Vorgesehen sind die Aufwertung der Auditkommission zu einer Audit- und Compliance-Kommission mit erweiterten Befugnissen und die Berufung einer Frau ins FIFA-Exekutivkomitee. Sämtliche Anträge wurden vom Exekutivkomitee bereits einstimmig gutgeheißen. Auch wenn das letzte Wort beim Kongress liegt, haben die Vorschläge damit schon eine wichtige Hürde genommen.

"Für den FIFA-Reformprozess ist das ein historischer Tag", sagte FIFA-Präsident Joseph S. Blatter nach der Sitzung des Exekutivkomitees. "Wir haben stets gesagt, dass wir die Reformen bis Juni 2013 abschließen werden, nun haben wir die Chance, schon beim Kongress in diesem Mai einige wichtige Punkte zu regeln."

Besonders erfreut zeigte sich Blatter von der Unterstützung des Exekutivkomitees für die neue Struktur der Ethikkommission, die auf einen direkten Vorschlag des Präsidenten zum Abschluss des FIFA-Kongresses 2011 in Zürich zurückgeht. Folgt der Kongress in Budapest dem betreffenden Antrag, wird die Ethikkommission in eine Untersuchungskammer und eine rechtsprechende Kammer unterteilt. "Ich freue mich sehr, dass einer der Hauptpunkte, die ich vor fast einem Jahr anregte, sprich die Unterteilung der Ethikkommission in zwei Kammern, nun im Zentrum der Empfehlungen der UKG steht", sagte Blatter.

Leumundsprüfung

Gemäß Antrag wird die Ethikkommission fortan auch für die Leumundsprüfung zuständig sein, der alle Kandidaten für bestimmte Ämter unterzogen werden, darunter alle Mitglieder der neuen Audit- und Compliance-Kommission sowie der FIFA-Rechtsorgane. Überprüft werden folglich auch die Mitglieder der Ethikkommission, allerdings nicht durch sich selbst, sondern durch die Audit- und Compliance-Kommission, womit eine unabhängige Aufsicht gewährleistet ist.

Die Audit- und Compliance-Kommission, die die Auditkommission ersetzt, sofern der Kongress in Budapest grünes Licht gibt, wird über weitreichende Befugnisse verfügen und nicht nur die FIFA-Finanzen überprüfen, sondern auch die Einhaltung des FIFA-Regelwerks überwachen.

Beide Organe sind bei ihrer Arbeit strikter Neutralität verpflichtet. Aus diesem Grund soll in der Geschäftsordnung des Kongresses festgeschrieben werden, dass die Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden der Audit- und Compliance-Kommission sowie der beiden Kammern der Ethikkommission unabhängig sein müssen. So dürfen weder sie noch Familienmitglieder in den letzten vier Jahren vor ihrem Amtsantritt eine bezahlte Stelle bei oder einen Vertrag mit der FIFA oder einem Mitglied, einer Konföderation, einer Liga oder einem Klub gehabt haben.

Der Kongress in Budapest wird ebenfalls über die Aufnahme einer Frau ins FIFA-Exekutivkomitee entscheiden. Die "Vertreterin für die Belange des Frauenfussballs" wird – vorbehaltlich der Annahme der betreffenden Änderung der FIFA-Statuten – 2012 als 25. Mitglied in die Exekutive aufgenommen, dies auf Ernennung des Exekutivkomitees.

Beim Kongress 2013 würde dann die erste ordentliche Wahl für eine vierjährige Amtszeit stattfinden. Die Kandidatinnen werden von den einzelnen Konföderationen auf Vorschlag ihrer Mitgliedsverbände nominiert.

"Es freut mich ganz besonders, dass das Exekutivkomitee meinem Antrag für ein weibliches Mitglied im Exekutivkomitee gefolgt ist", sagte Blatter. "Der Fussball ist ein Sport für Frauen und Männer. Die Frauen müssen deshalb in der Exekutive vertreten sein."

Halbzeit

Im Gespräch mit Journalisten nach der Sitzung des Exekutivkomitees im März betonte der FIFA-Präsident, dass für die FIFA mit den Reformen, über die in Budapest abgestimmt werde, erst Halbzeit sei.

Weitere Empfehlungen der Task Forces und der UKG, die noch nicht beschlussreif sind, wurden den Mitgliedsverbänden bereits schriftlich vorgelegt (und auf FIFA.com veröffentlicht) und werden in Budapest präsentiert und erörtert.

"Da sind die Zusammensetzung des Exekutivkomitees, die Zahl der Vizepräsidenten… die künftige Wahl des Präsidenten, die Frage von Alters- und Amtszeitbeschränkungen und all die anderen vorgeschlagenen Statutenänderungen. Wir werden die Debatte zusammen mit der UKG gemäß Aktionsplan fortführen", versprach Blatter.

Die wichtigsten Unterlagen zum FIFA-Kongress 2012, einschließlich der Tagesordnung, des FIFA-Statutenentwurfs und weiterer Vorschläge der Task Forces und der unabhängigen Kommission für Governance, wurden auf FIFA.comveröffentlicht.

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