FIFA Congress

Dodd: "Eine Chance für den Frauenfussball"

Moya Dodd. Photo: Courtesy of Gilbert+Tobin and Gray Noise photography
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Die Australierin Moya Dodd spricht im Rahmen einer Serie von Interviews mit den vier Kandidatinnen für das Amt des ersten weiblichen Mitglieds des FIFA-Exekutivkomitees exklusiv mit FIFA.com.

Können Sie sich bitte kurz vorstellen?

Ich bin in Adelaide (Australien) geboren und lebe derzeit in Sydney. Zwischen 1986 und 1995 war ich Nationalspielerin der Matildas, einschließlich Vize-Kapitänin. Ich bin Partnerin in einer Anwaltskanzlei und Vize-Präsidentin des AFC. Darüber hinaus gehöre ich dem Exekutivkomitee des australischen Fussballverbandes sowie der Rechtskommission der FIFA und des AFC an.

Zuvor war ich Medienkommentatorin der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland.

Welche Bedeutung hat die Nominierung durch Ihre Konföderation für Sie?

Für mich ist dies die Chance, mit dem obersten Führungsgremium des Fussballs zusammenzuarbeiten, um die Entwicklung des Frauenfussballs rasch voranzutreiben. Ich habe seit meiner Kindheit Fussball gespielt und war auch im Nationalteam. Ich bringe diesen Sport mit Begeisterung Frauen und Mädchen näher, das heißt der "anderen Hälfte" der Bevölkerung, die historisch gesehen sehr wenig Chancen im Fussball hatte. Ich würde sehr gern bei der FIFA arbeiten, um diesen Traum weltweit wahr werden zu lassen.

* Wie haben Sie auf den Vorschlag des FIFA-Präsidenten 2011 reagiert, eine Frau in das Exekutivkomitee zu berufen?*

Ich war begeistert. Dies ist eine Chance für den Frauenfussball, also Fussballerinnen, Trainerinnen, Schiedsrichterinnen und Fans, an der Spitze der FIFA vertreten zu sein, dort, wo die wichtigen Entscheidungen getroffen werden.

* Wie sehen Sie Ihre Aufgabe für den Fall, dass Sie gewählt werden?*

Wer dieses Amt übernimmt, muss effizient mit der FIFA zusammenarbeiten und eine überzeugende Fürsprecherin für Frauen im Fussball sein. Wichtig ist, dass die Amtsinhaberin die Gemeinschaft des Frauenfussballs auf der ganzen Welt miteinander vernetzt. Mitglieder des Exekutivkomitees sind in der Regel in Ausschüssen tätig, in die sie ihre besonderen Fähigkeiten und Kenntnisse einbringen. Ich bin zurzeit in den Rechtsausschüssen der FIFA und AFC tätig und hoffe, einen Beitrag leisten zu können, der über den Frauenfussball hinausgeht (so wie ich auch hoffe, dass sich die männlichen Mitglieder des Exekutivkomitees weiterhin für den Frauenfussball verantwortlich fühlen).

* Welche Visionen haben Sie für den Frauenfussball?*

  • eine schnellere Fussballentwicklung, so dass jedes Mädchen und jede Frau Fussball verstehen und spielen und von seinem unermesslichem Nutzen profitieren kann

  • die Elite-Wege zur Professionalität, so dass die besten Spielerinnen sichtbare Vorbildfunktionen übernehmen können und weltweit in kommerziell tragfähigen professionellen Ligen und internationalen Turnieren spielen können

  • die Teilnahme von Frauen in den Entscheidungsgremien im Fussball auf allen Ebenen und in allen Bereichen.

Frauenfussball ist für die Zuschauer eine reine, frische und spontane Form des Fussballs. Es wird wenig simuliert, die Schiedsrichterin wird selten beschimpft, und es gibt viele gute Beispiele für Respekt und Sportsgeist. Es gibt mehr Tore und weniger Karten. Frauenfussball kann helfen, weltweit ein frischeres, positives Bild des Fussballs zu vermitteln. Irgendwann sollte Fussball für Frauen und Mädchen genauso selbstverständlich sein wie für Männer und Jungs.  

Wir möchten Ihnen auf der Grundlage des "Proust-Fragebogens" einige persönliche Fragen stellen, um Sie besser kennenzulernen.

Wie lautet Ihr Motto?

Nur nicht verzweifeln!

* Wer ist Ihr weibliches Idol aller Zeiten?*

In der jüngeren Geschichte bewundere ich am meisten Aung San Suu Kyi wegen ihres unglaublichen Mutes, ihr Handeln mit ihren Prinzipien in Einklang zu bringen.

* Und im Fussball?*

April Heinrichs, Silvia Neid, Steffi Jones, Sun Wen, Jessie Fan, Hesterine de Reus, Vera Pauw, Carolina Morace, Hope Powell, Jitka Klimkova, Pia Sundhage.

* Welches Spiel werden Sie nie vergessen?  *

Das Finale der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011. Ganz einfach das beste Finale einer Weltmeisterschaft, das es je gegeben hat.

Was ist Ihr Lieblingswort?

Fantasie.

Und das Wort, das Sie am meisten hassen?

Scheitern.

* Dieses Interview wird am 8. März, dem Weltfrauentag, veröffentlicht. Ist dieser Tag für Sie wichtig?*

Der Weltfrauentag ist für mich immer mit zwiespältigen Gefühlen verbunden. Vor hundert Jahren durfte kaum eine Frau wählen, eine Ausbildung machen oder ein Amt bekleiden. Heute leisten Frauen ihren Beitrag in den Chefetagen der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Doch während wir Dinge tun, die unsere Mütter und Grossmütter nie tun konnten, ist es noch ein langer Weg, bis unsere Söhne und Töchter wirklich die gleichen Chancen haben. Der Internationale Frauentag erinnert mich daran, wie wichtig es ist, Frauen und Mädchen die Chance zu geben, voll am Fussball und an der Gesellschaft teilzunehmen.

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