FIFA Weltmeisterschaft™

"El Bolillo" Gómez und der letzte Schritt

Hernan Gomez of Colombia
© Getty Images

"Uns fehlt noch dieser kleine letzte Schritt, denn oft haben wir alles richtig gemacht und sind am Ende doch gestolpert. Wir müssen diese Art von Spielen gewinnen, um den Teufelskreis zu durchbrechen." Mit diesen bitteren Worten bedauerte der Panamaer Luis Tejada im Gespräch mit FIFA.com vor einigen Monaten die schmerzhafte Heimniederlage gegen Costa Rica. Vor allem deshalb schmerzhaft, weil sein Team in der vierten Runde der CONCACAF-Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2018™ den Sprung an die Spitze in Gruppe B verpasste.

Nun gibt es erneut eine Gelegenheit, diesen kleinen Schritt mehr zu gehen. Am kommenden 2. September empfangen Los Canaleros die Gäste aus Jamaika. Mit einem Sieg würden sie sich vorzeitig den Einzug in die entscheidende Hexagonal-Runde sichern, die letzte Etappe auf dem Weg zum weltweiten Gipfeltreffen. Zum Abschluss muss das Team am 6. September noch nach Costa Rica.

Auf dem Weg nach Russland wird die Mannschaft von Hernán Darío Gómez angeleitet. Der kolumbianische Trainer ist ein Experte für entscheidende Partien und analysiert im Exklusiv-Interview mit FIFA.com die aktuelle Situation seiner Auswahl, die nach zahlreichen Schlachten gereift ist und nicht noch einmal stolpern will.

Ein ausgeprägter Stil
Als Gómez die Leitung der panamaischen Nationalmannschaft übernahm, litt das Team noch unter den Folgen einer traumatischen Erfahrung. Panama benötigte im Rückspiel des Playoff-Duells auf dem Weg nach Brasilien 2014 einen Sieg gegen die USA und lag in der 83. Minute mit 2:1 in Führung. Zwei Tore der Gäste in der Nachspielzeit verwandelten den Traum der Mittelamerikaner in einen Albtraum.

El Bolillo übernahm die Aufgabe, ein demoralisiertes Team wieder aufzubauen. Es erforderte große Anstrengungen, doch zuletzt gab es wieder häufiger Grund zur Freude. Die größte war wohl der Auswärtstriumph in Kingston gegen Jamaika, durch den sich Panama eine aussichtsreiche Position erarbeitet hat: Es weist vor dem nächsten Duell drei Punkte Vorsprung auf den direkten Rivalen auf.

"Panama hatte bereits eine sehr gute Grundlage und Talent. Wir haben versucht, nicht mehr so direkt nach vorne zu spielen wie in der Vergangenheit. Wir versuchen, den Ball schneller zu erobern und mehr Geduld zu haben, um die Lücken zu finden. Dank dieser Geduld sind wir solider und vermeiden Gegenstöße", erklärt der Trainer die Entwicklung der Spielweise.

Das Aufeinandertreffen mit den Reggae Boyz ist nun die Feuerprobe für dieses Projekt, das der kolumbianische Trainer vor etwa zwei Jahren in die Wege leitete. "Wir kennen die Jamaikaner. Die Partie in Kingston war trotz des Sieges sehr kompliziert und es ist uns bewusst, dass sich die Abstände innerhalb der CONCACAF verringert haben. Es wird sehr schwer, doch wir haben hart gearbeitet und sind bereit, jedem Gegner unseren Stil aufzuzwingen", erklärt er und lässt sich weder von der Geschichte noch dem Rang der Kontrahenten beeindrucken.

Ein langer Weg
Der Glaube des Trainers an sein Team basiert auf Tatsachen. "Diese Spieler haben es sehr wohl geschafft, diese zusätzlichen Schritte zu gehen, die den Unterschied machen. Sie haben die Endrunde des Gold Cup bestritten und sind in die Hexagonal-Runde eingezogen. Die Qualifikation zur WM wurde verpasst, aber alles zuvor wurde erreicht. Wir gehen mit einem Vorteil in diese Partie und haben eine gute Ausgangsposition. Meine Spieler haben diesen Weg schon einmal erfolgreich gemeistert."

Dies ist indes nicht der einzige Grund, der El Bolillo optimistisch stimmt. Für den 60-jährigen Trainer wird die Erfahrung seiner Mannschaft den Unterschied machen. "Dieses Team ist inzwischen sehr gereift. Wir können auf vier oder fünf Akteure bauen, die schon sehr lange dabei sind und auf einige jüngere Spieler, die dennoch eine ordentliche Dosis Erfahrung mitbringen. Deshalb mache ich mir keine Sorgen, wir haben die Spieler mit dem nötigen Können", sagt er entschieden.

Darüber hinaus kann Hernán Gómez natürlich seinerseits eine Menge Erfahrung auf diesem Gebiet beisteuern. Er führte Ecuador zu seiner ersten WM-Endrundenteilnahme in Korea/Japan 2002. Und dies mit einem hervorragenden Ergebnis: Sein Team beendete die Qualifikation vor Brasilien, Paraguay oder Uruguay und feierte im Verlauf der Vorausscheidung den ersten Triumph gegen die Seleção.

Sein Erfolgsrezept indes ist simpel. "Ich werde hier nicht improvisieren oder neue Dinge auf einem Computer vorzeigen. Wir werden machen, was wir können, nicht mehr. Meiner Meinung nach wird der Fussball auf dem Platz gezeigt, und genau das wollen wir am Tag des Spiels sehen", sagt er zum Abschied. "Ich bin mir sicher, dass wir diesen Schritt machen werden."

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