FIFA Ballon d'Or

Ballon d'Or hat Liberia bekannt gemacht

Liberia's George Weah
© Getty Images

1995 gewann George Weah als erster – und bis heute einziger – Afrikaner die höchste persönliche Auszeichnung, die der Weltfussball zu vergeben hat, nämlich den Ballon d'Or als Weltfussballer des Jahres. Im Exklusivgespräch mit FIFA.com schaut die liberianische Legende zurück auf eine bemerkenswerte Karriere.

Liberianische Liebe
Wann immer Fussballfans die besten Spieler aufzählen, die nie an einer FIFA WM-Endrunde teilgenommen haben, fällt mit als erstes der Name George Weah. Obwohl der groß gewachsene Stürmer für einige der renommiertesten Vereine in Europa (AS Monaco, AC Mailand, Paris Saint-Germain und FC Chelsea) aktiv war, hatte er mit "Fussballzwerg" Liberia nie die Chance auf höhere Weihen mit der Nationalmannschaft. Er selbst sieht das allerdings anders. "Ich bin sehr stolz darauf, Liberianer zu sein. Ich liebe das Land und ich liebe die Menschen. Natürlich hätte ich gerne bei einer Weltmeisterschaft gespielt. Aber ich habe in meiner Karriere als Fussballer so viel erreicht, dass ich mich nun wirklich nicht beklagen kann. Das einzig Enttäuschende ist, dass so viele meiner Nationalmannschaftskameraden weder eine WM spielen konnten noch den persönlichen Erfolg hatten, den ich hatte."

Nachdem er in Liberia mit Mighty Barrolle und Invincible Eleven die Meisterschaft gewonnen hatte, wechselte Weah zunächst kurz nach Kamerun, ehe er sich 1988 AS Monaco anschloss. Sein damaliger Trainer dort war ein gewisser Arsène Wenger. Es war der Beginn einer engen Beziehung, die bis heute Bestand hat. Als Weah die Auszeichnung als Weltfussballer bekam, rief er Wenger auf die Bühne und gab den Preis weiter. Sein Trainer, so Weah, habe ihn mehr verdient als er. Es war eine für Weah typische Geste. Er, der als Fussballer mit persönlichen Auszeichnungen nur so überschüttet wurde, stellte stets die mannschaftlichen Interessen über die eigenen. So unterstützte er beispielsweise auch sein finanziell klammes Land bei einigen WM-Qualifikationsspielen.

Nach vier Jahren bei Monaco wechselte Weah 1995 zu Paris Saint-Germain. Es sollte die erfolgreichste Zeit seiner Laufbahn werden. Meister in der Ligue 1 wurde er zwar nicht, aber er gewann den Pokal und den Ligapokal. Daneben heimste er allerlei persönliche Auszeichnungen ein. Er wurde Afrikas Fussballer des Jahres, bester Torschütze der UEFA Champions League und Europas Fussballer des Jahres. Und natürlich bekam er die beiden prestigeträchtigsten Auszeichnungen im damaligen Weltfussball: Ballon d'Or und FIFA Weltfussballer des Jahres.

"Als ich anfing, war mein Traum, Fussballprofi zu werden", sagt Weah. "Das war mein Traum. Ich habe nie vom Gewinn des Ballon d'Or geträumt oder davon, FIFA Weltfussballer des Jahres zu werden. Ich wollte Profi werden und so viel wie möglich erreichen. Mein Antrieb war die Liebe zum Fussball. Aber natürlich war der Gewinn dieser Auszeichnungen etwas ganz Besonderes. Ich glaube, es war eine Anerkennung der Arbeit, die ich in meine Karriere investiert habe. Besonders stolz war ich, weil ich denke, es war wichtig für mein Land. Liberia hat mit mir gefeiert und wurde bekannt gemacht."

Nach dem Erfolg 1995 wechselte Weah zum AC Mailand, wo er zwei Scudetti gewann. Außerdem gelang ihm 1996 gegen Hellas Verona ein Tor, das gemeinhin zu den schönsten aller Zeiten gezählt wird. Im Herbst seiner Karriere gewann er mit dem FC Chelsea zur Jahrtausendwende den FA Cup. 2003 beendete Weah seine Laufbahn.

Neue Karriere
Nachdem er die Fussballschuhe an den Nagel gehängt hatte, wandte sich der in Liberia außerordentlich populäre Weah der Politik zu. Im Dezember 2014 wurde er als erster Sportler überhaupt in den liberianischen Senat gewählt. Weah lacht, wenn man ihn fragt, ob Toreschießen leichter sei als Regieren. "Egal, was man im Leben macht, man muss es mit Engagement und Ausdauer tun", erklärt er. "Das war meine Herangehensweise im Fussball und das ist meine Herangehensweise in der Politik. Ich will meinem Land und den Menschen helfen, wie ich früher als Spieler meiner Mannschaft helfen wollte."

Obwohl er mit dem aktuellen Fussballgeschehen nicht mehr direkt zu tun hat, ist George Weah dem Sport und der liberianischen Nationalmannschaft nach wie vor eng verbunden. Diverse Spieler, die zusammen mit Weah das Trikot der Lone Stars trugen und die Teilnahme an der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Korea/Japan 2002™ nur um einen Punkt verpassten, trainieren heute Auswahlmannschaften Liberias. Weah trifft sich regelmäßig mit ihnen. Er sagt: "Ich werde mich immer im Sport engagieren. Deshalb bin ich auch Vorsitzender des Sportausschusses. Sport ist sehr wichtig für Menschen. Er kann Menschen helfen. Ich bin durch den Fussball da, wo ich heute bin, und wenn ich den Liberianern etwas zurück geben kann, möchte ich das tun."

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