FIFA Weltmeisterschaft™

Degeneks turbulenter Weg nach ganz oben

Milos Degenek of Australia congratulates Tom Juric after scoring a goal during the 2018 FIFA World Cup Qualifier match between the Australian Socceroos and Iraq
© Getty Images
  • Milos Degenek wuchs in Kriegszeiten in Belgrad auf
  • Seit dem vergangenen Jahr nahm seine Karriere in der australischen Nationalmannschaft Fahrt auf
  • Degenek spricht über seine Kindheit und eine mögliche WM-Teilnahme

Niemand kann behaupten, dass Milos Degeneks Weg auf die internationale Fussballbühne ein leichter war. Im Gegenteil: Schon als kleines Kind musste Degenek mehr ertragen, als viele Menschen in ihrem ganzen Leben. Er verbrachte sein Kindheit im Belgrad kurz vor der Jahrhundertwende und nutzte jede Gelegenheit, auf den Straßen Fussball zu spielen.

Doch die Straßen Belgrads waren damals von Trümmern übersät und immer wieder wurde das Spiel der Jungen durch Sirenengeheul und die fürchterliche Geräuschkulisse von Bombenexplosionen unterbrochen. Denn zu dieser Zeit tobte im damaligen Jugoslawien ein blutiger Konflikt. Der kleine Milos und seine Familie mussten immer wieder in Bunkern Schutz suchen und hoffen, dass dieser Tag nicht ihr letzter sein möge.

"Ich kann mich noch sehr genau an so ziemlich alles aus dieser Zeit erinnern", so Degenek im Gespräch mit FIFA.com. "Wegen der Bomben wusste niemand, ob er am nächsten Morgen wieder aufwachen würde."

"Wenn man überlebt hatte und aus dem Bunker kam, sah man überall die Verwüstung. Überall loderten Flammen. Man sah Dinge, die ein normaler menschlicher Verstand gar nicht fassen kann. Und mit all dem mussten wir als kleine Kinder klarkommen."

Die Situation änderte sich kurz vor den Olympischen Spielen von Sydney 2000, als die Familie nach Australien auswanderte. Hier kamen die Degeneks nach dem Chaos in Belgrad in einer ganz neuen Welt an. 20 Jahre später freut sich Degenek darüber, dass er nun Nationalspieler ist.

Mitte des vergangenen Jahres berief Nationaltrainer Ange Postecoglou den Verteidiger erstmals in seinen Kader, nachdem er sich mit viel harter Arbeit und enormer Entschlossenheit einen Platz in der ersten Mannschaft von 1860 München erkämpft hatte. Der neue Mann hinterließ von Beginn an einen starken Eindruck. Gleich seine allererste Ballberührung in einem Länderspiel führte zu einem Tor, denn der englische Abwehrspieler Eric Dier lenkte die tückische Hereingabe von der Seitenlinie unglücklich ins eigene Netz ab.

Beim FIFA Konföderationen-Pokal im Juni in Russland sammelte Degenek dann erstmals Erfahrungen bei einem FIFA-Turnier im Seniorenbereich, wo er zwei überzeugende Einsätze absolvierte. Jetzt könnte der nächste Meilenstein anstehen, denn Australien will die Weichen für eine Rückkehr nach Russland zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2018™ stellen.

Spitzenspiel in Japan
Der nächste Gegner ist Japan, eines der stärksten asiatischen Teams. Am Donnerstag treffen die beiden Teams in Japan aufeinander, wo Degenek mittlerweile für den J.League-Klub Yokohama F. Marinos spielt. In der Partie dürfte eine Vorentscheidung über die Vergabe der beiden direkten Qualifikationsplätze in Gruppe B fallen.

Japan gegen Australien – diese Paarung hat sich im vergangenen Jahrzehnt zu einem der Spitzenspiele im asiatischen Fussball gemausert. Und da es dieses Mal um nicht weniger als die WM-Qualifikation geht, ist das Spiel im Saitama Stadium bereits seit Monaten ausverkauft. Das bevorstehende Duell beherrscht auch schon seit geraumer Zeit die japanischen Sport-Schlagzeilen, und auch Degenek weiß, wie groß das Interesse ist.

"Ich wurde im vergangenen Monat buchstäblich nach jeder Trainingseinheit auf dieses Spiel angesprochen", sagte er im Trainingslager der Socceroos in Tokio. "Auch nach den Spielen meines Klubs fragt niemand danach, wie wir gespielt haben. Stattdessen geht es immer um dieses Duell."

"Die Fans des Klubs haben mir viel Glück gewünscht und sogar meine japanischen Teamkollegen stehen zum Teil auf unserer Seite und wünschen uns einen Sieg. Qualifikationsspiele sind immer eine große Sache, aber dieses hier ist etwas Anderes, weil ich eben hier in Japan spiele. Und natürlich ist es für uns ein sehr wichtiges Spiel. Hoffentlich können wir uns die drei Punkte sichern und damit einen großen Schritt in Richtung WM machen."

Wie auch immer die Atmosphäre am Donnerstag sein wird – Degenek dürfte sich davon kaum nervös machen lassen.

"Ich hatte schon als Sechsjähriger so ziemlich alles gesehen, daher bringt mich heute so schnell nichts mehr aus der Ruhe."

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