FIFA Konföderationen-Pokal 2013

Buffon: "Gesammelte Erfahrung weitergeben"

Gianluigi Buffon of Italy during the international friendly match
© Getty Images

Gianluigi Buffon gehört zu den großen Persönlichkeiten des Weltfussballs. Seit mehr als 15 Jahren ist er der unumstrittene letzte Rückhalt der italienischen Nationalmannschaft und der würdige Nachfolger von Dino Zoff, der sich einst im Alter von 40 Jahren zum Weltmeister krönte. Seit seinem Länderspieldebüt am 29. Oktober 1997 in Moskau (1:1) hat Buffon mehr als 126 internationale Einsätze auf dem Konto. Bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ wurde er Weltmeister und als bester Torhüter des Turniers ausgezeichnet. Seit der Amtsübernahme von Cesare Prandelli 2010 trägt er die Kapitänsbinde.

Stark auf der Linie und mit Autorität in der Strafraumbeherrschung, hat der inzwischen 35-jährige Super-Gigi nichts von seiner Qualität eingebüßt und denkt noch lange nicht an den Ruhestand. Er zeigt sowohl bei Juventus Turin in der Serie A wie auch in der Squadra Azzurra, die souverän ihre WM-Qualifikationsgruppe anführt und Europa beim kommenden FIFA Konföderationen-Pokal vertreten wird, immer noch den gleichen Erfolgshunger.

Im Vorfeld des Turniers in Brasilien traf sich die Legende des italienischen Fussballs zu einem Gespräch mit FIFA.com über die großen Momente seiner Karriere.

Zu Beginn Ihrer Karriere spielten Sie bis zum Alter von 14 Jahren als defensiver Mittelfeldspieler. Stimmt es, dass die Paraden des kamerunischen Torhüters Thomas N’Kono bei der Weltmeisterschaft 1990 Sie dazu brachten, Ihre Berufung als Torhüter zu entdecken?
Das ist richtig. Es war Thomas N’Kono mit seinen spektakulären Paraden, der mich dazu brachte, diese Position zu lieben. Er wurde bald zu meinem Vorbild, und ich habe ihm zu Ehren meinen Sohn "Louis Thomas" genannt. Im Übrigen rief mich N’Kono nach der Geburt seines Namensvetters an, um mir zu gratulieren.

Es heißt, dass Torhüter wie ein guter Wein mit dem Alter besser werden. In welchem Alter erreicht ein Torwart Ihrer Meinung nach die Reife?
Ich weiß nicht. Das Erreichen des 30. Lebensjahres ist für jeden Menschen ein wichtiger Moment. Im Sport ist es genau so: Wenn du einmal die 30 überschritten hast, musst du dich in jedem Spiel, aber auch im Training, deiner Erfahrung bedienen. Es ist erforderlich, sehr viel mehr zu arbeiten, um das gleiche Niveau zu halten.

Kann ein Torhüter die Rolle als Kapitän vollwertig ausfüllen, obwohl er oft weit von den wichtigsten Aktionen entfernt ist?
Ich war nie der Meinung, dass ein Kapitän nur derjenige ist, der auf dem Platz die Binde trägt. Ein richtiger Kapitän ist jemand, der eine wichtige Rolle für die Mannschaft auf dem Platz, aber auch in der Kabine einnimmt. Unabhängig davon, welche Position er auf dem Feld besetzt.

Mit welchem Verteidiger haben Sie sich am besten verstanden oder arbeiten Sie heute noch gerne zusammen?
Ich würde auf Anhieb fünf nennen: Fabio Cannavaro, Lilian Thuram, Andrea Barzagli, Leonardo Bonucci und Giorgio Chiellini.

Ist eine entscheidende Parade genauso wichtig wie ein Tor?
Das glaube ich wirklich. Ein Torhüter weiß, dass man eventuelle Fehler sehr schlecht wieder gutmachen kann. Es ist eine Position, die ständige Konzentration erfordert und keine Nachlässigkeit erlaubt.

Welche ist die wichtigste Parade, die Ihnen bisher gelungen ist?
Es ist sehr schwer, eine bestimmte Parade besonders hervorzuheben. Glücklicherweise sind mir viele gelungen! Doch ich denke, dass diejenige beim Kopfball von Zinédine Zidane im Finale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ als die entscheidendste gelten kann.

In Ihrer ersten Spielzeit bei Juventus 2001/2002 kassierten Sie in 34 Meisterschaftsspielen nur 23 Gegentreffer. Ist das immer noch Ihr Rekord?
Das ist in der Tat das bisher beste Ergebnis in der Defensive. Es wäre perfekt, wenn es uns in dieser Saison gelänge, es besser zu machen als vor elf Jahren.

Welcher Trainer hat Sie in den fast 800 Partien, davon 126 Länderspiele, am meisten geprägt und am besten verstanden?
Ich möchte nicht banal klingen, aber ich denke, dass alle Trainer für meine Entwicklung wichtig waren. Dennoch denke ich, dass Antonio Conte wirklich der beste Trainer ist, mit dem ich zusammengearbeitet habe. Es ist ihm gelungen, in kurzer Zeit eine Mannschaft wiederaufzubauen, die zwei Jahre lang nicht über Platz sieben hinauskam. Und er war sofort erfolgreich.

Welcher Angreifer bereitet Ihnen die größten Probleme?
Zlatan Ibrahimovic ist ein großartiger Spieler, der mich immer beeindruckt und mir Probleme bereitet hat.

Welchen Verteidiger hätten Sie am liebsten vor sich?
Ich könnte keine bessere Wahl treffen als all diejenigen, mit denen ich gespielt habe.

Was bedeutet Juventus für Sie?
Ein Leben voller Erfolge, Strapazen und Engagement. Eine Familie, in der ich wachsen konnte und der ich geholfen habe, zu wachsen. In gewisser Hinsicht eine Lebensentscheidung, ein Lebensstil.

Laut Andrea Agnelli bedurfte es für die Verlängerung Ihres Vertrages lediglich eines einfachen Blickwechsels, da Sie "eine korrekte Person" und "bei Juve zu Hause" seien...
Das ist richtig. Es gab dazu nicht viel zu sagen. Wenn ein gutes Gefühl herrscht, wie bei dieser Möglichkeit, sind keine großen Worte nötig, um eine Einigung zu erzielen.

Was denkt ein Kapitän von 35 Jahren, wenn er 19-jährige Jungs in der Nationalmannschaft debütieren sieht?
Dass die Zeit für alle Menschen verstreicht. Ich habe im Alter von 17 Jahren debütiert, und heute bin ich 35. Ich kann die Zeiger der großen Lebensuhr nicht aufhalten. Aber ich sehe das sehr gelassen, und es beunruhigt mich nicht im Geringsten. Die Zukunft gehört den Jungen. Ich versuche einfach, ihnen die Erfahrung zu vermitteln, die ich im Laufe der Jahre gesammelt habe.
* Die italienische Nationalmannschaft praktiziert heute einen offensiveren Fussball. Geschieht das auf Kosten der defensiven Disziplin?*
Ich denke, dass wir dank der exzellenten Arbeit von Cesare Prandelli das richtige Gleichgewicht zwischen defensiver Stabilität und der Idee eines offensiven Fussballs, in dem sich unsere großen Angreifer besser entfalten können, gefunden haben.

Ist der FIFA Konföderationen-Pokal die Generalprobe für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™?
Ich würde sagen, er ist ein exzellenter Prüfstand.
* Welche Mannschaft würden Sie sich für das Finale wünschen?*
Brasilien, aufgrund seiner Geschichte, und weil es immer ein besonderes Gefühl ist, den Gastgeber herauszufordern.

Muss man Sie nun mit Kapitän oder Präsident ansprechen, seitdem Sie den Klub Ihrer Geburtsstadt Carrarese Calcio erworben haben?
Nennen Sie mich Gigi. Das reicht völlig.

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