FIFA Weltmeisterschaft™

Coach Gharsali: "Wir wollen ein neues Kapitel Fussballgeschichte schreiben"

Djibouti national team with Tunisian coach Noureddine Gharsalli
© Others

Im November 2010 errang Dschibuti in der Afrika-Zone gegen Somalia seinen ersten Sieg überhaupt im Rahmen einer FIFA WM-Qualifikation. Das kleine Land mit gerade einmal 23.000 Quadratkilometern Fläche zog somit erstmals in die Gruppenphase ein. Es war ein schier unglaublicher Erfolg für eine Mannschaft aus reinen Amateuren, die im Alltag einem regulären Beruf nachgehen, studieren oder die Schulbank drücken.

Aktueller Nationaltrainer von Dschibuti ist der Tunesier Nourredine Gharsali. Im Gespräch mit FIFA.com erinnert er sich an diese Glanzleistung: "Kaum zu glauben, dass eine Nationalmannschaft, die hauptsächlich aus Schülern, Studenten und Angestellten besteht, die Gruppenphase der Qualifikation für die Weltmeisterschaft erreichen kann. Erst im vergangenen Juni konnten sechs Spieler die Reise nach Tunesien zum Qualifikationsspiel für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2017 wegen der anstehenden Abiturprüfungen nicht antreten."

Der Nationaltrainer weiter: "Wir haben Spieler, die hauptberuflich in der Präsidentengarde dienen. Andere sind Hafenarbeiter oder Angestellte in Telekommunikationsunternehmen. Die wirtschaftliche Lage im Land lässt nichts anderes zu. Die Spieler wollen ja schließlich auch etwas essen. Unser Amateurstatus erklärt auch unsere Platzierung in der Weltrangliste."

**Das Verliererimage hinter sich lassen

**In der Tat würden wohl auch die größten Optimisten kaum auf weitere Siege Dschibutis setzen, ganz gleich wie der Gegner heißt. Dazu hat die Nationalmannschaft des Landes einfach schon zu viele Niederlagen hinnehmen müssen. Entsprechend konstant dümpelt sie in den Niederungen der Weltrangliste herum. "Unsere Mannschaft hat keine Fussballtradition und es fehlen die Mittel", konstatiert Gharsali. "Wir haben keine Stars, die allein für die Entscheidung sorgen könnten, aber die Liebe zum Fussball treibt uns dennoch an, das Unmögliche zu versuchen."

Deshalb setzt Gharsali, ein bekennender Anhänger der "deutschen Schule", alles daran, das Verliererimage vergessen zu machen. Die strategische Ausrichtung ist ihm dabei besonders wichtig: "Unser Hauptziel muss es sein, langfristig eine konkurrenzfähige Mannschaft aufzubauen. Deshalb setzen wir in der A-Nationalmannschaft aktuell auch vorzugsweise auf junge Spieler, von denen einige nicht älter sind als 18. Im Fussball ist nichts unmöglich. Noch vor wenigen Jahren etwa war Kap Verde in einer ähnlichen Lage wie wir. Jetzt gehört das Team zu den besten Mannschaften Afrikas. Spieler, Trainer und Fans gleichermaßen wollen dieses Image des ewigen Verlierers loswerden und ich bin sicher, dass wir ganz schnell Fortschritte machen werden."

"In Dschibuti helfen uns alle", so Gharsali weiter. "Nach jeder Niederlage empfangen uns die Fans trotzdem freudestrahlend und beglückwünschen uns, vom offiziellen Empfang ganz zu schweigen. Die Menschen in Dschibuti haben den Fussball verstanden. Das ist in anderen Ländern ganz anders. Dort werden Trainer und Spieler den Kritikern zum Fraß vorgeworfen."

**Nächste Hürde Swasiland

**Die 864.000 Einwohner von Dschibuti hoffen, dass ihre Mannschaft einen Erfolg wie vor fünf Jahren gegen Somalia in der ersten Runde der Qualifikation für Russland 2018 gegen Swasiland wiederholen kann. Die allgemeine Sehnsucht danach ist groß, wie auch der 60-jährige Nationaltrainer weiß. "Meine Mannschaft hat nichts zu verlieren", sagt er. "Wir werden alles versuchen, um die zweite Runde der Qualifikation zu erreichen. Wir wissen, dass es eine schwierige Aufgabe gegen eine Mannschaft ist, die bessere Voraussetzungen hat, aber ich wiederhole: Im Fussball ist nichts unmöglich!"

"Es gibt viele materielle und klimatische Hürden zu überwinden, aber wir wollen den Wandel. Wir wollen ein neues Kapitel afrikanische Fussballgeschichte schreiben. Die Fussballlandkarte des Kontinents ändern wir am besten schon mit dem Spiel gegen Swasiland. Und selbst wenn nicht: Dschibuti wird in den kommenden zehn Jahren so oder so von sich reden machen!" In Dschibuti warten sie schon ungeduldig auf den Tag, an dem die Nationalmannschaft den 200. Platz in der Weltrangliste verlässt.

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