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Brasiliens "Queen of the Beach"

Natalia Guitler
© Others
  • Natalia Guitler ist Footvolley-Weltmeisterin
  • In einem Teqball-Spiel besiegte sie keinen Geringeren als Neymar
  • Ronaldinho und Zico zählen sich zu ihrem Fanclub

"Sie stellt Dinge an, von denen man nicht mal zu träumen wagt."

Man denke an 'Magic' Johnson auf dem Basketballfeld, John McEnroe auf dem Tennis-Kunstrasen von Flushing Meadows, 'Prince' Naseem Hamed im Boxring oder auch an Ronaldinho, von dem das obige Lob stammt, auf dem Rasen des Camp Nou. Mit diesen Bildern im Kopf kann man die Genialität und die hohe Fussballkunst von Natalia Guitler richtig einordnen.

Zu ihrem Fanclub zählen Topstars wie Neymar, Zico, Kaká, Rivaldo, Marcelo, Douglas Costa und Vinicius Junior. Dabei war sie selbst bis zum vergangenen Jahr in der internationalen Szene noch weitgehend unbekannt. Als sie ins französische Reims reiste, um im Teqball gegen Männer anzutreten, wurde Natalia von allen Seiten mit diesem typischen "Was-macht-die-denn-hier?"-Blick beäugt. Doch die aus Rio de Janeiro stammende Ballkünstlerin sorgte dafür, dass die anfängliche Skepsis schon bald in Bewunderung umschlug.

"Im vergangenen Jahr habe ich bei der Teqball-Weltmeisterschaft gespielt", erzählt sie. "Das war mein erstes Teqball-Turnier. Es war ein Turnier für Männer und Frauen, doch von den rund 80 Aktiven in den Doppeln waren nur drei Frauen.

"Als ich ankam, sagte mir kaum jemand Hallo und alle blickten mich an, als sollte ich nicht dort sein. Ich habe mich nicht respektiert gefühlt. Das passiert außerhalb von Brasilien oft. Vorurteile eben. Als Frau genießt man zu Beginn keinen Respekt – den muss man sich erst verdienen.

Aber dann haben wir gewonnen, und nochmal gewonnen und dann hieß es plötzlich: 'Ok, sie kann tatsächlich spielen.'

Ich belegte mit meinem Partner Marcos Vieira den vierten Platz. Als ich abreisen musste, waren dann alle nett, fragten, ob sie mit mir trainieren könnten. Ich hatte mir Glaubwürdigkeit und Respekt verdient und Tabus gebrochen."

Den Jahresausklang 2018 verlebte Natalia in Neymars Ferienhaus in Bahia. Sie 'dankte' ihm für die Einladung, indem sie ihn in einem Teqball-Spiel besiegte!

"Das war eine ganz enge Sache", so Natalia. "Ich habe nur mit einem hauchdünnen Vorsprung gewonnen. Er hat riesiges Talent. Für mich war das eine große Ehre. Neymar ist ein sehr netter, angenehmer Mensch, sehr bescheiden. Er gab uns das Gefühl, wirklich willkommen zu sein."

Erstaunlicherweise ist Teqball nur Natalias zweite Fussball-Nebensportart. Sie ist nämlich auch amtierende Weltmeisterin im Footvolley – im Einzel und im Doppel! Doch auch Footvolley war nicht die erste Sportart, in der Natalia Erfolge feierte.

"Ich war früher professionelle Tennisspielerin", erzählt sie rückblickend. "Ich habe allerdings drei ältere Brüder, also kam ich natürlich von kleinauf auch mit Fussball in Berührung.

"Aber als ich zwölf wurde, meinte meine Mutter, ich müsse mit dem Fussball aufhören und schickte mich zum Tenniskurs. Als ich 17 war, ging ich nach Argentinien, um dort meine Karriere voranzutreiben. Ich bin viel um die Welt gereist und hatte sehr schöne Erlebnisse."

"Als ich noch aktiv Tennis spielte, verbrachte ich die Ferien meistens in Brasilien. Als ich um die 20 war, zeigte mir mein ältester Bruder im Sommer Footvolley – und ich war sofort Feuer und Flamme.

Als ich mit dem Tennis aufhörte, wollte ich trotzdem weiter Sport treiben und Wettkämpfe bestreiten. Ich bin ein echter Wettkampftyp und wollte am Wochenende bei Turnieren spielen. Daher habe ich angefangen, regelmäßig Footvolley zu spielen.

Ich habe einen Abschluss in Betriebswirtschaft gemacht. Das ist die berufliche Seite. Footvolley war für mich ein Hobby, das mir sehr viel Spaß gemacht hat. Etwas, worauf ich mich an den Wochenenden freuen konnte. Aber dann wurde mit Teqball und anderen Events ein echter Beruf daraus.

Meine erste [Footvolley]-WM habe ich 2018 in Israel bestritten. Ich musste ohne meine Partnerin Bianca [Hiemer] antreten. Wir hatten zehn Jahre lang zusammen gespielt und viele Turniere gemeinsam gewonnen. Das war nicht ganz leicht. Aber ich habe es zusammen mit Josy Souza geschafft, das Turnier zu gewinnen.

Und nun bin ich zweimalige World Footvolley Queen of the Beach, die Bezeichnung für den Einzel-Weltmeistertitel bei den Frauen. Einen Titel habe ich in Brasilien geholt, den anderen in Barcelona."

Natalia, die ihre enorme Beweglichkeit und Elastizität dem Pilates verdankt, ist überzeugt, dass in diesem Jahr Alex Morgan oder Megan Rapinoe den Titel als The Best – FIFA-Weltfussballerin verdient haben.

"Ich empfinde mich als sehr privilegiert", sagt sie. "Ich kann mit Bianca und Marcelo und anderen großen Namen spielen. Ich bin schon seit zehn Jahren mit Ronaldinho befreundet. Es macht immer riesigen Spaß, in sein Haus eingeladen zu werden und mit ihm Footvolley zu spielen. Ich empfinde das als große Ehre. Ein paar Mal habe ich auch mit Neymar gespielt, und mit Nene, Zico, Marcelo, Douglas [Costa], Vinicius Junior.

Es ist eine Ehre, wenn Leute fragen, ob sie mit mir spielen können, mir zusehen möchten und Fotos mit mir machen möchten. Und ich finde es echt cool, dass ich den Leuten zeigen kann, dass auch Frauen sehr gut spielen können. Ich hätte mir niemals träumen lasse, dass es so kommt."

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