19. November: Welttag der Philosophie

Der Fussball und seine Philosophie

French writer Albert Camus
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  • 19. November: Welttag der Philosophie
  • FIFA.com begibt sich auf eine literarische Reise durch die vergangenen Jahrhunderte
  • Berühmte Philosophen und Zeitgeister beschäftigten sich mit dem Thema Fussball

Mit der Bezeichnung Philosophie wird gemeinhin das systematische Streben des Menschen nach Erkenntnis des Wesens und der Zusammenhänge der Dinge beschrieben. "Ich weiß, was ich nicht weiß" (Sokrates) oder "Der Weg ist das Ziel" (Konfuzius) sind nur zwei Zitatbeispiele von Philosophen, die sich über Jahrhunderte Gedanken über die Menschheit gemacht haben.

Da dürfte es wenig überraschend sein, dass sich diese klugen Köpfe und Literaten rund um den Globus auch der beliebtesten Sportart der Welt, genauer gesagt dem Fussball, gewidmet haben. Beginnen wollen wir unsere Reise bei einem der bedeutendsten Dramatikern der Weltliteratur: William Shakespeare.

Zwischen Verachtung und Dankbarkeit

Während ein Zeitgenosse des 16. und 17. Jahrhunderts, Richard Mulcaster, noch davon sprach, dass "Fussball die Muskeln des ganzen Körpers kräftigt, und indem er überschüssige Säfte nach unten befördert, für einen klaren Kopf sorgt", fand Shakespeare wenig Gefallen an dieser Betätigung.

So ließ er 1591 in seinem Stück Die Komödie der Irrungen den Diener Dromio seiner Herrin Adriana klagen: "So roll ich denn für Euch auf diese Weise? Habt Ihr mich denn für einen Fussball? Ihr tretet mich von dort nach hier, und er, er tritt mich dann von hier nach dort. Wenn ich in diesem Dienst verharren soll, so müsst Ihr mich in Leder kleiden." Und nur 15 Jahre später wagte er in *König Lear *den Satz: "Du verachtenswerter Fussballspieler."

Ganz anders ist die Gefühlslage offenbar beim Literatur-Nobelpreisträger Albert Camus, der sich in tiefer Dankbarkeit verneigt. "Die moralische Lehre, die ich dem Fussball verdanke: Die loyale Beachtung von Spielregeln, die gemeinsam festgelegt und freiwillig akzeptiert werden."

Das Theater der Welt

"Schon vor Hunderttausenden von Jahren hatte der Mensch Freude daran, Gegenstände mit Fußtritten in rasche Bewegungen zu versetzen. Allerdings ging man seinerzeit noch auf allen vieren, so dass ein Schuss aufs Tor sich meist schon in den eigenen Vorderbeinen verfing", wirft der Deutsche Vicco van Bülow, alias Loriot, einen Blick auf die Anfänge der Menschheit.

Den Fussball wissenschaftlich betrachten können? Kein Problem für den Historiker Horst Bredekamp: "In keinem anderen Bereich laufen auf so kleinem Raum mit so einfachen Mitteln so elementare und zugleich hoch differenzierte Prozesse ab. Fussball ist das Theater der Welt."

"Fussball bedeutet Freiheit", weiß Reggae-Legende Bob Marley zu berichten, wobei ihm in dieser Hinsicht kein Geringerer als der ehemalige U.S.-Präsident Harry S. Truman mehr oder weniger widerspricht. "Es ist leichter, Präsident der Vereinigten Staaten zu sein, als Fussballtrainer. Sehen Sie, ich wurde für vier Jahre gewählt. Ein Fussballtrainer aber wird, wenn er verliert, von heute auf morgen in die Wüste geschickt."

Fussball im Zeichen von Religion und Kultur

Auf der Suche nach weiteren interessanten Aussprüchen lässt sich feststellen, dass sich tatsächlich viele kluge Menschen Gedanken gemacht und Vergleiche gezogen haben. Dabei reicht die Palette von Zitaten, wie "eine aufgeblasene mit Leder überzogene Ochsenblase, die man bald mit dem Fuß oder mit dem Arm in die Luft schlägt" (Gebrüder Grimm), bis zu religiösen und kulturellen Vergleichen.

"Worin ähnelt der Fussball Gott?", fragt sich der uruguayische Schriftsteller Eduardo Galeano und gibt selbst die Antwort: "In der Ehrfurcht, die ihm viele Gläubige entgegenbringen, und im Misstrauen, mit dem ihm viele Intellektuelle begegnen." Und kein Geringerer als Philosoph Umberto Eco ergänzt: "Der Fussball ist einer der am weitesten verbreiteten religiösen Aberglauben unserer Zeit. Er ist heute das wirkliche Opium des Volkes."

Ein Gegner verkompliziert

Fussball schafft eine demokratische Ebene des Austausches, einen echten Dialog der Kulturen", verkündet Calixthe Beyala. "Für den Fussballer ist Fusballer Sport (und Arbeit und Geschäft), für den Nichtfussballer, für alle übrigen Menschen also, ist Fussball Kultur, also Lebensart", so Egyd Gstätter. "Gibt es denn bloß noch Kultur? Und kein Fussball?", entgegnet der Autor Janosch.

Interessante Gedanken scheint sich auch der französische Philosoph Jean-Paul Sartre gemacht zu haben, der sich Mitte des 20. Jahrhunderts mit der Komplexität des runden Leders beschäftigte und zu dem Schluss kommt, dass sich "bei einem Fussballspiel alles durch die gegnerische Mannschaft verkompliziert."

Ein Spiel dauert 90 Minuten

Und wenn dann auch noch der Gegner Deutschland heißt, scheint alles verloren - zumindest, wenn es nach Gary Lineker geht, denn die Fussball-Legende überraschte einst selbst mit der Erkenntnis: "Fussball ist ein Spiel von 22 Leuten, die rumlaufen, und am Ende gewinnt immer Deutschland."

Unsere Reise zu den Philosophen und klugen Köpfen dieser Erde wollen wir natürlich nicht beenden, ohne auch auf die eigentlichen Protagonisten einzugehen, die sich über die Jahrhunderte sicherlich auch den ein anderen Gedanken über das Spiel mit dem runden Leder gemacht haben.

Denn was wäre der Fussball ohne die Erkenntnisse des deutschen "Wunder von Bern"-Architekten Sepp Herberger? "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel" oder "Das Spiel dauert 90 Minuten..." Wer könnte dem widersprechen?

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