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Ägyptens neues Wunderkind

Egypt's Ramadan Sobhi (L) celebrate his goal against Nigeria with his teammate Mohamed Salah (R)
© AFP

Im Vorfeld des wichtigen Qualifikationsspiels für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal gegen Tansania im Juni war in vielen Schlagzeilen nicht von Ägyptens Chancen auf ein Ticket nach Gabun die Rede, sondern von einem Teenager, der bei der Reise nach Daressallam gar nicht dabei war.

Denn Ramadan Sobhi, der neben seiner Hauptposition als Linksaußen auch auch als klassischer Spielmacher oder hängende Spitze agieren kann, musste seine Schulabschlussprüfungen schreiben und konnte daher nicht mit der Mannschaft zu dem Auswärtsspiel nach Tansania reisen. Der große Unmut der Fans über sein Fehlen in Tansania macht deutlich, wie wichtig der erst 19-Jährige im Team der Nordafrikaner bereits nach wenigen Länderspielen ist.

Doch schon bei diesen wenigen Einsätzen und dank seiner starken Form beim Kairoer Spitzenklub Al Ahly hat er sich als aufstrebender Youngster einen Namen gemacht, der in der Lage ist, Spiele zu entscheiden. So leistete er beispielsweise im März einen wichtigen Beitrag dazu, dass sich Ägypten nach dreimaligem Scheitern nun wieder für die Endrunde des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals qualifizieren konnte. Im Qualifikationsduell gegen den Hauptkonkurrenten Nigeria lagen die Ägypter mit 0:1 zurück. 15 Minuten vor Schluss wurde Sobhi eingewechselt und zeigte seinen enormen Wert: In der Nachspielzeit spielte er den entscheidenden Pass, nach dem Mohamed Salah den wichtigen Ausgleichstreffer erzielen konnte. Nur vier Tage später präsentierte er sich erneut in starker Form und erzielte persönlich das einzige Tor im Heimspiel gegen die Super Eagles, das für die Westafrikaner das 'Aus' bedeutete.

Der letzte ägyptische Spieler, der bereits in so jungen Jahren so viel Aufmerksamkeit bekam, war der ehemalige Tottenham-Stürmer Mido, der heute als Trainer und Experte tätig ist. Er feierte sein Debüt in der Nationalmannschaft schon mit 17. Dass Sobhi viele der hohen Erwartungen einfach an sich abperlen lässt, ist als Zeichen seiner Reife zu sehen.

"Ich empfinde ehrlich gesagt keinen Druck. Wenn ich auf den Platz gehe, lasse ich nie irgendwelche belastenden Gedanken an mich heran", so Sobhi, der sein Länderspieldebüt im vergangenen Juni im ersten Qualifikationsspiel für die Afrikameisterschaft gegen Tansania feierte, kürzlich in einem Interview mit FIFA.com "Ich weiß allerdings, dass ich eine große Verantwortung trage, meinem Team zum Sieg zu verhelfen. Doch als Druck würde ich das nicht bezeichnen."

*Publikumsliebling bei Al Ahly *
Auf dem Platz untermauert Sobhi seine Worte mit selbstbewussten Auftritten und gehört schon jetzt zu den Schlüsselspielern im ägyptischen Team, das sich erstmals seit 1990 wieder für eine FIFA WM-Endrunde qualifizieren will. "Es ist ganz normal, dass eine Mannschaft nach einer Phase mit sehr großen Erfolgen in ein Formtief rutscht. Aber ich bin sicher, dass wir den Afrikanischen Nationen-Pokal gewinnen und uns für die Weltmeisterschaft qualifizieren können. Der aktuelle Kader besteht größtenteils aus sehr erfolgshungrigen Youngsters. Es spielt keine Rolle, welche Teams in der WM-Qualifikation in unsere Gruppe gelost werden. Wer zur WM will, muss gegen jeden Gegner bestehen können."

Sobhi wurde von Al Ahly ausgebildet und hat sich dort längst zum Publikumsliebling gemausert. Als Videoaufzeichnungen ans Licht kamen, in denen er in der Nachwuchsmannschaft gegnerische Verteidiger gleich Reihenweise zur Verzweiflung brachte, gelang ihm der Sprung in die A-Mannschaft des Klubs, mit der er 2014 die Meisterschaft gewann. Schon damals wurden erste Vergleiche mit Klublegende Mohamed Aboutrika angestellt. "Ich habe schon in den Nachwuchsmannschaften oft Zweikämpfe gegen Verteidiger gewonnen. Doch seit dem Sprung in die erste Mannschaft habe ich diesen Aspekt meines Spiels noch deutlich verbessert. Früher habe ich oft versucht, einen Verteidiger zu viel auszuspielen und daraufhin manchmal den Ball verloren."

Sobhi will mit Al Ahly an die glorreichen Zeiten in der CAF Champions League anknüpfen, die der Klub 2013 zum letzten Mal gewinnen konnte. Für den niederländischen Trainer Martin Jol findet der Stürmer nur lobende Worte. Seit seinem Amtsantritt im Februar hat sich Al Ahly einen deutlichen Vorsprung gegenüber dem Lokalrivalen Zamalek erarbeitet, so dass der neuerliche Titelgewinn schon fast in Reichweite ist. "Jols Umgang mit den Spielern ist sehr beeindruckend. Einerseits leistet er hervorragende taktische Arbeit, was schon daran überdeutlich wird, wie brandgefährlich die Mannschaft jetzt agiert. Andererseits ist er aber auch ein sehr liebenswerter Mensch, der für eine großartige Atmosphäre in der Kabine sorgt."

Es gibt allerdings schon Gerüchte, dass Sobhi nicht mehr dabei sein könnte, wenn Al Ahly die Jagd nach dem neunten Champions-League-Titel beginnt, da ihn mehrere europäische Klubs bereits ins Visier genommen haben. Der überaus talentierte Außenstürmer hofft auf eine erfolgreiche Karriere im Ausland, mit der er in die Fußstapfen von Spielern wie Mohamed Salah (AS Rom) und Mohamed Elneny (FC Arsenal) treten würde. "Ich habe erst mal keine Vorlieben. Es spielt keine Rolle, ob es ein großer oder ein kleiner Klub ist. Ich will auf jeden Fall nach Europa", so Sobhi.

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