Fussball aus aller Welt

Der frühere Schiedsrichter-Chef im Kampf gegen Demenz und Vereinsamung

George Cumming with the Ravens Court Sporting Memories group during a visit to Hampden Park.
  • Cumming war Leiter der Abteilung Schiedsrichterwesen bei der FIFA
  • Heute arbeitet er ehrenamtlich für "Sporting Memories"
  • Die Hilfsorganisation kämpft gegen Demenz, Depression und Vereinsamung

Für George Cumming steht fest: Fussball hat sein Leben enorm bereichert. Er war als Spieler, Schiedsrichter und in der Administration aktiv und kam aus Schottland über die Schweiz bis nach Malaysia.

Nachdem er in seinem Leben so viel durch den Fussball gewonnen hat, nutzt der frühere Leiter der Abteilung Schiedsrichterwesen der FIFA das schönste aller Spiele nun, um etwas zurückzugeben. Er engagiert sich ehrenamtlich für Sporting Memories, eine Hilfsorganisation, die gegen Demenz, Depression und Vereinsamung kämpft und dazu die Erinnerung an Sportereignisse und körperliche Aktivität einsetzt.

"Ich hatte schon eine ganze Weile nach einer ehrenamtlichen Tätigkeit gesucht. Vor ein paar Jahren sah ich dann im TV einen Bericht über Sporting Memories. Das schien mir ideal geeignet", erzählt er gegenüber FIFA.com. "Seitdem gehe ich regelmäßig immer wieder zur gleichen Gruppe in Motherwell. Ich mag das genau so sehr wie die Teilnehmer."

"Sporting Memories hat für mich zwei Seiten. Da ist zum einen der Aspekt Demenz, der sehr wichtig ist. Aber viele Menschen, die an unseren Sitzungen teilnehmen, leiden gar nicht an Demenz. Aus meiner Sicht ist der Kampf gegen die Vereinsamung und Isolation mindestens genau so wichtig. Es reicht schon, einfach ein, zwei Stunden Gesellschaft und Kameradschaft zu bieten. Ich weiß, dass dieser Termin für viele unserer Gäste der Höhepunkt der Woche ist."

George Cumming: Sporting Memories In 100 Objects

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George Cumming: Sporting Memories In 100 Objects

Cumming ist einer von 265 speziell geschulten Freiwilligen in Großbritannien, denn Sporting Memories ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen, was den Erfolg des Konzepts eindrucksvoll unterstreicht. Zwar hat keiner der anderen Freiwilligen eine vergleichbare Karriere im Fussball vorzuweisen, doch der Schotte vermeidet es trotzdem, sich in den Mittelpunkt zu stellen.

"Ich probiere einfach verschiedene Dinge aus, die den Teilnehmern Spaß machen können", sagt er. "Wir gehen durch das Alphabet, versuchen, für jeden Anfangsbuchstaben einen Sportler zu finden und ich habe auch einen Projektor, so dass ich Klassiker aus der Vergangenheit auf der Leinwand zeigen kann."

"Wir versuchen auch, so viel wie möglich nach draußen zu gehen. Ich habe mit meiner Gruppe einen Ausflug ins Stadion Hampden Park gemacht. Das war ein toller Tag für alle. Wir haben das Stadion besichtigt und dann auch noch das Museum besucht. Das war wirklich toll. Alle waren begeistert!"

"Die Teilnehmer kennen alle meinen Hintergrund, aber ich spreche eigentlich kaum darüber. Schließlich geht es um sie und ihre Geselligkeit, nicht um mich. Ich höre mir lieber ihre Geschichten an, als von mir selbst zu erzählen."

The Ravens Court Sporting Memories group during a visit to Hampden Park.

Dabei hätte Cumming eine ganze Menge zu erzählen. Der ehemalige Verteidiger von Partick Thistle, St Mirren und Hamilton – drei historische schottische Klubs – war bereits auf dem Weg, sich aus dem Fussball zu verabschieden, als der Zufall zu Hilfe kam.

"Ich hatte von einem Kurs für Schiedsrichter gehört und wollte eine Möglichkeit, mich fit zu halten. Also ging ich hin, bestand prompt die Prüfung und begann, in der lokalen Amateurliga Spiele zu pfeifen. Von dort habe ich mich dann langsam aber sicher bis in die schottischer Premier League hochgearbeitet."

"Allerdings habe ich diese Tätigkeit neben meiner Arbeit als stellvertretender Schulleiter gemacht. Als der schottische Verband mir dann die Vollzeitstelle als Beauftragter für das Schiedsrichterwesen anbot, war das ein echtes Dilemma für mich. Ich war 20 Jahre als Lehrer tätig und das aufzugeben, war eine sehr schwere Entscheidung. Aber ich habe es nie bereut."

Ein gutes Jahrzehnt später wurde Cumming dann die Leitung der Abteilung Schiedsrichterwesen bei der FIFA angeboten. "Das bedeutete die Verantwortung für das gesamte Schiedsrichterwesen bei der FIFA Fussball-WM 2002™. Es war eine großartige Erfahrung, aber auch sehr, sehr arbeitsintensiv, nicht zuletzt, weil das Turnier in zwei Ländern stattfand und wir in beiden Ländern Hauptquartiere einrichten mussten", erläutert er. "Außerdem war 2002 die Technologie noch längst nicht so gut wie heute!"

George Cumming coaches young referees during his time with the Asian Football Confederation.

Cumming war auch als geschäftsführender Leiter der Entwicklungsabteilung der FIFA tätig. Hier war er verantwortlich für Frauenfussball, Futsal und Sportmedizin. Später leitete er dann das Schiedsrichter-Förderprogramm Project Future der Fussballkonföderation von Asien (AFC).

"Ich lebte in dieser Zeit in Kuala Lumpur. Das alles war eine großartige Erfahrung", erinnert er sich.

Mittlerweile lebt der 73-Jährige wieder in seiner schottischen Heimat. Als Rentner kann er sich jetzt einer anderen sportlichen Leidenschaft widmen, nämlich dem Golfsport. Doch zum Fussball kehrt er immer wieder zurück. In seiner Rolle als ehrenamtlicher Helfer sieht er die enorme positive Kraft des Fussballs.

"Wir decken alle Sportarten ab, doch in meiner Gruppe geht es fast immer um Fussball, ganz einfach weil die Teilnehmer das am interessantesten finden. Fussball bedeutet all diesen ganz verschiedenen Menschen enorm viel und ist ein wichtiger Teil des Lebens, ganz besonders in unserem Land", so Cumming.

"Man sieht es ja gerade jetzt in diesen Zeiten, wie groß die Lücke ist, wenn der Fussball fehlt. Trotz all der schlechten Presse, die der Fussball manchmal bekommt, ist er doch auch immer wieder der Kitt, der alles zusammen hält. Je schneller wir alle wieder zuschauen, spielen und darüber diskutieren können, desto glücklicher werden wir alle sein."

George Cumming with the Ravens Court Sporting Memories group during a visit to Hampden Park.

Möchten Sie mehr erfahren? Sie können den Bereich Let’s Talk Sport auf der Website von Sporting Memories besuchen und Freunden und der Familie die Freude an sportlichen Erinnerungen bringen. Zu den Ressourcen gehören Quiz, Rätsel und ein Video über die Verwendung von Eins-zu-Eins-Erinnerungen über das Telefon - für einige ältere Menschen die einzige Möglichkeit, sich mit Familie und Freunden zu verbinden. Sie können sich auch registrieren, um die kostenlose wöchentliche digitale Veröffentlichung von Sporting Pink zu erhalten.

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