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Bundesliga-Lego-Stadien und die Tür des Schreckens

Joe Bryant Lego Boy stadium Hertha Berlin
© Others
  • Elfjähriger Engländer baut Bundesliga-Stadien aus Lego nach
  • Von vielen Vereinen bereits in die echten Stadien eingeladen worden
  • Die größte Gefahr bleibt die Tür des Schreckens

Wenn Joe Bryant und eines seiner großen Lego-Stadien auf Reisen gehen, dann wartet die größte Gefahr für seine Bauwerke ganz am Anfang.

Der Elfjährige ("Ende März werde ich 12!") aus Cowley in der Nähe von Ipswich hat sich darauf spezialisiert, Fussball-Stadien aus Lego nachzubauen. Dabei haben es ihm bis auf eine Ausnahme vor allem die Stadien der deutschen Bundesliga angetan – und seine Aufgabe setzt er mit ganz viel Liebe zum Detail um. Als er das Kölner Stadion nachbaute, musste am Ende unbedingt ein kleiner Geißbock seinen Platz im Areal finden.

Bryant hat bisher schon die Arenen aus Bremen, Berlin, Nürnberg, Köln, Mainz, Augsburg, Bochum, Freiburg, Leverkusen, Mönchengladbach und Schalke gebaut – als einziges nicht-deutsches Stadion wurde außerdem Anderlecht nachgebaut.

Doch woher kommt das Faible eines jungen Engländers für die Bundesliga-Stadien? "Als wir in der Türkei im Urlaub waren, wollten wir ein Ipswich-Spiel schauen, doch wir konnten dort nur Bundesliga-Spiele finden und haben die dann zusammen mit den deutschen Fans geschaut, das war richtig cool", sagt Bryant zu FIFA.com. "Außerdem sind die deutschen Stadien spannender, sie sehen alle sehr unterschiedlich aus und der Fussball dort ist toll."

Nach und nach wurden die Bundesligisten auf ihn aufmerksam und luden ihn ein, um seine Modelle in den großen Arenen zu zeigen – so fanden Bryants Bauwerke mittlerweile den Weg in etliche Vereinsmuseen. Aus Mainz hört man, dass die Fans mehrfach gefragt haben, ob sie das Lego-Stadion im Fanshop kaufen könnten. In die Serienproduktion will Bryant aber noch nicht gehen. Auf seinem YouTube-Kanal finden sich Zeitraffer-Videos vom Bau seiner Projekte – für die technische Umsetzung sorgt sein älterer Bruder.

"Wir haben nun 12, 13 Reisen nach Deutschland gemacht. Deutschland ist wirklich cool. Die Atmosphäre ist super, die Leute machen einfach überall Stimmung. Außerdem liebe ich Bratwurst", sagt der junge Mann, der in seiner Freizeit auf dem rechten Flügel für den lokalen Klub Galaxy FC die Fussballschuhe schnürt.

"Die Klubs in Deutschland sind unglaublich, sie behandeln ihn wie einen kleinen Star und sind sehr großzügig. Es ist ein sehr stolzer Moment, wenn du deinen Sohn mit einem großen Modell auf dem Platz siehst und die Fans ihm applaudieren", fügt Vater Phil Bryant hinzu. "In Bremen gab es einen ganz besonderen Moment, als sie in der Halbzeitpause bekanntgaben, dass das Stadion im Vereinsmuseum bleiben würde und die Fans ausgeflippt sind."

Zeitweise hat Joe drei bis vier Stadien zuhause verteilt, sie bleiben so lange aufgebaut, bis entweder ein Verein eines der Stadien behalten will, oder der Engländer die Lego-Steine für ein neues Projekt braucht. Die Fans und die Vereine schicken ihm dann Fotos, nach denen er das Stadion baut.

Dabei bedient er sich ausschließlich Lego-Steinen, auch wenn manche Stadien ganz besondere Steine erfordern, die man nur in speziellen Online-Börsen ordern kann. "Alle Stadion haben mindestens eine Stelle, die extrem schwierig zu bauen ist."

Doch jedes von Joes Stadien muss einen wichtigen Test bestehen, wenn es die Reise nach Deutschland antritt. "Es muss durch die Tür des Schreckens", sagt der Elfjährige. Gemeint ist die Tür seines Kinderzimmers, die zu klein für die Bauwerke ist. Die Stadien müssen also quer durch diese Tür befördert werden, was jedes Mal ein Drahtseilakt ist.

Aktuell baut er am Stadion des VfB Stuttgart (es ist etwa zur Hälfte fertig) – über das nächste Projekt wird eine Abstimmung auf seinem YouTube-Kanal entscheiden. "Meine Freunde wollen, dass ich die Premier League baue, ich habe auch Wünsche für das Camp Nou, oder Stadien aus Peru, Mexiko, Brasilien oder Argentinien." Zunächst aber will er alle Stadien der 1. und 2. Bundesliga konstruieren – und vermutlich noch einige Reisen nach Deutschland unternehmen.

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