FIFA Weltmeisterschaft™

Erblondete Rumänen scheitern in Frankreich

  • Rumänien begeisterte bei den WM-Endrunden 1990, 1994 und 1998
  • Beim letzten dieser Turniere in Frankreich 'erblondete' plötzlich der gesamte Kader
  • Grund war eine Wette, die bis heute berüchtigt ist, weil Rumänien prompt ausschied

In den 1990er-Jahren war die rumänische Nationalmannschaft ein Blickfang – so oder so. Die Goldene Generation um Super-Spielmacher Gheorge Hagi gewann bei den drei FIFA Fussball-Weltmeisterschaften dieses Jahrzehnts viele Bewunderer.

In allen Turnieren überstanden die Rumänen die Vorrunde. 1990 beendeten sie die Gruppenphase sogar vor Weltmeister Argentinien, dem sie 1994 gar den Weg ins Viertelfinale verbauten. Weitere vier Jahre später standen Hagi & Co. nach zwei Siegen zum Auftakt gegen Kolumbien und England sogar schon vorzeitig als Achtelfinalteilnehmer fest. Trotzdem fallen einem mit Blick auf Frankreich '98 nicht unbedingt in erster Linie Rumäniens starke Resultate ein.

Fans auf der ganzen Welt denken stattdessen eher an Bilder wie dieses, als sich die gesamte Mannschaft – mit Ausnahme des kahlköpfigen Torhüters Bogdan Stelea – die Haare blond färben ließ. "Vor dem Turnier hatten wir eine Wette abgeschlossen: Wir wollten was Verrücktes machen, wenn wir die Vorrunde überstehen", erzählte Stelea später. "Deshalb waren wir vor dem letzten Gruppenspiel auf einmal alle blond – bis auf mich, der ich damals schon keine Haare mehr hatte!"

Es gab allerdings noch jemanden im rumänischen Kader, der in des Wortes wahrstem Sinne ausscherte: Trainer Anghel Iordanescu. Dieser hatte eigentlich versprochen, die Demonstration des Zusammenhalts seiner Spieler mitzumachen und sich den Kopf kahl scheren zu lassen – es dann aber erstens bei einem Kurzhaarschnitt belassen, den er zweitens obendrein mit einer Baseballkappe verbarg. "Er hat uns reingelegt! Er hat sich nicht an die Wette gehalten!", behauptete Stelea einst in einem Interview mit eusunt12.ro.

Was als Geste des Mannschaftsgeists gedacht war, sorgte so schnell für Verunsicherung im rumänischen Lager. Das erste Spiel der frisch Erblondeten, die letzte Vorrundenpartie gegen Tunesien, endete noch schiedlich-friedlich mit 1:1. Das genügte, um den ersten Gruppenplatz abzusichern. Aber erste Zweifel machten sich dennoch bereits breit.

"Am Anfang war das ja noch witzig", so Stelea. "Aber dann dämmerte uns – oder vielmehr: ihnen –, dass sie etwas Dummes getan hatten. Die Spielerfrauen fanden die Aktion überhaupt nicht gut. Und einige der Jungs waren ja noch nicht mal blond – die hatten irgendwelche schwer zu beschreibenden Zwischentöne, die ganz merkwürdig aussahen. Es war einfach hässlich!"

Vor dem Achtelfinale gegen Kroatien ging Trainer Iordanescu – ein ebenso abergläubischer wie religiöser Zeitgenosse – schließlich so weit, die Spieler inständig zu bitten, den Farbwechsel wieder rückgängig zu machen. Er deutete sogar an, das Ergebnis des Spiels könne davon abhängen. Doch die Spieler wischten seine Bedenken zur Seite – ironischerweise mit der Begründung, dass weitere haarige Experimente die Konzentration auf das so wichtige Spiel stören würden.

Der Rest ist inzwischen Geschichte: Kroatien gewann in der brütenden Hitze von Bordeaux dank eines von Davor Suker verwandelten Elfmeters. Es war Rumäniens letztes Spiel bei dieser Weltmeisterschaft und Rumäniens bis heute letzte WM-Teilnahme überhaupt. Was bleibt, sind Erinnerungen an eine blonde Brigade als bizarrer Abschluss eines goldenen Jahrzehnts.

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