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Club América: Der "Bösewicht" feiert 100-jähriges Bestehen

Club America players celebrate with the trophy
© AFP

Club América ist ein Klub, der polarisiert. Im gleichen Maße, wie er von den eigenen Fans geliebt wird, wird er von den Anhängern der Rivalen gehasst. Mit zwölf mexikanischen Meistertiteln, sechs Poaklsiegen und sieben Titelgewinnen in der CONCACAF Champions League stellt América alle anderen mexikanischen Klubs in den Schatten. 2016 feiert der Spitzenklub nun sein 100-jähriges Vereinsjubiläum. Die Verantwortlichen wollen sich keinesfalls auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen, sondern streben nach internationalen Erfolgen, um die eigenen Fans weiterhin zu erfreuen und die Rivalen neidisch zu machen. FIFA.com lässt die Geschichte und auch die aktuelle Situation eines der ganz großen Teams der CONCACAF Revue passieren.

Die Geburtsstunde einer Institution
Die ersten Jahre des Vereins, der zum wichtigsten Klub der mexikanischen Hauptstadt werden sollte, sind eng mit dem Namen eines Mannes verbunden: Rafael Garza Gutiérrez. Mit nur 13 Jahren beschloss er, zusammen mit einigen Freunden einen Fussballverein zu gründen. Sie nannten ihren Klub Récord. Wenig später, am 12. Oktober 1916, fusionierte man mit dem Team von Colón und nannte den neuen Verein América, da der Gründungstag genau auf den Jahrestag der Entdeckung des Kontinents fiel.

Nach einigen turbulenten ersten Jahren, in denen man sogar einmal den Namen änderte, wurde das Team von América in die damalige Liga Mayor aufgenommen. Zu dieser Zeit war man kurioserweise das einzige Team, das ausschließlich aus mexikanischen Spielern bestand, ein Umstand, der später zum Markenzeichen des größten Rivalen, Chivas Guadalajara, werden sollte.

Die Entstehung einer Legende América sollte sofort einer der großen Protagonisten der mexikanischen Meisterschaft werden. Während der Zeit als Amateurteam holte man zwischen 1924 und 1928 vier Titel in Folge. Anfang der 1930er Jahre verließen jedoch viele Spieler dieser ersten "goldenen Generation" den Verein und er büßte seine dominante Position ein.

Dennoch stammten bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Uruguay 1930 fünf Nationalspieler aus den Reihen der *Cremas, *wie der Klub auch genannt wurde. Sie bildeten den Kern der ersten mexikanischen Nationalmannschaft, die auf der Weltbühne vertreten war. Bis zum heutigen Tag bringt Club América immer wieder Nationalspieler hervor. Die einzige Auflage, bei der kein einziger Spieler des Klubs vertreten war, ist die WM 1958 in Schweden.

Als die Liga sich für den Profifussball entschied, bekam América jedoch große Schwierigkeiten. Der Verein stand nun stets im Schatten der großen Klubs wie España, Atlante und Necaxa und war meist in den unteren Regionen der Tabelle zu finden. Das Geld wurde knapper und man ernannte den internationalen Künstler Mario Moreno Cantinflas sogar zum Ehrenpräsidenten, weil man sich von seiner Popularität eine bessere Finanzlage erhoffte. Geholfen hat es allerdings nicht.

Die sogenannte zweite Gründung des Vereins, die eng mit seinem unaufhaltsamen Aufstieg verbunden ist, fiel in das Jahr 1959, als der Eigentümer von Telesistema Mexicano, Emilio Azcárraga Milmo, den Klub kaufte. Azcárraga, der im Lauf der Zeit seinen Fernsehsender zum wichtigsten Medienimperium Lateinamerikas ausbauen sollte, hatte ganz klare Vorstellungen.

Um sich von dem immer beliebteren Verein Chivas Guadalajara zu unterscheiden, der ausschließlich mexikanische Spieler in seinen Reihen hatte, verkündete der Unternehmer, dass man nun den "Bösewicht" spielen und dank seiner Finanzkraft die besten ausländischen Spieler verpflichten würde. Die Fans sollten ihn lieben oder hassen. Genau so ist es gekommen. Im Team der sogenannten *Millonetas *standen seit diesen Tagen Stars wie José Alves Zague, Carlos Reynoso, Dirceu Guimarães, Iván Zamorano und François Omam Biyik, um nur einige Namen zu nennen.

Der erste Titelgewinn des neuen América fiel in die Saison 1965/66. Im folgenden Jahrzehnt wurde man zwei Mal Meister. Die achtziger Jahre sollten jedoch zur wahren Glanzzeit des Klubs werden. Unter dem neuen Spitznamen *Águilas *(die Adler) dominierte der Verein den mexikanischen Fussball nahezu nach Belieben. Dabei holte man im Verlauf von sechs Jahren nicht weniger als fünf Titel. Die Fans von América denken heute noch voller Wehmut an diese Epoche zurück, die mit dem letzten Titelgewinn in der Spielzeit 1988/89 endete.

Die Gegenwart
In den neunziger Jahren, angeführt von dem vielleicht größten Idol der Fans, Cuauhtémoc Blanco, stand die Mannschaft immer wieder kurz vor dem Titelgewinn, versagte jedoch in den entscheidenden Augenblicken. Nach 13 dürren Jahren wurde der Bann schließlich im Sommer 2002 gebrochen, doch da war der Liebling der Fans bereits zu Real Valladolid in Spanien gewechselt.

Den zweiten Titelgewinn feierte man im Clausura-Turnier 2005, und Blanco, der vor der Saison wieder zurückgekehrt war, konnte endlich mit dem Team, dem seine große Liebe galt, eine Ehrenrunde drehen. Ein Jahr später bestritt Club América die FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2006 und belegte dort den vierten Platz.

In der Folge machten die* Águilas erneut turbulente Zeiten durch, bis schließlich Ende 2011 Ricardo Peláez das Präsidentenamt von Miguel Herrera übernahm. Bald darauf kehrte endlich Ruhe ein und der Klub setzte zu einem neuen Höhenflug an. Im Jahr 2013 gewann man das *Clausura-Turnier und holte damit zum ersten Mal seit langem wieder einen mexikanischen Meistertitel.

América konnte sich auch im Apertura-Turnier 2014 durchsetzen und avancierte damit zum Rekordmeister Mexikos (zwölf Titel). Auch auf internationaler Ebene stellte sich der Erfolg ein und der Klub gewann die CONCACAF Champions League 2014/15 und damit auch das begehrte Ticket für die FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2015.

Das Abenteuer auf der Weltbühne nahm für die Águilas allerdings keinen guten Ausgang. Sie landeten auf dem fünften Platz. Doch sie sollten eine zweite Chance erhalten, als sie im folgenden Jahr den Titel in der Champions League verteidigten und damit im Dezember 2016 erneut im Land der aufgehenden Sonne antreten dürfen.

Am 12. Oktober 2016 feierte der Klub sein 100-jähriges Bestehen. Gründe zum Feiern gibt es genug: América ist der erfolgreichste Klub in Mexiko und in der gesamten CONCACAF-Zone. Lediglich eine Rechnung ist noch offen, und zwar die FIFA Klub-Weltmeisterschaft. Es gäbe doch kaum etwas Schöneres, als die Legende im Jahr der Einhundertjahrfeier des meist geliebten und meist gehassten Klubs in Mexiko fortzusetzen.

Das Stadion Das mexikanische Aztekenstadion ist einer jener Orte, den man aufgrund seiner Geschichte, seiner großartigen Architektur und Tradition eigentlich gar nicht vorstellen muss. Es war Schauplatz von zwei FIFA Fussball-Weltmeisterschaften™, Mexiko 1970 und Mexiko 1986. Hier haben fast alle vergangenen und aktuellen Größen der Fussballwelt gespielt. So konnten die Fans in dieser riesigen Schüssel bereits zwei der besten Spieler des 20. Jahrhunderts bewundern: Pelé und Diego Armando Maradona. Das Aztekenstadion wurde bereits mehrfach renoviert, zuletzt für den FIFA Konföderationen-Pokal 1999. Vor wenigen Jahren fand dort das Finale der FIFA U-17-Weltmeisterschaft Mexiko 2011 statt.

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