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El Daghais bietet dem Schicksal die Stirn

Abduelrihim El Daghais
  • Von der 5. Liga zur Nationalmannschaft
  • El Daghais in der Warteschleife
  • Dank Social Media in Libyens Auswahl

Das Schicksal selbst in die Hand nehmen – treffender könnte man die Geschichte von Abduelrihim El Daghais wohl nicht zusammenfassen.

Der 32-jährige Libyer hat eine wahrlich bewegte Vergangenheit hinter sich. Mit 16 Jahren wurde er in die Junioren-Nationalmannschaft Libyens berufen, bestritt 15 U-Spiele und führte die U-17- und später die U-21-Auswahl als Kapitän an, ehe er 2011 wegen einer Kriegsverletzung – ein Schuss in den Körper - seine Karriere als Torhüter beenden musste und nach Deutschland flüchtete. "Die Mediziner hatten wenig Hoffnung, dass ich jemals wieder spielen könnte“, erzählt El Daghais FIFA.com. "Ich hatte mit dem Fussball abgeschlossen, doch ein Arzt gab mir dann wieder Hoffnung."

In Land des viermaligen Weltmeisters baute sich der sympathische Libyer nach und nach eine Existenz auf. 2013 eröffnete in Bonn ein Familien-Restaurant, Anfang des Jahres kam seine Tochter zur Welt. "Natürlich ist es schön, dass man zu Hause ist, aber der Fussball fehlt einem."

2016 begann er in der Kreisliga vorsichtig wieder gegen den Ball zu treten bzw. den Ball zu halten. Mit Erfolg! Schon ein Jahr später landete er beim Fünftligisten Blau-Weiß Friesdorf und eroberte den Platz zwischen den Pfosten.

Den Traum von der Nationalmannschaft hat El Daghais dabei aber nie aufgegeben. "Meine Frau und ich haben immer wieder Videos von meinen Spielen und Paraden im Internet gepostet und meine Freunde drängten mich dazu, diese auch direkt an die Nationalmannschaft zu schicken. Am Anfang dachte ich mir, dass das doch eine seltsame Idee sei, doch ich habe es dann gemacht."

Gesagt, getan und tatsächlich meldete sich der Sportliche Leiter, mit dem er früher gemeinsam gespielt hatte, und fragte nach weiteren Videos. Es folgte ein Anruf und die Einladung zu den Länderspielen im März. "Ich war vollkommen überrascht und überglücklich, ein Traum. Für jeden Fussballer ist es das Größte, für die Nationalmannschaft zu spielen."

Das Happy End? Leider nein, denn das Schicksal hatte erneut einen Rückschlag für El Daghais parat. Der Coronavirus verhinderte die Reise nach Libyen zur Nationalmannschaft. "Sie wollten ein Trainingslager in Tunesien für zehn Tage und Testspiele machen – zudem standen ja zwei Qualifikationsspiele für den CAF Afrika-Cup 2021 gegen Äquatorial-Guinea auf dem Programm. Darauf hatte ich mich schon sehr gefreut. Insgesamt haben wir gute Spieler, die im Ausland Erfahrungen sammeln. Das ist viel besser, als noch vor vier oder fünf Jahren und eine klasse Entwicklung für unser Land. Denn in Libyen gibt es seit Jahren keine eigene Liga, daher ist es natürlich schwer, den Nachwuchs auszubilden und heranzuführen. Ich hoffe, dass ich, wenn alles vorbei ist, noch einmal die Möglichkeit bekommen werde, für die Auswahl zu spielen."

Abduelrihim El Daghais

Seine Vereinstrainer jedenfalls sind überzeugt, dass er diese Chance mehr als verdient hätte: "Er hatte schon immer die Klasse dafür. Man freut sich einfach für ihn. Abdi hat seine Stärken vor allem im Rauslaufen", so Thomas Huhn gegenüber FIFA.com. "Er war schon immer ein sehr trainingseifriger Spieler." Und Johannes Weitensteiner ergänzt auf der Klub-Homepage: "Abdi ist einfach ein super Typ, der auch immer ein offenes Ohr für jeden seiner Mitspieler hat."

Bis auf Weiteres befindet sich der 32-Jährige allerdings genau wie fast die komplette Fussball-Welt in der Warteschleife. "Unser Trainer haben uns einen Plan geschickt, aber bis aufs Laufen kann man nicht machen."

Egal wie lange der fussballerische Ausnahmezustand noch dauern wird, eines ist sicher: El Daghais ist bereit und nimmt jede Herausforderung an, die das Leben für ihn bereithält.

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