FIFA Weltmeisterschaft™

Brasilien im Aufwind und allgemein wechselhafte Auftritte im Jahr 2016

Brazil's Philippe Coutinho (L) celebrates with teammate Neymar
© AFP

"Ich fände es gut, wenn die WM in Russland in drei Tagen beginnen würde. Es ist schade, dass die Qualifikation erst im nächsten Jahr fortgesetzt wird." Diese Aussage von Tite nach dem Kantersieg gegen Peru im November ist verständlich: Schließlich hatte er seit seinem Amtsantritt mit Brasilien in der Südamerika-Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ gerade den sechsten Sieg in Folge eingefahren und sich mit dem Team mit vier Punkten Vorsprung vor Uruguay an die Tabellenspitze gesetzt.

Der erneute Aufschwung Brasiliens (1.) sowie die durchwachsenen Auftritte von Fussballmächten wie Argentinien, Chile und Kolumbien haben die Südamerika-Qualifikation 2016 geprägt. Der bisherige Verlauf scheint zu bestätigen, dass es sich dabei um einen der schwierigsten Qualifikationswettbewerbe der Welt handelt.

Für den erneuten Aufschwung Brasiliens ist vor allem einer verantwortlich, nämlich Tite, der das Team auf dem sechsten Tabellenplatz übernahm und vier Monate später bereits mit einem Bein in Russland steht. Die Zahlen sprechen für sich: Mit der Siegesserie von sechs Spielen in Folge stellte man einen Rekord aus dem Jahr 1969 ein. Das damalige Team wurde im Übrigen bei der WM 1970 Weltmeister. Tites Schützlinge erzielten dabei 17 Treffer und kassierten nur ein einziges Gegentor. Keine andere südamerikanische Mannschaft beendete das Jahr in der Qualifikation ungeschlagen.

Ebenfalls großen Anteil am Erfolg haben Neymar, der nach dem Olympiasieg Mitte des Jahres überglücklich war, sowie Gabriel Jesús, eine der großen Nachwuchshoffnungen des brasilianischen Fussballs. Außerdem sind Willian, Renato Augusto und Philippe Coutinho zu nennen.

All dies kann das hervorragende Jahr Uruguays (2.) nicht trüben, das dieses Mal auf einem guten Weg zu einem direkten Qualifikationsplatz zu sein scheint und vermutlich die fünfte Playoff-Teilnahme in Folge vermeiden wird. Dank der Tore von Edinson Cavani (mit acht Treffern bester Torschütze des Wettbewerbs) und der Vorlagen von Luis Suárez hat die Celeste in Montevideo eine makellose Bilanz vorzuweisen und rangiert allein auf dem zweiten Platz, obwohl sie 2016 auswärts nur zwei von zwölf möglichen Punkten holen konnte.

Oscar Tabárez erklärte nach der Niederlage gegen Chile im letzten Qualifikationsspiel des Jahres: "Wir leben noch, werden weiter kämpfen und hoffen, unsere Probleme zu lösen und im März 2017 bei der Wiederaufnahme der Qualifikation für Russland wieder in die richtige Spur zu kommen. Unsere Position ist weder komfortabel noch definitiv, aber durchaus ziemlich gut."

*Höhen und Tiefen *Drei Punkte hinter Uruguay rangieren Ecuador (3.) und Chile (4.). Sie führen ein Feld von sechs Teams an, die lediglich sechs Punkte trennen. Dieses Sextett hat einen gemeinsamen Nenner, nämlich die eingangs erwähnten wechselhaften Leistungen. Ecuador, das 2015 mit einer makellosen Bilanz in den Wettbewerb gestartet war, legte 2016 eine Serie mit vier sieglosen Spielen hin, kam dann allerdings wieder in die Spur und steht am Jahresende auf einem direkten Qualifikationsplatz.

Weder der zweimalige Südamerikameister Chile noch die Startruppe Argentiniens (5.) war vor diesem "Virus" gefeit. Tatsächlich wechselten beide Teams im Laufe des Jahres den Trainer, wobei Juan Pizzi (Chile) offenbar weniger Probleme hatte als Edgardo Bauza (Argentinien), seinem Team eine Identität zu geben. Ein in Hochform aufspielender Arturo Vidal erzielte für La Roja fünf Tore in sieben Spielen.

Die Albiceleste* ist mit Lionel Messi immer eine andere Mannschaft als ohne ihn, doch dies wurde nur selten so deutlich wie 2016 in der Südamerika-Qualifikation. Von acht Partien – die letzten sechs davon unter Bauza – gewann das Team vier von fünf, in denen Messi (drei Treffer) auf dem Platz stand. Die einzige Niederlage gab es gegen Brasilien. Für die vier Spiele ohne ihn stehen zwei Unentschieden und zwei Niederlagen zu Buche. "Ich glaube nicht, dass das Team aus Messi und zehn weiteren Spielern besteht", verteidigt *El Patón seine Mannschaft, die derzeit den Playoff-Platz belegt. "Wir treten hier gegen die Besten an, und Fehler werden teuer bezahlt. Wir müssen daran arbeiten, sie abzustellen."

Kolumbien (6.) hatte ebenfalls mit unbeständigen Leistungen zu kämpfen. Nachdem das Team die ersten drei Partien des Jahres gewonnen hatte, holte es nur noch fünf der letzten 15 zu vergebenen Punkte und steht damit derzeit zum ersten Mal seit Ende 2015 nicht auf einem Qualifikations- oder Playoff-Platz. Noch tiefer fiel Paraguay (7.), das ebenfalls in den ersten drei Partien ohne Niederlage geblieben war und sich in der zweiten Amtszeit von Francisco Arce auf der Trainerbank sogar gegen Chile durchgesetzt hatte. Doch dann unterlag man in vier der fünf folgenden Partien, und auch der erste Sieg gegen Argentinien kann nicht darüber hinwegtrösten, dass das Team seit März nicht mehr unter den ersten Fünf ist.

Dank der unbeständigen Auftritte dieser Teams ist es Peru (8.) unter Ricardo Gareca gelungen, den Abstand auf die vorderen Plätze zu reduzieren, obwohl man 2016 nur elf der 24 zu vergebenen Punkte holen konnte. Allerdings dürfen die Peruaner sich in den noch verbleibenden Spielen keine Ausrutscher mehr leisten. Weder Bolivien (9.) noch Venezuela (10.) konnten 2016 eine Serie hinlegen, die Hoffnung auf die WM-Qualifikation gemacht hätte. Rechnerisch sind die Aussichten für beide Teams trübe.

*So geht es weiter *Die Qualifikation wird am 23. März mit dem 13. Spieltag, dem ersten der sechs noch verbleibenden, wieder aufgenommen. An diesem Tag trifft Brasilien auswärts auf Uruguay, und Argentinien muss gegen Chile antreten. Am 28. März, dem 14. Spieltag, empfängt Ecuador das Team Kolumbiens und Peru die Celeste.

Am 31. August überstrahlt dann der Clásico Rioplatense zwischen Uruguay und Argentinien die restlichen Partien des 15. Spieltages, wobei auch das Duell zwischen Brasilien und Ecuador interessant sein dürfte. Fünf Tage später empfängt Kolumbien dann Brasilien und Paraguay tritt zu Hause gegen Uruguay an.

Die Qualifikation endet im Oktober. Am 5. Oktober, dem 17. Spieltag, bestreitet Chile ein Heimspiel gegen Ecuador und Kolumbien empfängt Paraguay. Sollte es weiterhin so eng zugehen wie bisher, dann dürften diese Begegnungen entscheidend sein. Am 10. Oktober, dem letzten Spieltag, empfängt Brasilien die Chilenen und Ecuador hat Heimrecht gegen Argentinien.

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