Drogba: "Freude am Spiel"

Ivory coast striker Didier Drogba
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Unter den Anhängern des runden Leders ist die Frage nach dem besten afrikanischen Fussballer aller Zeiten regelmäßiger Diskussionsstoff. Ist es Roger Milla, George Weah, Abedi Pelé oder Larbi Bebarek? In einigen Jahren könne es durchaus möglich sein, dass sich alle auf die Antwort 'Didier Drogba' einigen. Denn seit der Stürmer von der Elfenbeinküste - wenn auch relativ spät - den Durchbruch zum absoluten Topspieler schaffte, zeigt die Leistungskurve des Ivorers ständig nach oben, und er hat längst in die Fussballgeschichte des afrikanischen Kontinents Eingang gefunden.

Dem breiten Publikum wurde Drogba in seiner Zeit bei Olympique Marseille bekannt. Und obwohl er nur ein Jahr für die Südfranzosen spielte, ist er den Fans des Traditionsklubs am Mittelmeer für immer in bester Erinnerung geblieben. Seine überragende Leistung in der Saison 2003/04 markierte nicht nur einen Höhepunkt in der Vereinsgeschichte von Olympique Marseille, sondern weckte zugleich die Begehrlichkeiten der europäischen Topklubs. Bereits zur folgenden Saison wechselte Drogba zum FC Chelsea, um fortan für einen Rekord nach dem anderen zu sorgen. Seine bisherige Bilanz: zwei englische Meistertitel, Torschützenkönig der Premier League in der Saison 2006/07, erfolgreichster Torschütze der Blues in der UEFA Champions League und Afrikas Fussballer des Jahres 2006. Darüber hinaus ist Didier Drogba Kapitän der A-Nationalmannschaft der Elfenbeinküste, mit der er bereits an einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ teilgenommen hat. Doch damit nicht genug: Drogba erzielte auch den historischen ersten Treffer für sein Land bei einem WM-Turnier!

Didier Drogba ist jedoch nicht nur ein grandioser Fussballer und Mannschaftskapitän der Elefanten, sondern auch als Mensch eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Davon zeugen sein Engagement im Kampf gegen Diskriminierung und sein Einsatz für die nationale Versöhnung in seiner ivorischen Heimat. Beides ist ihm ebenso wichtig wie die zahlreichen Tore, die er bislang schoss. Am vergangenen Samstag, dem 27. Juni, trat der Ausnahmefussballer von der Elfenbeinküste am Rande des FIFA Konföderationen-Pokals 2009 in Johannesburg als Botschafter des Youth African Soccer Cup in Erscheinung. Bei dieser Veranstaltung handelt es sich um ein Projekt mit dem Ziel, Kinder aus den südafrikanischen Townships für den Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit zu sensibilisieren (Mehr dazu erfahren Sie über den Link am rechten Seitenrand).

Anlässlich dieser Mission, die ihn in den Süden seiner afrikanischen Heimat führte, erklärte sich der von einer Traube südafrikanischer Kinder umgebene Ivorer zu einem Exklusiv-Interview mitFIFA.com bereit.

Sie sind als Botschafter des Youth African Soccer Cup, der dem Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit gewidmet ist, nach Johannesburg gekommen. Was bedeutet Ihnen dieses Projekt und wie erleben Sie es als Botschafter?Was diese Kinder hier machen, das Kennenlernen und Repräsentieren anderer Länder, ist eine wunderbare Sache. Über den Fussball und das Lernen in der Schule erfahren sie eine Menge Wissenswertes übereinander und können bestehende Ansichten ändern. Natürlich hätte ich auch gern selbst mitgespielt und mehr Zeit mit ihnen verbracht, aber es sind einfach zu viele, so dass es den Rahmen des vom Veranstalter vorgesehenen Programms sprengen würde.

Als Sie mit diesen Kindern zusammentrafen, noch dazu in diesem besonderen Rahmen, was haben Sie ihnen konkret mit auf den Weg gegeben?
Ich bin sehr stolz auf sie und will sie ermutigen, den einmal eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Es ist wichtig, dass sie auch künftig weiterlernen und ihre Freunde davon überzeugen, es ihnen gleich zu tun. Diese Kinder werden den Kampf gegen jede Form von Diskriminierung vorwärts bringen. Statt weiter mit anzusehen, wie Ausländer Opfer von fremdenfeindlichen Handlungen werden, ist jegliche Form von Fremdenhass gezielt zu bekämpfen. Dies gelingt am besten über die Erziehung der Kinder. Je mehr sie darüber wissen, umso besser werden sie den Inhalt von Werten wie gegenseitige Achtung und Freundschaft in der Gemeinschaft begreifen.

Sie scheinen sich hier, wo Sie von vielen Menschen umgeben sind, die sich trotz aller Probleme und der teils schwierigen Lebensbedingungen ihre warmherzige und fröhliche Art sowie ihre Begeisterung für den Fussball bewahrt haben, ganz in Ihrem Element zu fühlen...Das liegt einfach daran, dass ich an so etwas schon gewöhnt bin. Wir leben in einer Welt, in der viel auf dem Spiel steht und die uns in allen Bereichen vor höchste Anforderungen stellt. Da gerät man trotz unseres Engagements auch schnell mal zwischen die Mühlen. Gerade deshalb ist dieses Projekt so wichtig, denn es verschafft uns die Möglichkeit, an die Basis und zu unseren Werten, also den einfachen Dingen des Lebens, zurückzufinden.

Ihr Aufenthalt in Südafrika fällt mit dem FIFA Konföderationen-Pokal 2009 zusammen. Wie schätzen Sie dieses Turnier ein?
Ich habe das Turnier mit Interesse verfolgt und denke, dass es ein hochklassiger Wettbewerb war. Sehr gefreut hat mich der Auftritt der U.S.-Amerikaner. Mit dieser Mannschaft hatte sicher kaum jemand gerechnet, und plötzlich schlägt sie zur Überraschung aller den amtierenden Europameister und steht im Finale. Hut ab!

Wie beurteilen Sie die Organisation durch diesüdafrikanischen Gastgeber und die Atmosphäre bei diesem Turnier?Die Organisatoren leisten eine fantastische Arbeit. Auch wenn es derzeit ein bisschen kühl hier ist - sobald man sich in einem der Stadien befindet, hat man die winterliche Kälte schon vergessen. Es herrscht eine großartige Atmosphäre, und die Fans stimmen gemeinsame Gesänge an. Sie sind einfach glücklich und mit ganzem Herzen dabei. Unter dem Strich eine gelungene Generalprobe für das FIFA WM-Turnier 2010.

Stichwort WM 2010: Sie hoffen sicherlich, im nächsten Jahr wieder nach Südafrika zu kommen. In der Gruppe E der Afrika-Qualifikation hat die Elfenbeinküste mit drei Siegen aus drei Spielen einen blitzsauberen Start hingelegt. Folglich dürfte Ihrer erneuten Reise hierher kaum noch etwas im Wege stehen, oder?Wir befinden uns auf einem guten Weg, aber im Fussball kann sich alles auch schnell wieder ändern. Niemand kann von vorneherein ausschließen, dass es in den Rückspielen vielleicht genau andersrum läuft. Andererseits verfügen wir inzwischen über die nötige Erfahrung, um mit dieser Situation umzugehen und auch in der Rückrunde ein oder zwei Siege einzufahren, die uns die endgültige Qualifikation für Südafrika 2010 sichern würden.

Bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™, der ersten überhaupt, an der die Elfenbeinküste teilnahm, sind Sie nach der Vorrunde in einer schweren Gruppe mit Argentinien, den Niederlanden sowie Serbien und Montenegro ausgeschieden. Hat sich Ihre Mannschaft in den drei Jahren seither so verändert, dass sie beim nächsten Mal die Hürde der Gruppenphase meistern würde?
Auch wenn uns das Los damals eine schwere Gruppe beschert hatte, etwas Positives konnten wir dennoch aus Deutschland mit nach Hause nehmen. Erstens haben wir bewiesen, dass wir auch gegen große Mannschaften Tore schießen können [jeweils 1:2 gegen Argentinien und die Niederlande]*. *Und mit dem 3:2 gegen Serbien und Montenegro haben wir den ersten Sieg überhaupt der Elfenbeinküste bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ errungen. Ich hoffe, dass diesem Triumph weitere folgen werden, denn falls wir hier im kommenden Jahr dabei sind, werden wir mit der konkreten Erfahrung der vorangegangenen WM-Teilnahme ins Turnier gehen. Das wird uns das Ganze wesentlich erleichtern, denn wir werden weitaus weniger naiv sein und keinesfalls mehr nur die Rolle des Zuschauers spielen. In Deutschland 2006 hatten wir zu viel Respekt vor unseren Gegnern, das hat uns dann um den Einzug ins Achtelfinale gebracht.

Nach Henri Michel, Gérard Gili und Uli Stielike wird Ihre Nationalmannschaft inzwischen von Vahid Halilhodžić betreut. Was hat er bewirkt? Ein direkter Vergleich fällt sicher schwer, trotzdem scheint er aus heutiger Sicht der ideale Mann für dieses Amt zu sein?Er hat es verstanden, sich den spezifischen Gegebenheiten des afrikanischen Fussballs, vor allem den Besonderheiten in der Elfenbeinküste, entsprechend anzupassen. Er ist mit vollem Eifer bei der Sache, und er hat eine Mannschaft übernommen, deren Spieler ihm nicht nur zuhören, sondern auch gewillt sind, sich ständig zu verbessern und den Erfolg zu suchen. Beides zusammen ergibt eine gesunde Mischung, die auch zu den gewünschten Ergebnissen führt. Das zeigen die letzten WM-Qualifikationsspiele. Was mich betrifft, so möchte ich gemeinsam mit meinen Mannschaftskameraden ein neues Kapitel Fussballgeschichte für mein Land schreiben. An einem WM-Turnier haben wir bereits teilgenommen, das ist an sich schon ein Erfolg. Seitdem haben wir einerseits aus unseren Fehlern gelernt, andererseits haben wir auch unsere eigenen Möglichkeiten erkannt. Heute sind wir fest entschlossen, uns zum zweiten Mal in Folge für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ zu qualifizieren und es dann besser zu machen als in Deutschland 2006.

Was bedeutet für Sie und für den afrikanischen Kontinent im Allgemeinen die Tatsache, dass die WM erstmals in Afrika ausgetragen wird?
Es ist für den gesamten afrikanischen Kontinent die konkrete Chance, der Welt ein anderes Bild als bislang üblich zu vermitteln. Damit meine ich das Bild der Kriege und der Armut. Es ist die Gelegenheit zu beweisen, dass man durchaus in der Lage ist, der ganzen Welt Freude zu bereiten. Und dass man vor allem auch fähig ist, ein sportliches Großereignis wie die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ zu organisieren. Denn das Ziel ist ja, auch in Zukunft WM-Turniere nach Afrika zu vergeben.

Falls Sie die Qualifikation schaffen, wird es vielleicht Ihre letzte WM sein, denn Sie werden nächstes Jahr 32 Jahre alt. Auf der anderen Seite hat man den Eindruck, dass Ihnen das Alter bislang nichts anhaben kann, denn Sie spielen nach wie vor effizient und hoch motiviert...
Außer dem Stolz, die Farben meines Landes vertreten zu dürfen, ist das Einzige, womit ich mich in Form halte, die Freude am Spiel. Ich hatte nicht das Glück, schon frühzeitig auf höchstem Niveau zu spielen. Anders als die meisten Fussballer bin ich nicht den klassischen Weg über ein Ausbildungszentrum gegangen. Den Durchbruch in den Kreis der Topspieler habe ich erst mit 25 oder 26 Jahren geschafft. Das Einzige, was man sich in einem solchen Fall sagt ist, dass man von Glück reden kann, trotzdem seine Ziele erreicht zu haben. Deshalb muss man aus jedem Spiel, ja aus jeder Minute, die man auf dem Platz steht, stets den größten Nutzen ziehen.

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