FIFA Congress

Bien-Aime: "Ein innovativer Ansatz"

Sonia Bien-Aime. Photo: Renau Destine
© Others

Sonia Bien-Aime von den Turks- and Caicos-Inseln spricht im Rahmen einer Serie von Interviews mit den vier Kandidatinnen für das Amt des ersten weiblichen Mitglieds des FIFA-Exekutivkomitees exklusiv mitFIFA.com.  

Können Sie sich bitte kurz vorstellen?

Ich bin auf der kleinen Insel Grand Turk der Turks- und Caicos-Inseln geboren und habe mehrere Sportarten ausgeübt. Ich habe mein Land in der Leichtathletik, im Softball und als Spielführerin des Fussballnationalteams vertreten.

Nach meiner aktiven Karriere war ich immer noch fussballverrückt und wollte einen Beitrag zur Entwicklung und Verwaltung dieses Sports leisten. Im April 2006 wurde ich nach 14 Jahren Tätigkeit im juristischen Bereich zur Generalsekretärin des Fussballverbandes der Turks- und Caicos-Inseln (TCIFA) ernannt.

Meine Leidenschaft und mein Engagement für den Sport seit meiner frühen Kindheit führten zu meinen Ernennungen für Führungspositionen in der Sportentwicklung. So war ich als Vorsitzende der Sportkommission des TCI, Mitglied des TCIFA-Exekutivkomitees und Vorsitzende des ersten Frauenfussballkomitees des TCIFA tätig.

Darüber hinaus wurde ich ins Exekutivkomitee der Karibischen Fussballunion (CFU), zur Vorsitzenden des CFU-Frauenfussballkomitees und zum Mitglied des Organisationskomitees der FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft gewählt.

Welche Bedeutung hat die Nominierung durch Ihre Konföderation für Sie?

Diese Nominierung nehme ich mit großer Demut und Ehre an. Sie zeigt das Vertrauen des Präsidenten, des CONCACAF-Exekutivkomitees und der Kollegen in meine Fähigkeiten. Es fällt schwer, dies mit Blick auf die Zukunft zu bewerten, insbesondere dann, wenn man versucht, einen Beitrag zu leisten, ohne dafür gelobt zu werden. Aufgrund der erheblichen Auswirkungen einer solchen Nominierung muss ich allerdings innehalten und denen danken, die mich für geeignet halten, diese willkommene, aber gewaltige Aufgabe zu meistern. Diese Nominierung stellt auch die Gelegenheit dar, um die CONCACAF und insbesondere die Karibikstaaten, die zwölf Prozent der FIFA-Mitgliedsverbände stellen, zu vertreten.

Wie haben Sie auf den Vorschlag des FIFA-Präsidenten 2011 reagiert, eine Frau in das Exekutivkomitee zu berufen?

Ich fand, dass es ein innovativer Ansatz des FIFA-Präsidenten ist, um die Beteiligung von Frauen an den Entscheidungsprozeßen im Fussball voranzubringen. Die FIFA sagt, dass wir uns nicht nur dafür einsetzen, den Frauenfussball zu fördern, sondern auch, dass wir eine geschlechtsneutrale Organisation sind, die die Rolle anerkennt, die Frauen bei der Weiterentwicklung und Verbesserung des Sports spielen können. Hoffentlich wird sie die Mitgliedsverbände ermuntern, die Zusammensetzung ihrer eigenen Exekutivkomitees unter die Lupe zu nehmen und entsprechend zu handeln.

Wie sehen Sie Ihre Aufgabe für den Fall, dass Sie gewählt werden?

Einerseits zuhören, konsultieren und mit anderen Mitgliedern das Problem des Tages beraten. Andererseits mitgestalten und neue Ideen einbringen, um einen positiven Beitrag zur FIFA zu leisten. Obwohl die Kandidatur auf Frauen beschränkt ist, geht es nicht nur um eine weibliche Perspektive, sondern um das Wissen und die Erfahrung von Frauen, die in der Fussballverwaltung tätig sind und bestimmten Problemen eine Stimme geben können.

Welche Visionen haben Sie für den Frauenfussball?

Dass keiner Frau unter dem Vorwand, es sei nicht angemessen, die Chance genommen wird, Fussball zu spielen. Dass alle Mitgliedsverbände den Ansporn, die Ausbildung und die Erfahrung erhalten, die sie benötigen, um bis 2023 die Qualifikation für die FIFA-Frauen-Weltmeisterschaft zu organisieren und daran teilzunehmen.

Wir möchten Ihnen auf der Grundlage des "Proust-Fragebogens" einige persönliche Fragen stellen, um Sie besser kennenzulernen.

Wie lautet Ihr Motto?    

Es geht nicht darum, wo du herkommst, sondern darum, wo du hin willst.

Wer ist Ihr weibliches Idol aller Zeiten?

Rosa Parks – eine starke afroamerikanische Menschenrechtsaktivistin, der es um Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Wohlstand für alle ging.

* Und im Fussball?*

Mia Hamm.

* Welches Spiel werden Sie nie vergessen?*

Das Finale der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011. Das Spiel zwischen den USA und Japan war eines der spannendsten und dennoch emotionalsten Fussballspiele für mich. Japan zeigte nicht nur eine exzellente Technik, sondern steckte vor allem nie auf, zeigte großes Selbstvertrauen, vollen Einsatz für die Mannschaft und das Land und war durch das tragische Erdbeben motiviert, das noch frisch war und in den Köpfen der Spielerinnen steckte. Dadurch konnten sie einen historischen Sieg feiern. Da ich von der CONCACAF bin, war dies eine bittersüsse Erfahrung.

Was ist Ihr Lieblingswort?

Versuchen.

Und das Wort, das Sie am meisten hassen?

Unmöglich.

* Dieses Interview wird am 8. März, dem Weltfrauentag, veröffentlicht. Ist dieser Tag für Sie wichtig?*

Auf jeden Fall. An einem Tag vorgestellt zu werden, der seit Anfang des 20. Jahrhunderts weltweit gefeiert wird und Frauen wegen ihrer Leistungen auszeichnet, ist natürlich eine Ehre. Allzu oft stehen Frauen im Abseits, was in der Welt des Sports deutlich wird. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieser Zustand durch Arbeit im Laufe der Zeit ändern wird. Der Internationale Tag der Frau ist eine ständige Erinnerung daran, dass wir dem Ziel zwar näher kommen, aber noch nicht dort angekommen sind.

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