Fussball-Historie

Als die Sperber erstmals auf WM-Boden landeten

The Togo team line up
© Getty Images
  • 13. Juni 2006: Erstes WM-Spiel Togos
  • 1:2 gegen Korea Republik zum Auftakt
  • Auch gegen die Schweiz & Frankreich unterlegen

Wir schreiben das Jahr 2006, es ist der 15. Mai und die anstehende FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ in Deutschland wirft schon längst ihre langen Schatten voraus. An jenem Tag kam um Punkt 16:00 Uhr in Stuttgart eine Maschine aus Afrika an - an Bord die Nationalmannschaft Togos, die als erstes WM-Team deutschen Boden betrat. Rund 70 Journalisten und 15 Kamerateams, darunter TV-Stationen aus Japan und Brasilien, berichteten von der Ankunft der Sperber, die im wahrsten Sinne des Wortes erstmals auf der WM-Bühne landeten.

1987 hatte Togos U-20-Auswahl als bisher einzige Mannschaft des Landes an einer FIFA-Weltmeisterschaft teilgenommen, indem sie sich für die FIFA Junioren-Weltmeisterschaft in Chile qualifizierte. Doch nun hatte man endlich den Sprung zur FIFA Fussball-WM geschafft.

"Es ist viel hängen geblieben", erinnert sich Assimiou Touré im FIFA.com-Interview einst gerne an die Zeit im Sommer 2006 zurück. "Es ist eine der größten Sachen, die in meinem Leben passiert ist. Ohne das wäre ich nicht das geworden, was ich heute bin."

Fast vier Wochen später, am 13. Juni 2006 und damit heute vor genau zehn Jahren, war es dann endlich soweit. In Frankfurt traf man zum Auftakt auf Korea Republik und tatsächlich schienen die Afrikaner wenig beeindruckt von diesem historischen Moment, denn als Mohamed Kader nach gut einer halben Stunde die Sperber in Führung brachte, schien das Märchen um ein Kapitel reicher zu werden.

Erst im zweiten Abschnitt zerstörten Lee Chung Soo und Ahn Jung Hwan die Hoffnungen Togos auf einen WM-Punkt. Auch gegen die Schweiz (0:2) und den späteren Finalisten Frankreich (0:2) gelang die Überraschung nicht und die Afrikaner mussten nach der Vorrunde die Heimreise antreten.

Für die Mannschaft um Touré, Superstar Emmanuel Adebayor und Kapitän Jean-Paul Abalo sowie die rund sechs Millionen Menschen in der Heimat war es dennoch ein unvergessenes Erlebnis. "Es war eine großartige Stimmung in Togo. Überall wo ein Fernseher stand, hatten sich die Leute versammelt, um unsere Spiele zu verfolgen", erzählt Touré. "Afrikanische Länder sind generell sehr fussballbegeistert und unsere WM-Teilnahme hat dem Fussball in Togo sicherlich einen Schub gegeben."

Die Mannschaft nahm auch die Erkenntnis mit, durchaus mithalten zu können. Gescheitert war eine der jüngsten Nationalmannschaften Afrikas letztlich vor allem an ihrer mangelnden Erfahrung. Danach wurde es allerdings nicht unbedingt besser. In der Qualifikation für Südafrika 2010, Brasilien 2014 und Russland 2018 spielte das Team keine besondere Rolle. Nur das Erreichen des Viertelfinals beim Afrikanischen Nationen-Pokal 2013 war zwischenzeitlich ein Hoffnungsschimmer.

Für Touré selbst erfüllte sich der WM-Traum über Umwege. Geboren in Togo, aber aufgewachsen ausgerechnet im Gastgeberland Deutschland, lief er zweimal für die schwarz-rot-goldene U-18 auf, ehe der damalige Sperber-Nationaltrainer Otto Pfister, ebenfalls Deutscher, Anfang 2006 anrief. "Ich habe natürlich kurz überlegt, mich aber dann für Togo entschieden. So eine Chance kommt vielleicht nie wieder, auch wenn ich hoffe, dass sich Togo irgendwann nochmal für eine WM qualifiziert. Die Tatsache, dass ich in Deutschland groß geworden bin, machte es noch viel besonderer. Es hat sich für mich von Anfang an wie eine Heim-WM angefühlt. Nach dem Ausscheiden habe ich natürlich den Deutschen die Daumen gedrückt." Die blieben bekanntlich bis zum Ende im Turnier und sicherten sich am Ende Platz drei.

Anschließend gelang dem inzwischen 32-Jährigen der Sprung in die erste Mannschaft von Bundesligist Bayer Leverkusen. Doch zahlreiche Verletzungen, darunter ein langwieriger Schien- und Wadenbeinbruch, warfen den Abwehrspieler immer wieder zurück, Ausleihen zu anderen Klubs waren die Folge. So richtig Fuß fassen konnte er in der Nationalmannschaft nicht mehr so richtig, auch wenn er es insgesamt auf immerhin 15 Länderspiele brachte.

Seit 2016 schwingt Claude Le Roy das Zepter an der Seitenlinie und will die Sperber zu einem neuen Höhenflug antreiben. "Togo ist in Afrika keine kleine Fussballnation", so Le Roy bei seinem Amtsantritt gegenüber FIFA.com. "Das Land hat schon an einigen Endrunden der Afrikameisterschaft und auch an der Weltmeisterschaft 2006 teilgenommen. Und es gibt hier sehr gute Spieler. Das Potenzial ist also definitiv vorhanden."

Bis auf Weiteres bleiben erst einmal nur die unvergessenen Erinnerungen an jenen Sommer 2006, der auf ewig einen Platz in den Geschichtsbüchern des Landes sicher haben werden.

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