Happy Birthday, Andreas Brehme!

Brehme: Der Mann für die entscheidenden Momente

1990 FIFA World Cup Italy, Final: Germany - Argentina 1:0
© Popper Foto
  • Andreas Brehme feiert am 9. November seinen 60. Geburtstag
  • Er erzielte im WM-Finale 1990 den entscheidenden Treffer
  • "Ich würde alles noch einmal ganz genauso machen"

Einen Nationalspieler, der in seiner gesamten Karriere lediglich acht Tore in 86 Länderspielen auf seinem Konto verbuchen konnte, fünf davon jedoch bei Welt- und Europameisterschaften erzielte, kann man getrost einen Mann für die entscheidenden Momente nennen. Erst recht, wenn drei dieser Treffer bei WM-Halbfinal- und Finalspielen zu Buche stehen. Gefeiert wird dafür in Deutschland ein Nordlicht, das seine größten Erfolge im Süden feierte: Andreas Brehme.

Der gebürtige Hamburger machte in seiner Karriere oft genau das, was viele verblüffte, und hatte damit den größtmöglichen Erfolg. "Ich würde alles noch einmal ganz genauso machen", verriet er einst im Gespräch mit FIFA.com und grinste dabei genüsslich. Genau so, als würde er gerade an die Sommernacht des 8. Juli 1990 denken.

Damals, im WM-Finale in Rom, verwandelte er fünf Minuten vor dem Schlusspfiff diesen spielentscheidenden Strafstoß, der zum 1:0-Sieg gegen Argentinien führte. Brehme schoss mit rechts, dabei spielte er doch links. Und dabei verwandelte er vier Jahre zuvor einen Elfmeter im Viertelfinale des FIFA Weltpokals 1986 in Mexiko gegen den Gastgeber noch mit seinem anderen Fuß.

Unvergessene Momente

Es war diese ganz besondere Unberechenbarkeit, die den Blondschopf zu einem der weltbesten Linksverteidiger seiner Generation machte. Und es ist die Fähigkeit, Unerwartetes zu leisten, für die Brehme heute in seinem Heimatland als eine Art Legende verehrt wird.

Warum schoss Brehme überhaupt diesen Elfmeter in Rom, schließlich stand doch ein gewisser Lothar Matthäus auf dem Feld? Und wieso trat ausgerechnet er in den beiden WM-Halbfinalspielen 1986 und 1990 zu den Freistößen an, die dann gegen Frankreich (2:0) und England (5:4 n.E.) jeweils abgefälscht im gegnerischen Netz landeten, obwohl doch Spezialisten wie Felix Magath bzw. Thomas Häßler daneben standen?

Brehme war und ist ein Phänomen. Ein Garant für den Erfolg. "Ob ich mich daran erinnern kann, woran ich in diesen entscheidenden Momenten gedacht habe? Nein, natürlich nicht. Ich habe überhaupt nichts gedacht. Ich wollte nur, dass der Ball reingeht", sagt er. Und man glaubt es ihm.

Dieses beidfüßige Flankenwunder kennt keine Schnörkel. Was passiert ist, ist passiert: "Für meinen Geschmack wird sowieso noch viel zu viel über diesen Elfmeter von 1990 gesprochen. Der Sieg damals war verdient für uns, denn Argentinien hat in diesem Finale zu wenig getan. Alle anderen Diskussionen erübrigen sich!"

Dass das damalige Fussballparadies südlich der Alpen für den bodenständigen Hanseaten ein gutes Pflaster ist, bewies er bereits vor dem FIFA Weltpokal 1990. Ein Jahr zuvor wählte man Brehme in Italien zum Fussballer des Jahres. Unvergessen in dieser Zeit und danach, wie er mit seinen Landsmännern Matthäus und Jürgen Klinsmann das deutsche Dreigestirn von Inter Mailand bildete, um national wie international für Furore zu sorgen.

Und auch wenn seine beiden spektakuläreren, weil damals offensiver ausgerichteten Weggefährten heute häufiger in der Öffentlichkeit stehen, so ist es doch Brehme, der gerade bei Experten aus der ganzen Welt noch immer eine sehr hohe Wertschätzung genießt, weil er auf seiner Position eine ganz eigene Art zu spielen verkörperte.

Außergewöhnlich war die Karriere des linken Außenbahnspielers, der vor seinem Engagement in Mailand beim 1. FC Kaiserslautern und Bayern München unter Vertrag stand, auch nach seiner Rückkehr aus Italien in die Bundesliga. Unvergessen sind für Deutschlands Fussball-Fans die Bilder innerhalb einer Woche im Sommer 1996, als Brehme mit seiner großen Liebe Kaiserslautern erst unter Tränen abstieg, um dann nur wenige Tage später in Berlin den DFB-Pokal zu gewinnen. Ein Jahr später stieg er mit den Pfälzern dann wieder auf, holte als erstes und bislang einziges Team direkt die Meisterschaft und verließ daraufhin die große Bühne. Brehme schaffte eben immer das, was viele verblüffte.

Former German internationals Andreas Brehme (L) and Lothar Matthaeus
© Foto-net

Persönliche Daten

Position: Verteidiger

Vereine (Spieler): 1. FC Saarbrücken (1980-81), 1. FC Kaiserslautern (1981-86), FC Bayern München (1986-88), Inter Mailand (1988-92), Real Saragossa (1992-93), 1. FC Kaiserslautern (1993-98)

Vereine (Trainer): 1. FC Kaiserslautern (2000-02), SpVgg Unterhaching (2004-05), VfB Stuttgart (2005-06)

Nationalmannschaft: 86 Länderspiele (acht Tore)

Erfolge: 2x Deutscher Meister (1987 und 1998), Italienischer Meister (1989), DFB-Pokalsieger (1996), UEFA-Pokalsieger (1991), Weltmeister (1990), Vize-Weltmeister (1986), Vize-Europameister (1992), Italiens Fussballer des Jahres (1989)

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