FIFA Weltmeisterschaft™

Broos: "Ich will Kamerun zur WM führen"

cameroon coach Hugo Broos
© FIFA.com

Kaum jemand hätte gedacht, dass Kamerun im Freundschaftsspiel gegen Frankreich am vergangenen 30. Mai im Stade de France ein ebenbürtiger Gegner sein würde. Doch die unzähmbaren Löwen begeisterten das Publikum mit einer zielstrebigen und attraktiven Spielweise und mussten sich erst durch einen Treffer in der Schlussminute geschlagen geben (2:3). Die geschlossene Mannschaftsleistung verdankte sich dem neuen belgischen Auswahlcoach Hugo Broos, der seit einigen Monaten im Amt ist. Im Interview mit FIFA.com sprach der Trainer über die neue Herausforderung mit der kamerunischen Nationalmannschaft sowie über seinen Traum vom Gewinn der CAF Afrikameisterschaft und der Qualifikation für die FIFA Fussball-WM™.

Der belgische Coach berichtet über die Anfangsschwierigkeiten auf diesem Posten und die gelungene Partie gegen Frankreich. "Seit meiner Amtsübernahme versuche ich, die Spieler gut kennenzulernen und diejenigen auszuwählen, die am besten dafür geeignet sind, ihr Land zu vertreten. Meine Entscheidungen sorgen manchmal für Erstaunen, doch sie sind sehr genau überlegt. Um gute Ergebnisse zu erzielen, muss man zuerst eine Gruppe formen und Spieler auswählen, die in der Lage sind, mit anderen auf und neben dem Platz zusammenzuleben. Die Nationalspieler müssen verstehen, dass nicht eine individuelle Leistung, sondern der Sieg als Mannschaft das Ziel ist. Wir verfügen nun über eine Truppe mit Zusammenhalt, wie ich bei unserem letzten Trainingslager in Nantes und in der Freundschaftspartie gegen Frankreich feststellen konnte."

In der Vorausscheidung zum Afrika-Cup 2017 hat sich Kamerun in Gruppe M, in der außerdem Mauretanien, Südafrika und Gambia vertreten sind, vorzeitig für die kontinentale Endrunde qualifiziert. "Es war nicht leicht, das Ticket nach Gabun zu holen", sagt Broos über die Qualifikation. "Ich habe mein Amt auf halbem Wege angetreten und in der ersten Partie ein Unentschieden gegen Südafrika erzielt. Ich kannte die Mannschaft und die Spieler noch nicht sehr gut. Anschließend habe ich damit begonnen, die Entwicklungsarbeit in allen Bereichen in Angriff zu nehmen. Ich glaube, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen der Mannschaft, die gegen Südafrika angetreten ist, und der, die am letzten Spieltag gegen Mauretanien gewonnen hat. Wir haben bisher eine beträchtliche Arbeit geleistet", ergänzt der Coach.

"Das Spiel gegen Mauretanien war wichtig für uns. Wir mussten gewinnen, um uns zu qualifizieren. Wir haben uns gut vorbereitet und alles dafür getan, um mit den drei Punkten nach Hause zu fahren. Letztlich konnten wir in Mauretanien gewinnen und haben erreicht, was wir uns vorgenommen hatten."

Beim Afrika-Cup 2015 scheiterte Kamerun trotz ansprechender Leistungen in der Qualifikation und einem hohen Sieg gegen die Elfenbeinküste bereits in der ersten Runde. Die Spieler wollen unbedingt vermeiden, dass sich ein solches Schicksal wiederholt. Stattdessen träumen sie davon, 15 Jahre nach dem letzten Titelgewinn in der Auflage von 2002 wieder den Pokal in die Höhe zu recken.

"Wir müssen geduldig sein", sagt Broos mäßigend. "Bisher haben wir mit der Qualifikation für Gabun 2017 nur einen ersten Schritt getan. Doch dieser Wettbewerb ist erst in ungefähr sechs Monaten. Zuvor stehen das letzte Qualifikationsspiel für den Afrika-Cup sowie zwei WM-Qualifikationsspiele für Russland 2018 auf dem Programm. Wir haben viel Arbeit vor uns und werden versuchen, die Mannschaft in allen Bereichen zu entwickeln. Wenn Sie mich fragen würden, ob Kamerun heute in der Lage ist, den Afrika-Cup zu gewinnen, würde ich antworten, dass es noch etwas zu früh ist. Doch wenn wir so weitermachen wie in diesen letzten zwei Monaten, bin ich davon überzeugt, dass wir im Januar so weit sein werden, um diesen Wettbewerb zu gewinnen."

Zwischen Erneuerung und Tradition**
Zuvor werden alle afrikanischen Teams am 24. Juni gebannt nach Kairo blicken, wo die Gruppenauslosung für die letzte Qualifikationsphase der Afrika-Zone für Russland 2018 stattfindet. "Kamerun wird im dritten Topf liegen, weshalb ich eine schwere Gruppe erwarte. In der Qualifikation wird uns keine Mannschaft etwas schenken, auch wenn uns vielleicht einige Gegner lieber sind als andere."

Kamerun gehörte zuletzt zu den regelmäßigen Gästen der FIFA Fussball-WM™. Die unzähmbaren Löwen waren in Südafrika 2010 und in Brasilien 2014 dabei, nachdem sie Deutschland 2006 verpasst hatten. Trotz dieser Erfahrung ist sich Broos der Schwere der Aufgabe bewusst. "Wir dürfen nicht vergessen, dass sich Kamerun mitten im Umbruch befindet und wir eine neue Mannschaft aufbauen. Wir haben uns zwar für Brasilien qualifiziert, doch unsere Leistungen dort waren enttäuschend. Wir müssen diese Auflage unbedingt abhaken und nach vorne schauen", sagt der Belgier.

"Die Qualifikation für die WM wird davon abhängen, wie schnell die Spieler während des Neuaufbaus zu einer Einheit zusammenwachsen. Wir müssen eine stabile Mannschaft formen, die in der Lage ist, jedem Gegner standzuhalten. Wenn sich die Spieler an die Anweisungen halten, die wir ihnen im Training geben, wird alles gut gehen. Nun müssen wir die Auslosung am 24. Juni abwarten. Wenn wir unsere Gegner kennen, werden wir wissen, welche Chancen wir auf dem Papier haben. Mein oberstes Ziel mit dieser Mannschaft ist die Qualifikation für Russland 2018."

Afrika hat in den zwei letzten WM-Auflagen die gleichen Vertreter zur Endrunde geschickt: Kamerun, Nigeria, Ghana, Elfenbeinküste und Algerien. Auch für Russland 2018 sieht Broos einige dieser Teams im Vorteil. "Ich denke, dass Algerien, Elfenbeinküste und Ghana gute Aussichten haben", so der Coach. "Diese Mannschaften konnten ihr Niveau seit 2014 halten, doch im Fussball ist alles möglich. Alle haben eine schwere Niederlage erwartet, als wir die Freundschaftspartie gegen Frankreich bestritten haben. Aber wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht und ihnen bis zuletzt die Stirn geboten. Es ist immer schwer, Prognosen abzugeben, aber die Mannschaften, die sich für die letzte Auflage qualifiziert haben, sind auch dieses Mal eine Länge voraus."

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