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Buffon: "Wir sind auf dem richtigen Weg"

Gianluigi Buffon of Italy celebrates with his team-mates
© Getty Images

Gianluigi Buffon muss nicht eigens vorgestellt werden. Seit über 15 Jahren gehört der Torhüter von Juventus Turin und der italienischen Nationalmannschaft zu den weltbesten Akteuren auf seiner Position und wird in Zukunft zweifellos noch von vielen Generationen von Fans verehrt werden. Buffon war mit der Squadra Azzurra Weltmeister und Vize-Europameister sowie mit dem FC Parma UEFA-Pokal-Sieger. Der einzige Titel, den er seiner beeindruckenden Erfolgsliste noch nicht hinzufügen konnte, ist der Gewinn der UEFA Champions League. Mit der Alten Dame erreichte er aber einmal das Endspiel.

Der inzwischen 35-Jährige ist in der Form seines Lebens und steht bereit, sein Land als Kapitän in das nächste Abenteuer zu führen, zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™. Zuvor nahmen die Italiener am FIFA Konföderationen-Pokal Brasilien 2013 teil, bei dem Buffon im Elfmeterschießen des Spiels um Platz drei gegen Uruguay mit drei gehaltenen Versuchen einen wesentlichen Beitrag leistete, um mit den Azzurri einen respektablen Podiumsplatz zu erreichen.

Kurz nach dieser Partie traf sich eine gut gelaunte lebende Legende zu einem Exklusiv-Interview mit FIFA.com. Buffon sprach über seine Eindrücke vom Turnier, die kurz- und langfristigen Perspektiven Italiens und seinen persönlichen Anteil daran.

Herr Buffon, haben Sie jemals zuvor in Ihrer Karriere bei einem Elfmeterschießen drei Versuche gehalten, wie es gegen Uruguay geschah?Ja, das ist mir schon passiert. Doch das sehe ich nicht als etwas Besonderes an, das ist Teil meines Jobs. Natürlich macht es große Freude, im Elfmeterschießen zu gewinnen, vor allem, wenn man drei gehalten hat. Doch dass dies in einem Spiel um Platz drei geschah, nimmt der Sache etwas den Glanz, denn es bleibt der Eindruck zurück, dass du es ins Finale hättest schaffen können. Wenn ich im Elfmeterschießen im Halbfinale gegen Spanien nur einen gehalten hätte, wären wir im Maracana gewesen!

Klingt das nicht ein bisschen hart nach Ihrer großartigen Turnierleistung?Ich bin nun einmal daran gewöhnt, eher Selbstkritik zu üben als meine Erfolge zu feiern. Klar, ich genieße die schönen Momente, doch ich bin mir gegenüber sehr anspruchsvoll.

Was für ein allgemeiner Eindruck bleibt nach dieser Partie gegen Uruguay?Es war ein schwieriges Spiel, aufgrund des Gegners und der Hitze, die sehr stark war. Doch wir haben es bis zum Ende geschafft und ich konnte meinen Beitrag leisten, deshalb bin ich zufrieden. Eine weitere Niederlage wäre enttäuschend gewesen, deshalb haben wir Charakter gezeigt, als es schon hart für die Beine war, und das sollten wir feiern.

Und das Turnier? Welches Fazit ziehen Sie für Italien?Wir können zweifellos eine positive Bilanz ziehen, es bleibt ein guter Nachgeschmack. Italien hat bewiesen, dass es guten Fussball spielt, konkurrenzfähig ist und jedem Gegner auf Augenhöhe begegnen kann.  Das ist eine große Qualität. Eine weitere ist, dass wir eine fantastische Truppe von Spielern haben. Das ist manchmal schwer zu finden, und noch mehr in einer Nationalmannschaft.

Und Ihre eigene Leistung?Ich denke, abgesehen von einer schlechten halben Stunde gegen Brasilien hatte ich ebenfalls ein gutes Turnier, das ich nun mit diesen Paraden gegen Uruguay abschließen konnte. Es ist natürlich hart, wenn die Dinge in einem Spiel gegen die Heimmannschaft nicht so gut laufen, doch ich ziehe es vor, die allgemeine Leistung hervorzuheben, die meiner Meinung nach positiv war.

War Ihrer Ansicht nach die Teilnahme Italiens am FIFA Konföderationen-Pokal mit Blick auf Brasilien 2014 nützlich?Zweifellos. Wir haben viele, sehr viele kleine Lektionen gelernt, die dabei helfen werden, im nächsten Jahr besser vorbereitet zu sein. Angefangen beim Klima bis hin zum sportlichen Aspekt unserer Gegner haben wir sehr interessante Erfahrungen gemacht. Ehrlich gesagt war es positiv, diesen Test vor der Weltmeisterschaft zu haben, denn wir werden den anderen Mannschaften gegenüber einen kleinen Vorteil haben.

Denken Sie nach Ihren Ergebnissen gegen Brasilien und Spanien, dass sich Italien schon auf Augenhöhe mit den besten Mannschaften des Weltfussballs befindet?Nein. Italien ist auf seinem Niveau. Wir sind eine Mannschaft in stetigem Wachstum in der letzten Zeit, in den letzten Jahren. Wir hoffen, dass sich dieser Prozess fortsetzt und wir dorthin kommen, wo wir hinwollen. Doch momentan liegt unser Fokus nicht darauf, uns zu vergleichen, sondern das Niveau zu erreichen, dass wir für Brasilien 2014 anstreben.

Und was fehlt Italien noch, um dieses Niveau zu erreichen?Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg. Das ist natürlich ein Prozess, und wir müssen weiter an den Einzelheiten feilen. Doch wir konnten beim Konföderationen-Pokal ein gutes Gesicht zeigen und wir respektieren den Platz, den sich Italien in der Geschichte erarbeitet hat. Bei der Weltmeisterschaft werden wir versuchen, dasselbe zu tun, wir müssen auf den Punkt vorbereitet sein. Dafür arbeiten wir.

Zum Abschluss noch eine Kuriosität: Vor dem Elfmeterschießen sah man Sie lachend bei Ihrem uruguayischen Kollegen Fernando Muslera stehen – was haben Sie in diesem Moment der Spannung gesprochen?Es ist so, dass wir Torhüter normalerweise eine gute Beziehung untereinander haben. Wir sprachen darüber, wie hart der Tag gewesen war, wie lang das Turnier gewesen war, dass wir jetzt im Spiel um Platz drei in die Verlängerung mussten, Elfmeterschießen – wir waren erschöpft. Und dann sagte ich ihm, dass sie einen kleinen Vorteil hätten, weil sie das im Halbfinale nicht schon einmal erleben mussten! (lacht)

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