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Arsenals nächster Rohdiamant

Alex Iwobi of Arsenal shoots at goal during the UEFA Champions League round of 16
© Getty Images

Nach einem weiteren Jahr ohne Meistertitel in der englischen Premier League hätten die Anhänger des FC Arsenal eigentlich allen Grund, der neuen Spielzeit pessimistisch entgegen zu sehen. Allerdings kann Arsène Wenger, der französische Dauertrainer der Londoner, wie üblich darauf verweisen, dass er sich wieder einmal als Talentförderer hervorgetan hat. Und das vielleicht größte und vielversprechendste Talent der abgelaufenen Saison war der technisch überaus beschlagene 20-jährige Stürmer Alex Iwobi, der kürzlich bei FIFA.com zu Gast war.

Der in Lagos geborene Iwobi kam als Vierjähriger nach England und zog bereits drei Jahre später in die Fussballschule von Arsenal. Ursprünglich auf dem Flügel eingesetzt, wurde er in der U-21-Auswahl zum Stürmer umgeschult. Eine gute Entscheidung, wie sich zeigen sollte, denn Iwobi beeindruckte auf dieser Position derart, dass er rasch in die erste Mannschaft hineinschnuppern durfte. Bereits kurz nach seinem 17. Geburtstag saß er in einem Spiel des Carling Cup auf der Bank; ebenso ein Jahr später beim 4:1 der Gunners gegen Galatasaray Istanbul in der UEFA Champions League.

Im Oktober 2015 gab er dann im Carling Cup sein Pflichtspieldebüt. Vier Tage später stand Iwobi beim 3:0 gegen Swansea City erstmals in der Premier League auf dem Platz. Seitdem sind für ihn nicht nur Spiele in der Premier League hinzu gekommen sondern auch in der UEFA Champions League, und das gegen so namhafte Gegner wie den FC Bayern München und den FC Barcelona. Seit März darf sich Iwobi sogar Premier-League-Torschütze nennen. Er steuerte einen Treffer zum 2:0 gegen den FC Everton bei.

"Es war fantastisch!", beschreibt er sein Tor im Exklusivgespräch mit FIFA.com. "In der Premier League zu treffen und in der Champions League zu spielen, das ist doch der Traum eines jeden Jungen. Ich bin dem Trainer dankbar, dass er mir das Vertrauen geschenkt und mir diese Chance gegeben hat."

Iwobi will sich weiter verbessern und Arsenal zu Titeln verhelfen. Immerhin liegt die letzte Meisterschaft schon über zehn Jahre zurück. "Ich will weiter Gas geben, besser werden, mehr spielen, mehr Tore schießen, mehr Tore vorbereiten und der Mannschaft helfen", kündigt er an. "Das soll jetzt aber nicht großspurig klingen. Es wird nur eine lange Saison mit vielen Spielen. Deshalb hoffe ich, dass ich meine Chance bekomme."

Der schwierige Weg nach Russland
Auch auf einen Einsatz in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ hofft Iwobi. Nachdem er in der Jugend noch für England auflief, entschied sich Iwobi in der Altersstufe U-21, für sein Geburtsland aufzulaufen. Sein erstes A-Länderspiel für Nigeria war ein Test gegen die DR Kongo.

Doch auch Enttäuschungen hat Iwobi schon erlebt. Er war Teil des nigerianischen Kaders, der in der Qualifikation für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2017 an Ägypten scheiterte. "Der Nationen-Pokal ist das größe Sportturnier in Afrika. Wir waren am Boden", berichtet Iwobi. "Aber als Mannschaft müssen wir den Blick nach vorn richten und uns auf die Weltmeisterschaft und unsere Qualifikationsspiele konzentrieren."

Als niedrig gesetzte Mannschaft hat Nigeria in der Afrika-Zone der Qualifikation für Russland 2018 eine sehr starke Gruppe mit Sambia, Kamerun und Algerien erwischt. "Sicherlich ist das eine schwierige Gruppe, aber ich glaube andererseits auch nicht, dass es einfache Gruppen gibt, schließlich ist das ein Wettbewerb auf internationalem Niveau", sagt Iwobi. "Ich bin zuversichtlich, dass wir uns durchsetzen können. Die Spieler dazu haben wir. Wenn wir uns gut vorbereiten, konzentriert sind und so spielen, wie wir es an einem guten Tag können, werden wir uns sicher qualifizieren.

Alle Mannschaften [in dieser Gruppe] sind stark und haben den Afrikanischen Nationen-Pokal schon gewonnen. Sie haben Spieler, die auf höchstem Niveau agieren. Wir wissen also, was auf uns zukommt."

Große Fußstapfen
Falls Iwobi bei der WM für die Super Eagles aufläuft, wäre er nicht das erste Mitglied seiner Familie, dem dies vergönnt ist. Die nigerianische Fussballlegende Jay Jay Okocha ist nämlich sein Onkel. "Er ist der jüngere Bruder meiner Mutter und für mich auf dem Platz und abseits davon nach wie vor ein großes Vorbild. Er steht mir mit Rat und Tat zur Seite, wenn es darum geht, was ich tun muss, der bestmögliche Sportler zu werden. Insofern hat er großen Anteil an meiner Entwicklung als Spieler."

Iwobi, der immer noch mit Eltern und Schwester unter einem Dach lebt, fragt Okocha oft um Rat. "Er hat mir viele Tipps gegeben, wie ich ein besserer Spieler, aber auch ein besserer Mensch werde", erklärt Iwobi. Es überrascht indes, welchen Rat des Onkels der Neffe besonders verinnerlicht hat, nämlich: "Immer mit einem Lächeln auf den Lippen spielen und den Fussball genießen!"

Es scheint, als sei Iwobi das gelungen – und mit seinen starken Leistungen hat er zuletzt auch den Fans der Gunners ein Lächeln auf die Lippen gezaubert.

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