Singapur 2010

Etcheverry: "Bolivien arbeitet an der Zukunft"

(FIFA.com)
Marco Etcheverry of Bolivia looks on during the semi final match
© Getty Images

Wenn es beim Olympischen Junioren-Fussballturnier eine Persönlichkeit gibt, die aus allen anderen Beteiligten herausragt, dann ist es ohne Zweifel der bolivianische Ausnahmefussballer Marco Etcheverry, der zum Trainerstab der Jungen-Mannschaft in Singapur 2010 gehört.

Etcheverry ist der wohl beste Fussballer, den Bolivien je hervorgebracht hat. Er kann auf eine lange Karriere in der Nationalmannschaft zurückblicken, deren Höhepunkt die Teilnahme an der WM-Endrunde 1994 in den USA war. Auch im Klubfussball war Etcheverry sehr erfolgreich. In seinen sieben Jahren in der nordamerikanischen MLS erwarb er sich den Ruf eines der besten Ausländer der Liga.

Der heute 39-Jährige übernahm im Vorfeld von Singapur 2010 einen Posten im Trainerstab der von Douglas Cuenca geführten U-15-Auswahl, um die jungen Nachwuchsfussballer in der Vorbereitung auf das Turnier von seiner Erfahrung profitieren zu lassen. Der frühere Starspieler sprach in einem exklusiven Interview mit FIFA.com vor dem erneuten Aufeinandertreffen mit Haiti über die Erfolge der Mannschaft und die Zukunftsaussichten für den bolivianischen Fussball.

Warum haben Sie die Aufgabe im Betreuerstab der U-15-Auswahl übernommen, wo sie doch aktuell Trainer des bolivianischen Klubs Oriente Petrolero sind?Mein Team Oriente Petrolero gehört im bolivianischen Fussball zu den Spitzenklubs. Aber als der Fussballverband anfragte, ob ich für die U-15-Auswahl arbeiten könnte, habe ich entschieden, dass ich dem Land den Vorzug vor dem Klub geben muss. Daher bin ich hier.

Bolivien hat das Endspiel erreicht und als einzige Mannschaft eine perfekte Bilanz vorzuweisen. Wie bewerten Sie die bisherigen Erfolge?Wir haben in dieser U-15-Auswahl eine ganze Reihe sehr talentierter Spieler, was im Übrigen auch für die U-17-Auswahl gilt, die ebenfalls eine sehr gute Mannschaft ist. Die Menschen in Bolivien hoffen darauf, dass wir bald wieder eine hochklassige Nationalmannschaft haben. Unser Fussballverband ist entschlossen, die Talente der neuen Spielergeneration bestmöglich zu fördern. Ich bin jederzeit bereit, meinem Land zu helfen, und nun möchte ich zur Entwicklung der Nachwuchsmannschaften beitragen.

Wie können Sie als einer der größten Fussballer in der Geschichte Ihres Landes zur Inspiration der jungen Spieler beitragen?Als ich zur Mannschaft kam, habe ich den Cheftrainer sofort gefragt, ob ich mit den jungen Spielern mitspielen kann. Also habe ich mit ihnen zusammen trainiert und überall so gut ich konnte geholfen. Auf diese Weise kann ich meine Erfahrungen und Kenntnisse an die jungen Spieler weitergeben. Ich hoffe, dass sie lernen werden, für ihr Land alles zu geben, genau wie ich.

Die Spieler, mit denen wir gesprochen haben, bestätigen alle, dass Sie der Mannschaft tatsächlich sehr viel helfen...Am ersten Tag mit den Jungs habe ich ihnen gesagt, dass ich ein Freund sein und gemeinsam mit ihnen Spaß am Fussball haben will. Ich habe ihnen außerdem eingeschärft, dass sie als Mitglieder der Nationalmannschaft ihr Land vertreten. Jeder Einzelne soll sich daher überlegen, wie er das Land stolz machen kann. Ich gebe meine Philosophie an die Spieler weiter, dass sie jeden Tag mit hundertprozentigem Einsatz bei der Sache sein müssen, denn dies ist der einzige Weg zum Erfolg.

Welche Spieler aus der Mannschaft haben Sie bisher besonders beeindruckt?Diese Frage lässt sich nicht leicht beantworten, denn jeder Spieler im Team hat seine ganz eigenen Stärken. Aber am meisten beeindruckt mich der Stürmer Jorge Alpire. Er ist ständig in Bewegung und taucht bei Bedarf überall auf dem Platz auf. Ich finde, dass dieser Spieler die richtige Siegermentalität hat. Als Spieler muss man in erster Linie ein Sieger sein wollen. Selbst wenn man ganz einzigartiges Talent hat, bedeutet das Nichts, wenn man nicht den Willen hat, ein Sieger zu sein.

Boliviens letzte WM-Teilnahme, bei der Sie ja selbst dabei waren, ist nun schon 16 Jahre her. Wie lange müssen wir noch warten, um Bolivien wieder auf der größten Fussballbühne der Welt zu sehen?Das kann durchaus noch acht Jahre dauern. In der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ haben wir unter zehn südamerikanischen Nationen nur den vorletzten Platz belegt. Um uns für eine WM zu qualifizieren, müssen wir uns mit überaus starken Teams wie Brasilien, Argentinien und Uruguay messen. Entsprechend gut müssen wir uns vorbereiten. Wir müssen eine gute Aufbauarbeit leisten und an der Basis beginnen, und diese Basis ist die Jugend, denn die Jugend repräsentiert die fussballerische Zukunft des Landes.

*Rodrigo Mejido und Luis Banegas haben gegenüber FIFA.com geäußert, dass sie gern zu einem europäischen Klub wechseln würden. Denken Sie, dass die im Ausland gesammelten Erfahrungen bolivianischen Spielern nutzen, so dass sie sich schnell und gut entwickeln können? *Erfahrungen im Ausland zu sammeln ist für alle Spieler eine gute Sache, die zu Verbesserungen führt. In unserer Mannschaft haben wir mit Josue Gutrhie allerdings nur einen Spieler, der zwei Jahre für den italienischen Klub Brescia Calcio gespielt hat. Ich hoffe, dass wir schon bald mehr Spieler haben, die sich im Ausland verbessern können. Ich sage allen Spielern, dass es immer darauf ankommt, sich von Tag zu Tag zu verbessern und sich professionell zu verhalten, ganz egal wo man ist.

Bolivien hat im Gruppenspiel gegen Haiti nicht weniger als neun Tore erzielt. Wird es im Endspiel genau so leicht werden, einen Sieg einzufahren?Der Fussball ist nicht zuletzt deswegen ein so faszinierendes Spiel, weil man Ergebnisse niemals sicher vorhersagen kann. Wir haben die feste Entschlossenheit, die Goldmedaille zu gewinnen, aber man darf sich auf nichts verlassen. Viele Beobachter halten uns für die Favoriten, aber wir müssen hart arbeiten, um diese Einschätzung zu bestätigen. Wir werden also erst dann feiern, wenn wir das Finale gewonnen haben.

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