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Arena zurück in der U.S.-Arena

Head coach Bruce Arena of the United States looks on
© Getty Images
  • "Erste Aufgabe: unseren Stolz wiederfinden!"
  • "Bruce umgibt eine enorme Aura"
  • Mehrheit der Spieler kommt aus der MLS

"Das ist schon sehr lange her", sagte Bruce Arena mit seinem typisch trockenen Humor im Gespräch mit FIFA.com über sein einziges Spiel im Nationaltrikot für die USA. "Es war ein Spiel gegen Israel, in Beer-Sheva. Ich glaube es endete Unentschieden, aber beschwören kann ich das nicht. Was ich aber noch genau weiß ist, dass unser Trainer Gordon Bradley, der damals schon 40 war, in der zweiten Halbzeit als Ausputzer spielte. Das vermittelt einen guten Eindruck davon, wie sehr sich der U.S.-Fussball seit 1973 verändert hat."

Man kann ohne Übertreibung sagen, dass Arena, der nun zum zweiten Mal Cheftrainer der Stars and Stripes ist, im Fussball schon so ziemlich alles erlebt hat. An der Universität spielte er noch selbst als Torhüter, bevor er einer der erfolgreichsten Trainer im College-Fussball wurde. Er erlebte den Zusammenbruch der ersten U.S.-amerikanischen Profiliga NASL mit dem herausragenden Klub New York Cosmos und er war maßgeblich an der Einführung und dem Aufstieg der Nachfolgeliga MLS beteiligt, zu deren Spitzentrainern er nach der Auftaktsaison 1996 mehrere Jahre lang gehörte. Er erlebte den enormen Aufstieg der USA vom absoluten Außenseiter, von einem Land, in dem kaum Interesse für den Fussball vorhanden war, und führte das Team persönlich bis ins Viertelfinale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Korea/Japan 2002™, wo seine Schützlinge den Einzug ins Halbfinale nur denkbar knapp verpassten.

"Bruce umgibt eine enorme Aura", sagt der erfahrene Mittelfeldspieler Michael Bradley über den mittlerweile 65-Jährigen, der im November erneut das Ruder bei den Stars and Stripes übernahm. "Man weiß immer ganz genau, was er von jedem Einzelnen erwartet."

"Unser nächstes Heimspiel in der WM-Qualifikation gegen Honduras müssen wir unbedingt gewinnen. So einfach ist das, und ich scheue mich nicht, das ganz deutlich zu sagen." Arena vermeidet Modeworte wie proaktiv oder reaktiv und den gesamten Jargon der Fussball-Technokraten. Er dringt vielmehr direkt zum Kern der Sache vor. Sein Team befindet sich nach dem Auftakt der abschließenden Sechserrunde der CONCACAF-WM-Qualifikation für Russland 2018 derzeit in einem tiefen Loch. Die erste Heimniederlage gegen Mexiko seit 1972 und eine 0:4-Schlappe in Costa Rica, bei dem die Mannschaft nahezu auseinander fiel, bedeuteten das Ende der Ära Klinsmann.

Alter Trainer, neue Gesichter
Als Arena zuletzt auf der U.S.-Trainerbank saß, spielten in seinem Team Akteure wie der damals noch junge Landon Donavan, Claudio Reyna, Brad Friedel und Eddie Pope. Es war eines der stärksten U.S.-Teams aller Zeiten. Bei der WM 2002 setzten sich die U.S.-Boys im Achtelfinale gegen ihren Erzrivalen Mexiko durch und forderten Deutschland im Viertelfinale alles ab. Es war ihr bestes Abschneiden in der jüngeren Fussballgeschichte. Arena war acht Jahre lang Nationaltrainer der USA, von 1998 bis 2006. Länger als er bekleidete niemand diesen Posten und daher weiß er auch am besten um die Schwierigkeiten und Herausforderungen in der CONCACAF-Zone. "Man muss seine Heimspiele gewinnen", sagt er und verweist darauf, wie schwer die Auswärtspartien sind, ohne dies jedoch als Entschuldigung anzuführen. "Große Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit, lange Reisen und die Höhenlage mancher Stadien – all diese Faktoren machen es uns auswärts enorm schwer. Aber so ist die Situaton, also müssen wir damit klar kommen."

Auf die Frage, wie er die USA derzeit einschätzt, antwortet er ohne jegliche Umschweife und Beschönigungen. "Ich sehe uns ganz hinten, auf Platz sechs!" sagt er mit leicht monotonem Brooklyn-Akzent. Mexiko feuert derzeit aus allen Rohren und Costa Rica steht dem kaum nach. Honduras hat sich nach einem verhaltenen Start gefangen und Panama will sich unbedingt in der Region beweisen. Arena wiederholt es noch einmal, auch wenn es schmerzvoll ist: "Wir liegen ganz hinten. So sieht es aus. Wir belegen den sechsten Platz der sechs Mannschaften im Rennen."

*Der Weg nach Russland ist schwer
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"Aber unser Ziel lautet nicht, Erster oder Zweiter zu werden sondern es nach Russland zu schaffen", so der Trainer weiter, der eigentlich keine weitere Chance als U.S.-Trainer erwartet hatte. "Nach den zwei Auftaktniederlagen dürfen wir uns keinerlei Fehltritt mehr leisten. Wir haben noch acht Spiele vor uns und müssen so schnell wie möglich Punkte sammeln."

Zunächst muss sich Arena entscheiden, welche Spieler künftig das Rückgrat seines Teams bilden sollen. Während sein Amtsvorgänger Klinsmann stark auf Auslandserfahrung und Konkurrenz innerhalb des Teams setzte, sucht Arena auf bewährte Weise nach einem stabilen, zuverlässigen Kern. Und da er mehr als ein Jahrzehnt lang Erfahrung in der MLS sammelte und insgesamt fünf Titel geholt hat, kommt die Mehrheit seiner Spieler aus der höchsten amerikanischen Spielklasse.

"Dies ist ein sehr wichtiger Moment für die Nationalmannschaft", meint Arena, der sich sehr über seine erneute Ernennung freut und unbedingt dafür sorgen will, dass die USA nicht erstmals seit 1986 eine WM-Endrunde verpassen. "Unsere Mannschaft steht vor größeren Herausforderungen als je zuvor. Jetzt haben wir die Chance zu beweisen, was wirklich in uns steckt."

Und wer Arena kennt, der weiß, dass sich eine von ihm trainierte Mannschaft ganz sicher nicht kampflos in ihr Schicksal ergeben wird. Arena selbst spricht von Courage und Schneid und erinnert daran, was es bedeutet, das Trikot zu tragen, das er selbst nur ein einziges Mal trug, vor nunmehr 44 Jahren auf einem staubigen Fussballplatz in Israel, als sich noch niemand besonders dafür interessierte. "Wenn man dieses Trikot anzieht und das Emblem über dem Herzen trägt, dann muss man sein Land würdig vertreten. Man braucht Stolz. Und daher lautet unsere erste Aufgabe unseren Stolz wiederzufinden!"

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