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Bihler - ein Volunteer par excellence

After Final 2018 Lushniki

Gäbe es einen "König der Volunteers" oder einen "Held der Freiwilligen-Arbeit im Sport", so wäre Hubert Bihler zweifelsohne einer der ganz heißen Kandidaten auf eben jenen Titel. Der 72-Jährige hat in den letzten 14 Jahren bei fast 50 Großereignissen als Volunteer mitgewirkt. Ob Olympische Spiele, FIFA-Weltmeisterschaften, Leichtathletik-WM, Eishockey-WM oder Turn-WM - Bihler war dabei und das in den verschiedensten Medien-Bereichen. Er hielt die Fotografen rund um den grünen Rasen in Schach, kümmerte sich um die Journalistenschar oder sorgte hinter den Kulissen für einen reibungslosen Ablauf, zumeist in verantwortlicher Position als Teamleader, Lead Volunteer oder Coordinator.

Begonnen hat seine einzigartige Reise wenige Monate vor dem FIFA Konföderationen-Pokal Deutschland 2005, als er zufällig in einer Zeitungsanzeige las, dass freiwillige Helfer für den Confed Cup gesucht wurden. Der pensionierte Sport- und Mathematiklehrer bewarb sich, und wurde eingestellt im Spielort Nürnberg.

"Ich war gerade in Rente gegangen und da ich das ganze Leben im Sport aktiv war, beschloss ich, dass ich ja auch als Volunteer arbeiten könnte. Was daraus dann schlussendlich entstanden ist, hätte ich mir nie vorstellen können", erzählt der sympathische Schwabe gegenüber FIFA.com.

Auszüge aus seiner Volunteer-Bilanz:

  • 5 FIFA Männer- und Frauen-Fussball-Weltmeisterschaften
  • 5 IOC Olympische Spiele und Paralympische Spiele
  • 2 UEFA-Champions-League-Finals
  • je 2 IAAF und EAF Leichtathletik WMs und EMs
  • 1 Turn-WM
  • Koordinator 2011 der Medienvolunteers beim ESC 2011 in Düsseldorf

Er selbst musste seine Fussballschuhe wegen einer Verletzung schon früh an den Nagel hängen, dem Sport blieb er aber bis heute nah verbunden. Ob als Trainer, Schiedsrichter, Vereins-Vorsitzender oder -Fotograf, langweilig wurde es dem Süddeutschen dabei nie. Auch ist er seit zwölf Jahren ehrenamtlicher Seminarleiter für den heimischen Fussballverband.

"Die WM 2006 in Deutschland hat einen Virus bei mir ausgelöst. Da musste ich einfach weitermachen. Ich habe so schöne Begegnungen gehabt, die Freundschaften entstehen ließen, die bis heute halten. Guatemala, Russland, USA, Brasilien - überall auf der Welt habe ich Freunde gefunden, die mein Leben unwahrscheinlich bereichern. Es war ein Höhepunkt nach dem anderen."

An zwei Highlights erinnert sich der 72-Jährige besonders gerne zurück: "Bei den Olympischen Spielen in Sotschi arbeitete ich im Team mit einem russischen Volunteer zusammen, einem Professor für Englisch, der mit mir zum olympischen Feuer ging und dort haben wir einen Handschlag gemacht. Wir wollten zum Ausdruck bringen, dass wir sehr gut miteinander arbeiten können, jenseits aller Politik. Das war einfach grandios. Außerdem wurde ich vom russischen LOC vor dem Confed Cup 2017 zu einer Media-Presenter-Schulung eingeladen. Das war schon eine große Ehre und bedeutet mir viel."

So versteht er sich gerne auch als Botschafter für Deutschland, über den Sport.

Doch es sind vor allem die Begegnungen mit anderen Menschen, die die letzten anderthalb Jahrzehnte so besonders gemacht haben und damit meint Bihler nicht die mit Stars wie Usain Bolt, Philipp Lahm, Oliver Kahn, Maria Riesch, Thomas Müller oder Miroslav Klose, sondern besonders jene mit Volunteer-Kollegen. "Man trifft überall alte Bekannte. Seien es Offizielle oder beispielsweise einen argentinischen Fotografen, den ich während des Confed Cups 2005 kennengelernt hatte. In Kapstadt 2010 beim 4:0-Sieg von Deutschland über Argentinien trafen wir uns wieder, wie auch vier Jahre später wieder in Brasilien. Es ist das Wiedersehen mit Freunden - einfach großartig."

Bihler / Pilinenko

Rückhalt bekommt er vor allem von seiner Ehefrau, mit der er seit 46 Jahren verheiratet ist. Gemeinsam haben sie zwei Kinder und zwei Enkel. "Für die Familie bleibt genug Zeit", verrät Bihler. "Meine Frau hat mich immer unterstützt. Vor Südafrika war sie zwar etwas skeptisch, aber nun fahren wir in zwei Wochen dorthin zu der Frau, die mich damals während der WM 2010 beherbergt hat. Sie hat durch mich erst erkannt, was Volunteers eigentlich leisten. Auch das ist ein Vermächtnis einer Fussball-Weltmeisterschaft. 'Komm mal wieder mit deiner Frau, ich lad' euch ein, das sagte sie 2010 bei meiner Abreise.'"

Er selbst wolle in Zukunft an Großereignissen, wie EM oder WM, kürzertreten, "aber kleinere Events, wie Länderspiele, das werde ich schon noch machen". Ausnahme könnte die UEFA EURO 2020 in München sein, denn dort sind es ja nur vier Spiele.

Für alle anderen hat er zum Abschluss noch einen Ratschlag: "Wer Spaß am Sport hat und in einem internationalen Team etwas für den Erfolg einer Veranstaltung beitragen möchte, dem kann ich nur raten, als Volunteer mitzumachen. Es ist eine tolle Sache."

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