Fussball aus aller Welt

Die schönsten Aufholjagden 

Liverpool celebrate winning the 2005 UEFA Champions League final
© Getty Images
  • Heute vor 15 Jahren kämpfte sich der FC Liverpool in Istanbul auf spektakuläre Weise ins Spiel zurück
  • FIFA.com erinnert an einige fantastische Aufholjagden der Geschichte
  • Auch spannende WM-Spiele sind dabei

Viele dachten, das Finale der UEFA Champions League sei für den FC Liverpool eine aussichtslose Sache. Diejenigen, die anfangs noch anderer Ansicht waren, hatten ihre Meinung bis zur Halbzeitpause ebenfalls geändert. Der AC Milan war rasch mit 3:0 in Führung gegangen und die Frage war zu diesem Zeitpunkt eigentlich nur noch, ob die Italiener es als erstes Team schaffen würden, das Endspiel mit mehr als vier Toren Unterschied zu gewinnen.

Doch da hatten die Mailänder die Rechnung ohne Steven Gerrard und Co. gemacht, denn es folgte die wohl spektakulärste Aufholjagd in der Geschichte der Champions League.

Im Halbfinale der Auflage von 2018/19 war Liverpool an der Anfield Road für einen weiteren Geniestreich verantwortlich, als das Team einen Drei-Tore-Rückstand gegen den FC Barcelona aufholte. Der leidtragende Klub hatte im Achtelfinale der Auflage von 2017 gegen Paris Saint-Germain mit einem von Neymar inspirierten 6:1-Sieg ebenfalls für eine Sensation gesorgt und nach Hin- und Rückspiel mit 6:5 triumphiert.

Auch beim Königswettbewerb unter den Fussballturnieren gab es einige unvergessliche Aufholjagden. Die WM 1954 in der Schweiz ist für die wohl größte Überraschung in der Geschichte der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ in Erinnerung geblieben: Ungarns Magische Magyaren, die sich in der Gruppenphase noch mit 8:3 gegen die BR Deutschland durchgesetzt hatten, gaben im Finale gegen dasselbe Team eine 2:0-Führung aus der Hand und unterlagen. Doch acht Tage vor dem sogenannten "Wunder von Bern" hatte sich eine zahlenmäßig noch spektakulärere Aufholjagd zugetragen. Die Gastgeber unterlagen in der "Hitzeschlacht von Lausanne" nach einer 3:0-Führung mit 5:7 gegen Österreich. Die Partie ist bis heute die torreichste der WM-Geschichte.

Schon gewusst?

  • Der Schweizer Josef Hugi ist seit diesem Tag einer von nur drei Spielern, die in einem WM-Spiel einen Hattrick erzielen konnten und die Partie am Ende trotzdem verloren haben. Die anderen beiden sind der Pole Ernst Wilimowski, der bei der WM 1938 in Frankreich bei der 5:6-Niederlage gegen Brasilien vier Treffer erzielte, sowie Igor Belanov, der 1986 in Mexiko bei der 3:4-Niederlage gegen Belgien dreimal für die Sowjetunion erfolgreich war.

1966 hatte sich die DVR Korea im Achtelfinale unerwartet gegen Italien durchgesetzt und war im Viertelfinale gegen Portugal schon bald mit 3:0 in Führung gegangen. Doch dann trat Eusebio auf den Plan und avancierte mit vier Treffern zum Helden eines 5:3-Erfolges der Portugiesen.

Unvergesslich geblieben ist auch die Nacht von Sevilla 16 Jahre später. Dort gab es himmlischen Fussball zusehen, aber auch die unrühmliche Kollision zwischen Toni Schumacher und Patrick Battiston sowie vier Tore in der Verlängerung. Das letzte davon, ein Fallrückzieher von Klaus Fischer, brachte der BR Deutschland, die in der 100. Minute gegen Frankreich noch mit 1:3 zurückgelegen hatte, den Ausgleich zum 3:3. Am Ende sollten die Deutschen sich im Elfmeterschießen durchsetzen.

Schon gewusst?

  • Battiston, ein Einwechselspieler, der erst seit wenigen Minuten auf dem Platz stand, hatte nach Schumachers rüdem Einsteigen zwei ausgeschlagene Zähne, drei gebrochene Rippen und einen angebrochenen Wirbel zu beklagen. "Ich habe ihm verziehen", erklärte Battiston später. "Mit der Zeit ist mir bewusst geworden, dass er aufgrund dieser Sache für immer abgestempelt war."*

Für die jüngste spektakuläre Aufholjagd der WM-Geschichte zeichnete der Belgier Nacer Chadli gegen Japan verantwortlich, und zwar bei der Auflage von 2018 in Russland. Auch andere FIFA-Wettbewerbe hatten fantastische Aufholjagden zu bieten.

Bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019™ lag Schottland gut 15 Minuten vor Schluss gegen Argentinien mit 3:0 vorn. Doch der Außenseiter erkämpfte sich ein 3:3, sicherte sich einen Punkt und sorgte damit für das Ausscheiden der Schottinnen.

Wenn wir das Rad der Zeit etwas weiter zurückdrehen, stoßen wir beim Olympischen Fussballturnier der Männer 1952 in Helsinki auf ein weiteres Beispiel. Die Sowjetunion erreichte nach einem 1:5-Rückstand gegen Jugoslawien mit einem heldenhaften Auftritt noch ein 5:5-Unentschieden, unterlag dann aber im Wiederholungsspiel.

Schon gewusst?

  • Vsevolod Bobrov, der in den beiden Spielen gegen Jugoslawien vier Treffer erzielte, wurde später Eishockeyspieler und brachte der Sowjetunion bei den Olympischen Winterspielen 1956 mit seinen Toren die Goldmedaille.

Die Jugoslawen konnten auch einige erfolgreiche Aufholjagden für sich verbuchen. 1978 lag FK Roter Stern Belgrad im Rückspiel des UEFA-Pokal-Duells gegen den BFC Dynamo gut eine halbe Stunde vor Schluss noch mit 2:6 hinten und gewann schließlich aufgrund der Auswärtstorregel. In der Folge besiegte Roter Stern Sporting Gijón, den FC Arsenal, West Bromwich Albion und Hertha BSC Berlin und musste sich erst im Finale knapp gegen Borussia Mönchengladbach geschlagen geben.

Sechs Jahre später gelang dem FK Partizan Belgrad im gleichen Wettbewerb ein nahezu identischer Coup. Das Team lag gegen die Queens Park Rangers mit 2:6 hinten, die Paarung endete mit einem 6:6-Unentschieden und Partizan kam aufgrund der Auswärtstorregel weiter.

In einem anderen Klubwettbewerb, nämlich im Finale des Afrikapokals der Landesmeister 1973 sorgte V Club aus Zaire mit drei Toren in der zweiten Halbzeit des Rückspiels gegen Asante Kotoko für eine faustdicke Überraschung. Bei der Copa Libertadores 1993 gelang dem peruanischen Außenseiter Sporting Cristal nach einer 0:3-Niederlage im Hinspiel gegen den uruguayischen Spitzenklub Nacional Montevideo ein ähnlicher Erfolg, denn am Ende stand es 4:3.

Auch in der Concacaf Champions League mangelte es nicht an spektakulären Aufholjagden. Deportivo Toluca lag 2003 im Halbfinale gegen Club América gut 20 Minuten vor Schluss insgesamt mit 1:4 hinten, ging jedoch mit einem 5:4-Sieg vom Platz und sicherte sich am Ende die Trophäe. Ein Jahr später gelang Chicago Fire im Viertelfinale nach einem Vier-Tore-Rückstand noch ein 6:5-Sieg und der Einzug in die Runde der letzten Vier. 2009 lag Santos Laguna mit 1:4 gegen Montreal Impact zurück und drehte die Partie schließlich mit Treffern des "Torwissenschaftlers" Darwin Quintero in der 92. und 95. Minute.

Der Fussball ist eben keine systematische Wissenschaft. Hier gilt das alte Sprichwort: "Es ist solange nicht vorbei, bis es vorbei ist."

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