Fussball aus aller Welt

Deutschland nimmt im Futsal die Sterne ins Visier

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Marcel Loosveld ist Bundestrainer der deutschen Futsal-Nationalmannschaft, doch wenn man dem 56-jährigen Niederländer gegenüber sitzt, fällt irgendwann der Blick auf seinen Trainingsanzug und da stimmt etwas nicht. Über dem Wappen des Deutschen Fussball-Bundes fehlen die vier Sterne, an deren Anblick man sich gewöhnt hat.

Das ist kein Wunder, denn eine der erfolgreichsten Fussball-Nationen überhaupt fängt im Futsal, der einzigen von der FIFA unterstützten Variante des Hallenfussballs, gerade erst an, ihre eigene Geschichte zu schreiben. Verständlich, dass man bei den Futsal-Spielern da auf die vier im Fussball errungenen Sterne verzichtet – wer schmückt sich schon gern mit fremden Federn? Für die noch junge Futsal-Nationalmannschaft geht es ab Montag erstmals überhaupt in eine WM-Qualifikation.

Deutsche Futsal-Nationalmannschaft

  • 1. Länderspiel: 5:3 gegen England (30. Oktober 2016)
  • Länderspiele: 19
  • Siege: 5
  • Unentschieden: 3
  • Niederlagen: 11

"Im Futsal kann man hier gemeinsam noch viel bewegen. Wenn man das erste Gespräch in Frankfurt hat und sieht, dass da einige WM-Pokale stehen, das macht schon Eindruck", berichtet Loosveld, der als Spieler 1989 Vize-Weltmeister mit der Niederlande wurde und danach 13 Jahre für den niederländischen Verband als Futsal-Trainer tätig war – auch als Coach der Nationalmannschaft.

Seit 2017 ist er Bundestrainer und stößt auf ein Umfeld, das auch für ihn Neuland war. In Deutschland dominierte bisher eine ganz andere Art des Hallenfussballs: Am häufigsten wird zwischen Flensburg und Garmisch-Patenkirchen mit Rundum-Bande auf große Tore gespielt, was zu vielen Zweikämpfen an besagter Bande führt. Viel läuft über den Zufall, auch bei ungenauen Pässen bleibt der Ball im Spiel.

"Ich halte nicht viel [von dieser Art Hallenfussball]", so Loosveld. "Wer daran Spaß hat, soll es spielen, aber Futsal ist ganz anders. Im taktischen Bereich ist so viel anders." Und so galt denn auch die Arbeit des Niederländers zunächst vor allem der Taktik: "Ich habe nichts gegen Hallenfussball – aber für Futsal brauchen wir Spezialisten. Das kostete viel Energie, da viele Spieler zuerst Futsal so gespielt haben, als ob sie Fussball spielen würden."

Futsal – das ist eine Sportart, bei der die Techniker zur Geltung kommen. Ein kleinerer, sprungresistenter Ball, keine Bande, Handballtore – und jede Menge Action.

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Faszination Futsal

"Ich mag die Dynamik, die Geschwindigkeit, das Eins-gegen-Eins, dauernd passiert etwas. Die Technik, die Taktik, die Varietät, da sind so viele Facetten, die mich begeistern."

Marcel Loosveld

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"Es ist sehr intensiv, es geht hin und her, es ist sehr attraktiv, es gibt kein Ballgeschiebe, man kann auch nicht dauernd zum Torwart zurückspielen. Man muss offensiv wie defensiv alles können."

Nationalmannschaftskapitän Timo Heinze

Die Zeichen in Deutschland stehen ein wenig auf Wandel: Für ältere Semster ist Futsal Neuland, da ist man eher skeptisch. Doch seit einigen Jahren hat der DFB veranlasst, dass bundesweit die Hallenmeisterschaften im Futsal ausgetragen werden – es wächst also eine Generation heran, für die Fussball in der Halle mit Futsal gleichgesetzt wird. Davon soll der deutsche Futsal profitieren.

"Es ist viel Talent da. Für uns ist es wichtig, dass wir dieses Talent entdecken und für den Futsal ausbilden", so Loosveld, während sein Kapitän Heinze, der einst bei der 2. Mannschaft des FC Bayern München mit Thomas Müller und Mats Hummels spielte, anmerkt: "Da wird sich dann einiges bewegen. Ich hoffe sogar, dass es langfristig Sportler gibt, die mit Futsal aufwachsen und dann auch nur Futsal spielen, wie es in Brasilien oder Spanien teilweise so ist."

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Die große Fussball-Nation ist auf dem Futsal-Parkett noch einer der Kleinen. "Am Anfang habe ich mich auch gefragt, wie das auf die Anderen wirkt. Darüber geredet haben wir aber nicht", sagt Heinze. Loosveld ist nicht der Meinung, dass die Erfolge der Fussballer Extra-Druck für die Futsal-Spieler bedeuten. Im Gegenteil, man profitiere vom Know-How des DFB: "Deutsche Organisation ist Weltspitze, da bekomme ich auch Nachrichten von Kollegen, wie toll das für den Futsal ist. Damit gewinnen wir auch viele neue Fans."

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Der Weg bis zu einer WM-Teilnahme ist lang. Die nun stattfindende Vorrunde muss überstanden werden, es folgen potenziell eine Hauptrunde (Oktober 2019) sowie die Eliterunde (Frühjahr 2020), ehe die sechs europäischen Nationen gefunden sind, die neben Gastgeber Litauen im Herbst 2020 um den Titel spielen.

Deutschland in der Vorrunde der WM-Qualifikation

  • Austragungsort: Georgien
  • Georgien – Deutschland (Mittwoch, 17.30 MEZ)
  • Deutschland – Dänemark (Donnerstag, 14.30 MEZ)
  • Israel – Deutschland (Samstag, 14.30 MEZ)

Eine WM-Teilnahme, das räumen Trainer und Kapitän freimütig ein, liegt für die DFB-Auswahl wohl in weiter Ferne. "Wenn wir die erste Runde überstehen, wäre das schon ein großer Erfolg. Wir gehen diese Herausforderung aber mit Spaß an", so Loosveld. "Wenn ich sehe, was wir in der beschränkten Zeit der Lehrgänge schon erreicht haben an Spielverständnis, dann bin ich sehr zufrieden."

Und Deutschland wäre nicht Deutschland, wenn der Bundestrainer keine ehrgeizigen Ziele formulieren würde: "Für die EM 2022 müssen wir solche Strukturen geschafft haben, dass wir uns für die europäischen Turniere qualifizieren können. Das ist schwierig, aber auch ein schönes Ziel. Man kann sich ruhig ein hohes Ziel setzen. Das finde ich auch realistisch. Dann haben wir gute Arbeit geliefert".

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