FIFA Weltmeisterschaft™

Die üblichen Verdächtigen - und die Schweiz!

Fabian Schar (L) of Switzerland celebrates with his teammates
© Getty Images

In der europäischen Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ geben die großen Fussballnationen fast überall den Ton an – für die bisher größte Überraschung sorgte die Schweizer Nati.

Aus den neun europäischen Gruppen qualifizieren sich nur die Tabellenersten direkt für die Endrunde in Russland, während die acht besten Gruppenzweiten in je zwei Play-off-Spielen vier weitere WM-Teilnehmer ermitteln werden. In acht der neun Sektionen dürften die bisherigen Tabellenführer weitestgehend den Erwartungen entsprechen, die einzige handfeste Ausnahme bildet die Nationalmannschaft der Schweiz, die sich in *Gruppe B *überraschend vor Europameister Portugal geschoben hat und mit der perfekten Punktausbeute aus vier Partien glänzen konnte. Der frischgebackene Sieger der UEFA EURO 2016 wurde Anfang September in Basel durch Treffer von Breel Embolo und Admir Mehmedi mit 2:0 bezwungen. "Ich spüre den Willen, Portugal diesen ersten Platz zu rauben", hatte der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic noch vor der Partie angekündigt und Recht behalten. Da Portugal die drei folgenden Spiele für sich entschied, ist natürlich noch alles offen, während Ungarn (7 Punkte), die Färöer (4), Lettland (3) und Andorra (0) eher um die Plätze dahinter spielen dürften.

#YESSS #EUROPAMEISTERBESIEGER #SUIPOR 2:0 pic.twitter.com/ZhOd55LdEP

— nationalteamsSFVASF (@SFVASF) 6. September 2016

Weltmeister Deutschland schleppte sich ein wenig zur Qualifikation für die letzte EM, scheint aber für diese WM-Qualifikation heiß auf die Mission Titelverteidigung zu sein: Vier Spiele, vier Siege und 16:0 Tore sind eine eindrucksvolle Bilanz in der Gruppe C. Nur Belgien (21 Treffer) hat öfter eingenetzt, nur England und Deutschland sind bisher von Gegentoren verschont geblieben. "Man kann jetzt nicht davon reden, dass man eine Mannschaft gefunden hat. Da kann noch viel passieren. Wir haben junge Spieler hinten dran, die sich im Training hervorragend unserer Philosophie anpassen", sagte Bundestrainer Joachim Löw. "[Wichtig ist, Anm. d. Red.], dass die Mannschaft stabil bleibt und gnadenlos diese WM-Qualifikation durchzieht. Junge Spieler wollen wir auf höheres Niveau bringen." Nordirland (7), Aserbaidschan (7), die Tschechische Republik (5), Norwegen (3) und San Marino (0) wurden bereits distanziert und dürften bestenfalls noch auf Platz zwei hoffen.

Das in ganz Europa beachtete Gigantenduell findet in *Gruppe G *zwischen Spanien (10) und Italien (10) statt – bezeichnenderweise endete das Hinspiel in Turin mit einem 1:1. Etwas unbeachtet im Schatten der beiden Großmächte hat sich Israel (9) eine tolle Ausgangsposition erarbeitet und könnte überraschen. "Wir haben Charakter gezeigt und Nutzen aus den Situationen gezogen, die sich uns geboten haben", kommentierte Israels Trainer Elisha Levy das bisher Erreichte. Albanien (6) ist zumindest noch auf Reichweite, während die EJR Mazedonien und Liechtenstein auf den ersten Punkt hoffen.

In der *Gruppe A *hatte man vielleicht einen ähnlichen Zweikampf zwischen den ungeschlagenen Franzosen (10) und der Niederlande (7) erwartet, doch auch Schweden (7) und Bulgarien (6) sind noch voll im Geschäft. Für Les Bleues *erzielte Paul Pogba im Oktober in Amsterdam den einzigen Treffer im Aufeinandertreffen mit *Oranje, doch das torlose Remis in Belarus zum Qualifikations-Start verhinderte die perfekte Punktausbeute. "Es war ein tolles Jahr, das noch besser hätte sein können", resümierte Trainer Didier Deschamps und dachte dabei sicher an das verlorene EM-Endspiel in Paris. "Aber die Mannschaft ist sehr gewachsen, vor allem während der EURO." Schweden trennte sich in Solna zum Auftakt 1:1 von der Niederlande und wird mindestens auf die Playoffs hinarbeiten; Belarus (2) und Luxemburg (1) haben in allen Spielen bisher demonstriert, dass sie zu Überraschungen fähig sind.

Ist das Glas nun halb voll oder halb leer? EM-Überraschungs-Halbfinalist Wales ist in der Gruppe D bisher ungeschlagen, hat aber nur sechs Punkte geholt, da man von vier Partien lediglich gegen Moldawien gewinnen konnte. Die Punkteteilung zuhause gegen Georgien (2 Punkte) stand sicher nicht auf der Agenda. Österreichs talentiertes Team (4) sucht nach der enttäuschenden EM weiter nach der Form, während Moldawien (1) nur in Georgien punkten konnte. Serbien (8) liegt ungeschlagen auf Platz zwei, doch die Tabelle führt die Republik Irland mit zehn Zählern an. "Was brauchen wir, um die Gruppe zu gewinnen?", fragte rhetorisch Irlands Coach Martin O'Neill. "Ich würde sagen 22 Punkte. Wir haben bisher zehn. Aber ich habe immer gesagt, dass sich unser Schicksal 2017 in den Heimspielen [u.a. gegen Wales, Österreich und Serbien] entscheiden wird."

In der *Gruppe E *hat Tabellenführer Polen (10 Punkte, ungeschlagen) demonstriert, dass es zu einer verlässlichen Größe im europäischen Fussball avanciert ist – bei den letzten drei großen Turnieren war man immer dabei und auch der Weg nach Russland könnte erfolgreich bestritten werden. Montenegro (7), das noch nicht gegen Polen gespielt hat, ist dicht hintendran, während Dänemark (6), das 2:3 in Warschau verlor, und Rumänien (6), das 0:3 gegen Polen unterlag, noch ihre Chancen haben. Für Armenien (3) und Kasachstan (2) dürfte es in Sachen Endrunden-Teilnahme schwierig werden, doch Kasachstan überraschte zum Beginn der Qualifikation zuhause nach 0:2-Rückstand mit einem 2:2 gegen Robert Lewandowski & Co.

England (10 Punkte) ist neben Deutschland die bisher einzige Nation ohne Gegentor, konnte aber auch nur sechs Treffer erzielen. Lohn ist die Tabellenführung der Gruppe F, gefolgt von Slowenien (8), das den *Three Lions *im Oktober in Ljubliana ein torloses Remis abtrotzte. Die Slowakei (6), Litauen (5) und Schottland (4) sind alle noch in Reichweite, so dass es hier zu einem spannenden Rennen kommen könnte. Erwartungsgemäß abgeschlagen ist das punktlose Schlusslicht Malta, das in England allerdings nur 0:2 unterlag. Es dürfte interessant sein, die weitere Entwicklung der englischen Elf zu verfolgen, in die einige spannende junge Spieler integriert wurden. "Ich bin mir bewusst, dass es eine Sache ist, den Job zu erhalten, doch jetzt möchte ich ihn aber auch erfolgreich ausfüllen", sagte Gareth Southgate, der im Anschluss an die WM-Qualifikationsspiele vom Interims- zum Cheftrainer Englands befördert wurde. Das Potenzial seiner Elf wurde im 2:2 im Testspiel gegen Spanien ebenfalls noch einmal deutlich.

Watch all of the action from the #ThreeLions' clash with @SeFutbol at https://t.co/4UgNDF77jH now! https://t.co/sQuBpzTZFp

— England (@England) 16. November 2016

Für Belgien verlief die EURO 2016 mit dem Viertelfinal-Ausscheiden gegen Wales zwar enttäuschend, doch sagenhafte 21:1 Tore bisher und zwölf Punkte bescherten den* Roten Teufeln* unter dem neuen Coach Roberto Martinez die Tabellenführung der Gruppe H. Entscheidend werden sicher die beiden Aufeinandertreffen mit Griechenland (10), von denen das erste im kommenden März in Brüssel ansteht. Bosnien-Herzegowina (7) ist noch in Reichweite, Zypern (3), Estland (3) und Neuling Gibraltar (0) sind bereits abgeschlagen.

Ziemlich offen ist auch noch die Gruppe I, die von den ungeschlagenen Kroaten (10 Punkte) angeführt wird, gefolgt von den beiden EM-Teilnehmern Ukraine (8) und Island (7). Die Isländer sorgten bekanntlich vergangenen Sommer in Frankreich schon für Furore und unterstrichen ihre starke Mentalität im Oktober beim 3:2-Heimsieg gegen Finnland (1), als man in den Minuten 91 und 96 die entscheidenden Tore erzielte. Die Türkei (5) hatte sich sicher mehr Zähler erhofft, unterlag aber mit 0:2 ebenfalls in Island und befindet sich wohl noch im Umbruch, während Neuling Kosovo (1) beim 1:1 in Finnland schon zeigte, dass man mithalten kann.

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