NWSL Challenge Cup

Debinha: "Diese Auszeichnung hat mir noch mehr Motivation geschenkt"

Debinha of the NC Courage
© Getty Images
  • Debinha wurde im Spiel um die NWSL-Championship 2019 als wertvollste Spielerin ausgezeichnet
  • Mit FIFA.com sprach sie über die Aussichten der Portland Thorns
  • Weitere Themen: Ronaldinho, ihre Wandlung zur kompletten Spielerin und das Abenteuer Olympia

Morgan Brian, Abby Dahlkemper, Crystal Dunn, Julie Ertz, Sam Kerr, Stephanie Labbe, Jessica McDonald, Sam Mewis, Alyssa Naeher, Yuki Nagasato, Heather O'Reilly, Lynn Williams… an Stars mangelte es zum Abschluss und Höhepunkt der NWSL-Saison 2019 ganz sicher nicht. Mehrere Weltmeisterinnen, dazu eine Torjägerin, die von der englischen Zeitung The Guardian kurz darauf als beste Spielerin des Planeten bezeichnet werden sollte, und eine USWNT-Legende, die das letzte Spiel ihrer herausragenden Karriere bestritt.

Sie alle waren auf dem Feld, doch als North Carolina Courage den NWSL Shield mit dem höchsten Sieg in der Geschichte der Playoffs gewann, wurde eine Spielerin als die wertvollste ausgezeichnet, deren Trainer noch 2017 über sie sagte, sie sei "nutzlos, wenn wir den Ball nicht haben. Nun hingegen war Paul Riley voll des Lobes.

"Das erste Tor war natürlich sehr wichtig", so der Coach. "Doch Debinha wurde ausgezeichnet, weil sie so oft dagegenhielt, Gegnerinnen stellte, den Ball zurück erorberte. Mit dem Ball am Fuß war sie schon immer eine Spitzenspielerin." Jetzt ist sie eine absolut komplette Spielerin."

Auch für Brasilien hat die einst reinrassige Stürmerin in letzter Zeit glänzende Leistungen gezeigt. Seit dem Amtsantritt der Schwedin Pia Sundhage als Trainerin hat sie sieben Tore erzielt und damit mehr als jede andere im Kader. Beim 2:1-Sieg gegen den WM-Halbfinalisten England in Middlesbrough erzielte sie beide Tore für Brasilien. "Sie kann unglaubliche Dinge mit dem Ball machen. Und nun hat sie zudem noch diesen amerikanischen Einfluss in ihrem Spiel", schwärmt die Schwedin.

Kurz bevor die NWSL den Spielbetrieb mit dem Challenge Cup wieder aufnimmt, sprach Debinha mit FIFA.com über den Lockdown, die Aussichten von North Carolina Courage, ihre Entwicklung als Spielerin, ihre Bewunderung für Ronaldinho und Brasiliens Hoffnung auf den Gewinn der Goldmedaille beim nächsten Olympischen Fussballturnier der Frauen.

Debinha, sind Sie sehr aufgeregt, dass es bald mit dem Spitzenfussball weitergeht?
Ja, sehr aufgeregt. Es ist großartig, wieder mit dem gesamten Kader zu trainieren. In diesen drei Wochen des Trainings haben sich die Spannung und die Vorfreude auf das Debüt mehr und mehr gesteigert. Jetzt sind wir hier und ich kann es kaum noch erwarten, endlich wieder ein Pflichtspiel mit all meinen Teamkameradinnen zu bestreiten.

Wie haben Sie sich während des Lockdowns in Form gehalten?
Wir haben unser Training individuell absolviert. Glücklicherweise gibt es hier in den USA ja viele öffentliche Plätze. Daher konnte ich mich körperlich in Form halten. Mein Krafttraining habe ich zu Hause absolviert.

Was haben Sie, abgesehen vom Training gemacht, um sich die Zeit zu vertreiben?
Ich habe ein paar Serien geschaut, Kartenspiele und Videospiele gespielt. Und natürlich hatte ich viel Zeit, um die Familie und Freunde anzurufen.

Im ersten Spiel trifft NC Courage auf die Portland Thorns. Was sagen Sie zu der Rivalität zwischen diesen beiden Teams?
Diese intensive Rivalität begann ein Jahr bevor ich zu dem Team stieß. Ich sehe das als gesunde Rivalität. Wir wissen ja, dass Portland zu den Top-Teams der Liga gehört und dass es immer eine tolle Sache ist, dort anzutreten. Ich denke, dass jedes Team der Liga wohl zustimmen würde, dass eine besondere Motivation im Spiel ist, wen man auswärts gegen Portland spielt. Die Fans erzeugen eine einzigartige Atmosphäre, die den Siegeswillen intensiviert.

North Carolina gegen Portland wird als erstes Frauenspiel der Liga live im nationalen Fernsehen der USA gezeigt. Wie wichtig ist dieser Meilenstein?
Ich freue mich, dass ich hier spiele und Teil des Siegeszuges des amerikanischen Frauenfussballs bin. Ich erlebe durch das Spielen in dieser Liga mit, wie hart die Teams arbeiten, um Erfolg zu haben und die verdiente Anerkennung zu bekommen.

Worin sehen Sie die größten Stärken von NC Courage?
Ich könnte jetzt natürlich sagen, überall auf dem Platz, auf allen Positionen! (lacht) Aber ich denke, unsere größte Stärke ist wohl das Mittelfeld, das unseren Außenspielerinnen große Freiräume lässt und auch den Rhythmus des Spiels diktiert.

Wie sehen Sie NC Courage im Vergleich mit Olympique Lyon?
Wir haben zwei Mal gegen Lyon gespielt, bei einem Sieg und einer Niederlage. Ich würde also sagen, wir sind ganz oben dabei und kämpfen um unseren Platz.

Was für ein Gefühl war die Wahl zur wertvollsten Spielerin im letzten Spiel um die NWSL Championship?
Ich habe mich sehr gefreut und fühlte mich geehrt, dass meine Arbeit in der Liga so anerkannt wird. Diese Auszeichnung hat mir für die Saison noch mehr Motivation geschenkt. Ich will auch weiterhin mein Bestes geben und meinem Team helfen, und vielleicht sogar den Challenge Cup gewinnen.

Wer sind die besten Freistoßschützen, die sie kennen und wie wurden Sie selbst so gut dabei?
Da würde ich Ronaldinho Gaucho nennen. Er ist mein Idol. Ich bin mit unzähligen Videos von ihm aufgewachsen. Ich habe schon immer gern Freistöße geschossen, aber mir in Spielen nie den Ball gegriffen, um sie auzuführen. Bis ich Paul [Riley] gebeten habe, mich nach dem Training noch Freistöße trainieren zu lassen. Genau das Gleiche passierte auch bei Vadao und der Seleção. Ich denke, dass Training und stetiges Üben der Schlüssel ist. Ich habe sehr viel Freistöße trainiert und das hat sich ausgezahlt.

Riley lobt Ihre enormen Verbesserungen im Defensivbereich. Können Sie uns etwas über Ihre Wandlung einer reinen Offensivspielerin zu einer kompletten Spielerin sagen?
Ich denke, das Spielen für NC Courage hat diese Wandlung herbeigeführt. Eine der großen Stärken unseres Teams ist das Gegenpressing und das schnelle Zurückgewinnen des Balls. Als ich hierher kam, wurde mir schnell klar, dass ich sowohl angreifen als auch verteidigen muss, wenn ich unter Pauls spielen will.

Seitdem Pia Sundhage das brasilianische Frauenteam übernommen hat, glänzen Sie mit tollen Leistungen, haben viele Tore erzielt und zahlreiche weitere vorbereitet. Was ist der Schlüssel zu diesem Wandel?
Ich denke, da spielen sowohl die Saison mit meinem Klub wie auch die WM eine Rolle. Dort habe ich auf dem Feld Selbstvertrauen und Freiheit gewonnen. Um Erfolg zu haben, muss man auf dem Spielfeld seine Aufgaben erfüllen, aber man muss gleichzeitig zufrieden sein und ohne Zwänge spielen. Genau das hat uns Pia seit ihrem Amtsantritt bei der Seleção vermittelt.

Wo sehen Sie Brasilien derzeit unter den besten Teams der Welt?
Schaut man sich die letzten Spiele an, kann man wohl sagen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir haben gute Resultate gegen Weltklasseteams geholt. Ich denke, wenn wir auf diesem Weg weitergehen und zusätzlich noch etwas mehr an den psychologischen Aspekten arbeiten, haben wir das Potenzial, zu den Top 3 zu gehören.

Denken Sie, dass Brasilien unter Pia Sundhage bei den nächsten Olympischen Spielen die Goldmedaille gewinnen kann?
Zweifellos. Ich denke, Brasilien brauchte eine modernere Spielweise. Wir waren etwas festgefahren, haben uns stark auf individuelle Spielerinnen und bestimmte Spielzüge verlassen. Unter Pia hat sich das Team neu sortiert und spielt jetzt besser organisiert. Damit können wir den großen Nationalteams auf Augenhöhe begegnen. Und zudem verfügen wir über die individuelle Brillanz als zusätzliche Stärke.

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