FIFA Congress

Blatter: Wir werden weitere Anpassungen im Governance-Bereich vornehmen und sportpolitische Themen betrachten

FIFA President Blatter giving an interview
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Vor dem FIFA-Kongress 2013 in Mauritius sprach FIFA-Präsident Joseph S. Blatter über einige der wichtigsten Themen, die im Rahmen der Veranstaltung diskutiert werden. Unter anderem hob er seine Unterstützung für den Reformprozess der FIFA hervor und sprach über den Kampf der FIFA gegen Diskriminierung.

Herr Präsident, glauben Sie, dass der Reformprozess mit dem FIFA-Kongress 2013 abgeschlossen wird?Wir halten uns strikt an den Fahrplan, der während des FIFA-Kongresses 2011 festgelegt wurde. Alle Entscheidungen und Maßnahmen, die im Anschluss daran getroffen wurden, sind offen kommuniziert worden. Zudem haben wir die Empfehlungen der unabhängigen Kommission für Governance in diesem zweijährigen Prozess mehrheitlich befolgt. Ich bin sehr stolz, behaupten zu können, dass dieser Prozess mit dem FIFA-Kongress 2013 abgeschlossen wird. Dies bedeutet aber nicht, dass die FIFA keinen weiteren Anpassungen vornimmt und Maßnahmen in Bezug auf Governance- und sportpolitische Entscheidungen beschließt.

Was ist mit den Maßnahmen, die noch in Prüfung sind?Zehn Reformbereiche, die von der Task Force zur Überprüfung der Regularien auf die Agenda gesetzt wurden, werden beim diesjährigen Kongress diskutiert. Es gab einen umfassenden Beratungsprozess, um die Meinung der Mitgliederverbände einzuholen, die letztendlich diejenigen sind, die ihre Stimme abgeben. Wir haben einen demokratischen Prozess ins Leben gerufen, an den wir uns halten. Zwischen 2011 und 2013 habe ich erhebliche Anstrengungen unternommen, um diesen Reformprozess so weit wie möglich voranzutreiben. Jetzt liegt es am FIFA-Kongress, über diese Maßnahmen zu entscheiden.

Wie gehen Sie mit der Kritik von Transparency International um?Ich denke, dass Kritik durchaus berechtigt ist, wenn sie konstruktiv ist. Ich verstehe auch, dass Transparency International mehr erreichen will. Sie haben ihre eigene Vorstellung darüber, wie der Reformprozess ablaufen sollte, was ich auch akzeptiere. Unabhängig davon glaube ich aber an unseren Prozess. Wir haben bereits viel erreicht und das bestehende System funktioniert gut. Es wäre unfair zu behaupten, dass wir nicht auf dem richtigen Weg sind.

Zwei der restlichen Themengebiete werden heiß diskutiert: das Ende der Amtszeit und die Altersgrenze. Was ist Ihre Meinung dazu?Nun, es liegt nicht an mir. Wie bereits gesagt, handelt es sich um einen demokratischen Prozess, in dem die Mitgliederverbände abstimmen. Persönlich habe ich immer betont, gegen die Altersgrenze zu sein, da dies meiner Auffassung nach kein relevantes Kriterium ist, da schließlich nicht jeder mit 60, 70, 80 usw. die gleiche Leistung bringt. Man könnte es sogar als diskriminierend werten. Die Leidenschaft macht den Unterschied aus. Dennoch bin ich nicht dagegen, die Anzahl der Mandate zu beschränken, schließlich ist es eine Regel, die auch in vielen anderen Demokratien Bestand hat. Dann müsste das aber auch für jeden gelten.

Die Vergabekriterien der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ stehen ebenfalls auf dieser Liste...Ja, aber diesbezüglich sind eigentlich keine Fragen mehr offen. Der Kongress - und nicht mehr das Exekutivkomitee - wird zukünftig abschließend über die Vergabe entscheiden. Das ist eine der wesentlichen Entscheidungen, die im Rahmen des Reformprozesses getroffen wurden. Davon abgesehen habe ich bereits eingeräumt, dass wir mit der gleichzeitigen Vergabe von zwei Turnieren meines Erachtens einen Fehler gemacht haben.

Seit Beginn der Reformen im Jahr 2011 sind zahlreiche Mitglieder des Exekutivkomitees zurückgetreten oder suspendiert worden. Wie erklären Sie sich das?Dies ist auf die Arbeit der unabhängigen Ethik-Kommission zurückzuführen. Dies beweist, dass wir um mehr Integrität bemüht sind und uns keiner dabei aufhalten kann.

Welche anderen Themen, die in Mauritius auf der Tagesordnung stehen, sind Ihrer Meinung nach wichtig?Es soll eine Resolution gegen den Rassismus und jede Form der Diskriminierung im Fussball verabschiedet werden. Das ist sehr wichtig. Diese Resolution wäre dann für alle Mitgliedsverbände bindend. Die drei von der Task Force anlässlich des ersten Treffens am 6. Mai unterbreiteten Vorschläge sind sinnvoll. Wir müssen zwar vorbeugend und erzieherisch handeln, um die Diskriminierung zu bekämpfen, brauchen meines Erachtens aber auch strengere Strafen. Ich denke, dass Geldstrafen allein wenig abschreckend sind. Punktabzüge und Turnierausschlüsse wären unter Umständen probatere Mittel.

Darüber hinaus werden uns die Spielmanipulationen beim Kongress beschäftigen. Diese Plage ist kein gesellschaftliches Phänomen. Es ist vielmehr ein Problem des Fussballs, das wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen müssen. Hierfür ist eine solidarische Fussballgemeinschaft vonnöten, und natürlich die Hilfe der zuständigen Behörden.

Der Vorschlag, eine bessere Vertretung der Frauen im FIFA-Exekutivkomitee sicherzustellen, wäre ein großer Schritt in die richtige Richtung. Die Gleichstellung rückt bei jeder demokratischen Organisation dieser Welt verstärkt in den Vordergrund, und ich sehe nicht, warum dies bei der FIFA anders sein sollte.

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