FIFA Weltmeisterschaft™

Die unerschütterliche Entschlossenheit von Joan Oumari

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Es ist immer wichtig, einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen. Das gilt besonders im Fussball. Ein Spieler muss seine Chance nutzen, wenn sie sich ihm bietet, um den Mitgliedern des Betreuerstabs, den Fans und den Medien sein Talent zu beweisen. Gelingt das nicht, bekommt er in den seltensten Fällen eine zweite Chance.

Nachdem der Libanese Joan Oumari in seinem ersten Länderspiel für sein Land gegen Syrien einen Platzverweis kassiert hatte, sah es eher nicht danach aus, dass er noch ein weiteres Mal die Chance erhalten würde, das Nationaltrikot zu tragen. Seine Hinausstellung in der letzten Minute der Partie am 6. September 2013 hatte immerhin keine negativen Folgen: Libanon gewann am Ende 2:0.

Der Verteidiger vom deutschen Zweitligisten FSV Frankfurt hat diesen Zwischenfall aber nicht vergessen. "Ich stand nicht in der Startformation und wurde in der 55. Minute eingewechselt. In den Schlusssekunden sprang ich hoch, um einen hohen Ball abzuwehren, und traf mit meiner Hand einen syrischen Spieler. Der Schiedsrichter zeigte mir direkt Rot", schildert er die Szene.

"Es war keine Absicht und ich war sehr enttäuscht über diese rote Karte, da es mein erstes Länderspiel mit der Nationalmannschaft war. Aber das sind Dinge, die im Fussball passieren. Du kannst an einem Tag der beste Spieler der Partie sein und am nächsten der schlechteste. Diese Entscheidung war sehr hart für mich, weil es mein erstes Länderspiel war."

Drei Tage darauf begab sich die libanesische Auswahl nach Doha, um ein Freundschaftsspiel gegen Katar zu bestreiten. Der 27-jährige Verteidiger hingegen musste die Koffer packen und trat wegen seiner Sperre die Rückreise nach Deutschland an. Er dachte, für immer aus der Nationalelf ausgeschlossen zu sein.

"Mit dem Trainer stand es nicht zum Besten, und ich sagte dem Sportmanager der Auswahl, dass ich nicht mit einer Rückkehr rechnete", so Oumari über diese schweren Momente. "Ich bin nach Deutschland zurückgekehrt, aber ich war wegen der Ereignisse nicht sehr niedergeschlagen. Ich war davon überzeugt, einfach Pech gehabt zu haben, und glaubte wirklich, keine weitere Gelegenheit in der Nationalelf zu bekommen. Es war mein erstes Jahr beim FSV Frankfurt, also musste ich mich auf meinen Klub konzentrieren, um Stammspieler zu werden."

Tatsächlich konnte sich Oumari in der Mannschaft durchsetzen und bestritt 28 Zweitligapartien. Es hätten sogar noch mehr werden können, wenn er am 21. Spieltag gegen Dynamo Dresden nicht erneut eine rote Karte gesehen hätte, die sich in sein Gedächtnis einbrennen würde: "Ich erinnere mich sehr gut an dieses Spiel, denn diese rote Karte brachte mich trotz unseres Sieges (3:2) zum Weinen.

Ich wurde nur zehn Minuten nach dem Anpfiff vom Platz gestellt. Außerdem waren meine Mutter und meine Schwester mehr als 500 Kilometer aus Berlin angereist, um mich an diesem Tag spielen zu sehen. Ich bin direkt in die Kabine gegangen, habe mich hingesetzt und bittere Tränen geweint, weil ich sie enttäuscht habe."

Eine zweite Chance
Als Miodrag Radulovic im Mai 2015 die Führung der libanesischen Nationalmannschaft übernahm, wurde Oumari aber erneut berufen. Seitdem konnte er sich das Vertrauen des montenegrinischen Trainers verdienen und hat bisher beide Spiele in der Asien-Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ bestritten.

"Ich habe mich sehr über meine Rückkehr in die Nationalmannschaft gefreut, da ich endlich die Gelegenheit zur Wiedergutmachung bekommen habe.  In meinem zweiten Länderspiel [Freundschaftsspiel gegen Jordanien] hatte ich zunächst Befürchtungen, weil ich am linken Fuß leicht verletzt war. Doch ich habe mir gesagt, dass ich keine weitere Gelegenheit bekommen würde, wenn ich nicht auf der Höhe bin."

"Ich hielt mich in den Zweikämpfen zurück, um keine rote Karte zu kassieren unter der Leitung des neuen Trainers, der mich gut empfangen und mir das Vertrauen ausgesprochen hat. Ich wollte vor allem ihn nicht enttäuschen."

Der wichtigste Test für Joan Oumari und Nationaltrainer Radulovic findet am Dienstag statt. Der dritte Spieltag der Qualifikation für Russland 2018 sieht das Duell gegen den Spitzenreiter Korea Republik vor, der am vergangenen Donnerstag gegen Laos einen hohen 8:0-Erfolg feierte. Somit ist die Begegnung bereits jetzt von vorentscheidender Bedeutung.

Oumari hingegen ist trotz des Kantersiegs des nächsten Rivalen zuversichtlich: "Korea Republik ist eine gute Mannschaft, aber nicht unschlagbar. In unserem zweiten Spiel gegen Laos haben wir uns viele Chancen erspielt, aber nur zwei verwandelt."

"Die Koreaner haben große Treffsicherheit demonstriert, deshalb werden wir sie daran hindern müssen, für Gefahr zu sorgen. Sie wissen ihrerseits, dass wir über schnelle Spieler verfügen, die bei Kontern sehr gefährlich sind. Selbst wenn wir am Ende nicht als Sieger vom Platz gehen, bin ich mir sicher, dass wir eine gute Partie machen werden."

Scherzhaft sagt Oumari noch zum Abschied: "Ich werde mein Bestes geben, um in diesem Spiel keine rote Karte zu kassieren. Aber wenn das passiert, hoffe ich, dass wir wie mit meinem Verein den Sieg davontragen." Was auch immer am Dienstag geschieht: Oumari hat schon jetzt bewiesen, dass er im Zentrum der libanesischen Abwehr eine zweite Chance verdient hat.

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