Nachhaltigkeit

Adlers neues Herzensprojekt: der nachhaltigste Fussballplatz der Welt

René Adler with one of the founders of Project Wings
  • Rene Adler war vor Manuel Neuer Deutschlands Nummer eins
  • Jetzt ist er Teil eines Projekts, welches das größte Recyclingdorf der Welt baut
  • Er erzählte uns von seiner Arbeit und seiner Bewunderung für "The-Best"-Sieger Neuer

"Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun."

Diese weisen Worte stammen vom Philosophen Voltaire. René Adler ist zwar nicht unter die Philosophen gegangen, nach seinem Karriereende im Profifussball merkt man jedoch in einem Gespräch mit dem ehemaligen deutschen Nationaltorhüter, dass er sich durchaus die großen Fragen des Lebens stellt und einen Sinn im großen Ganzen sucht.

Adler ist kein Nichtstuer. Im Gegenteil: er ist Businessmann, Wohltäter, TV-Experte, Student, Familienvater und vieles mehr. Seine neueste Herzensaufgabe ist "Project Wings", für welches Adler gemeinsam mit seiner Frau Schirmherr geworden ist. Wie viel Herzblut, Leidenschaft und Überzeugung dort mit einfließen, ist ansteckend, wenn man Adler darüber reden hört. Project Wings ist eine Aktion, welche humanitäre Hilfe mit Natur- und Tierschutz verbindet und in Sumatra, Indonesien, gerade aus 250 Tonnen Plastikmüll das größte Recyclingdorf der Welt baut - inklusive des nachhaltigsten Fussballplatzes der Welt.

"In einem Team für ein Ziel zu arbeiten, das kenne und liebe ich aus meiner Zeit als Fussballer. Im Fussball erfährt man kurzfristiger die Rückmeldung über Erfolg oder Misserfolg als im Business, da man sich wöchentlich misst. Allerdings habe ich sehr viel Freude daran zu sehen, welchen Impact die Arbeit, die wir mit dem Project Wings betreiben, erzielt. Es ist wundervoll zu sehen, wenn sich etwas zum Guten entwickelt."

René Adler

Was ist Project Wings?

  • Die Mission: Wir finden einen Weg, keine Ausreden.
  • Was entsteht? Das größte Recyclingdorf der Welt aus 250 Tonnen Plastikmüll.
  • Wo? Sumatra, Indonesien.
  • Über 70.000 Ecobrics (ein Baustein aus einer Plastikflasche gefüllt mit Plastikmüll) gesammelt.
  • Über 40.000 Tonnen Plastikmüll recycelt.
  • Mehr als 1.500 Einwohne profitieren direkt von der Projektarbeit.
  • Über 20.000 Bäume gepflanzt.

Vier jugendliche Gründer haben sich vor 18 Monaten zur Aufgabe gemacht, die Welt ein kleines Stück besser zu machen. Dieses Vorhaben ist mittlerweile zur schnellst wachsenden Hilfsorganisation Deutschlands geworden. "Ich habe sehr viel Kontakt mit den Gründern. Es ist inspirierend zu sehen, wie sie für die Sache brennen und all ihre Energie dort reinstecken. Es erinnert mich an meine Zeit als Fussballer. Mein Anliegen war natürlich egoistischer und diese Jungs machen es für eine höhere Sache – den Umweltschutz. Aber von der Leidenschaft her, sehe ich dort eine Schnittmenge zu meiner Einstellung und daher möchte ich Project Wings unterstützen."

Eine weitere Schnittmenge ist zudem damit gegeben, dass in Sumatra unter anderem auch das nachhaltigste Sportgelände der Welt entsteht, inklusive eines Fussballplatzes. "Sogar die Tornetze sind aus Plastik und absolut nachhaltig", schwärmt Adler und erklärt weiter; "Der Fussball war schon immer völkerverbindend. Das zeigt die FIFA [hier gelangen Sie zur FIFA-Nachhaltigkeits-Sektion] mit ihren Projekten ja auch. Die Kids dort haben auch Bock zu kicken. Allerdings haben sie meistens nicht die Möglichkeiten. Wir geben sie ihnen und bringen sie zudem weg von der Straße und weg von Dingen wie Kriminalität oder Drogen."

Dass sich Adler für das Projekt einsetzt, ist übrigens eher einem Zufall und seiner Schwiegermutter zu verdanken, die auf das Projekt bei einer Preisverleihung aufmerksam wurde. Der Zufall ist in der Karriere auf und abseits des Fussballplatzes jedoch kein Faktor, auf den sich der 35-Jährige gerne verlässt.

Er lässt sich auch nach seiner Karriere von Experten aus verschiedenen Branchen coachen und bildet sich aktuell mit Größen wie Didier Drogba, Andrei Arshavin oder Kolo Toure beim UEFA-Master im Bereich Sportmanagement weiter. "Nach dem Fussball ist es gar nicht so leicht, denn auf einmal ist man Herr über seinen eigenen Tagesablauf. Das ist schön, aber auch herausfordernd. Ich habe mich dafür entschieden viel in meine Weiterbildung zu investieren und mich gefragt, was ich wirklich brauche, um glücklich zu sein."

Adler verrät, was ihn der Fussball am meisten gelehrt hat: "Ich bin oft gefallen, aber habe gelernt immer wieder aufzustehen. Und das ist nicht nur im Sport wichtig, sondern im Leben allgemein. Nie aufzugeben und immer weiter zu machen und stetig aus Fehlern zu lernen." Rückblickend schmerzt es Adler noch immer, dass er die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ aufgrund einer Rippenverletzung als damalige Nummer eins verpasst hat und von Manuel Neuer, der jüngst bei den FIFA The Best Football Awards™ die Auszeichnung als FIFA-Welttorhüter erhielt, ersetzt wurde.

René Adler and Manuel Neuer at a training session with the German national team

"Es lief sehr vieles sehr gut für mich. In der Jugend war ich stets der Beste und Kapitän im Verein und in den U-Nationalmannschaften des DFB. Ich wurde schnell zum Stammspieler in der Bundesliga und dann die Nummer eins im DFB-Team. Vielleicht lief es zu gut. Ich habe aufgehört mich regelmäßig mental coachen zu lassen. Auch wenn ich es nicht beweisen kann, ich bin mir ziemlich sicher, wenn ich dort disziplinierter drangeblieben wäre, dann hätte ich mich nicht verletzt und die WM spielen können. Das war vielleicht rückblickend mein schmerzhaftester und lehrreichster Fehler."

Vor seinem damaligen Nachfolger Neuer kann er nur den Hut ziehen. "Manu ist dieses Jahr absolut verdient zum Welttorhüter gekürt worden. Er hat eine fantastische Saison gespielt und hat es mehr als verdient."

Ein Jahr, welches sich nun zu Ende neigt und für alle eine besondere Herausforderung darstellt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Adler einen ganz besonderen Weihnachtswunsch äußert. "Wenn ich mir etwas zu Weihnachten wünschen darf, dann vielleicht, dass der Impfstoff nächstes Jahr schnell seine Wirksamkeit zeigt und wir die COVID-19-Pandemie endlich überstehen und zurück in die Normalität kommen. Ich vermisse sehr vieles, beispielsweise das Reisen."

Und wie sagte Voltaire: "Eines ist sicher: Reisen tut immer gut." Also hoffen wir mal, dass Adlers Weihnachtswunsch in Erfüllung geht.

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