Als Honduras 2012 beim Olympischen Fussballturnier der Männer in London seinen besten Auftritt aller Zeiten ablieferte, konnte Romell Quioto nur sehr wenig davon im Fernsehen verfolgen. Damals gab es in seinem Leben eine unruhige Phase mit vielen Veränderungen, und er hielt sich fern der Heimat auf.

"Ich erinnere mich noch gut. Ich war gerade an den polnischen Klub Wisla Krakau ausgeliehen worden, und wir befanden uns im Trainingslager in Slowenien. Daher konnte ich nur Auszüge einiger Spiele sehen", berichtet er auf FIFA.com. Der Stürmer war damals 20 Jahre alt, und er hatte nur eine sehr vage Vorstellung von den Olympischen Spielen.

"Und jetzt bin ich plötzlich hier", meint er und zeichnet mit dem Finger das Oval des Olympiastadions in Rio in der Luft nach. "Die nächste Olympiade hat begonnen, und ich stehe nicht nur auf dem Platz, sondern erziele auch noch das erste Turniertor für Honduras. Davon hätte ich damals noch nicht einmal zu träumen gewagt. Ich habe darum gekämpft, in meiner Karriere den nächsten Schritt zu tun und bin dabei einen ganz anderen Weg gegangen. Am Ende ist das Ganze viel besser ausgegangen, als ich mir jemals vorgestellt hätte."

Quiotos Aussage bezieht sich darauf, dass er sich nach hervorragenden Leistungen beim honduranischen Club Deportivo Vida La Ceiba auf ein Europaabenteuer in Polen eingelassen hat, von dem man nicht gerade sagen kann, dass es erfolgreich war. Er blieb nur eine Saison bei dem Klub und musste die meisten Spiele von der Ersatzbank aus verfolgen. Erst nachdem Quioto in sein Land zurückgekehrt war, wo er mittlerweile für Olimpia Tegucigalpa aktiv ist, fand er wieder zu seiner alten Stärke zurück. Und nun ist er einer der über 23-jährigen Spieler, die vom kolumbianischen Trainer Jorge Luis Pinto in die honduranische Olympiaauswahl berufen wurden, die mit einem 3:2-Erfolg gegen Algerien in den Wettbewerb gestartet ist. Der Auftakttreffer des Teams geht auf sein Konto.

Große Ziele
Die Frage, wie Quioto sich angesichts seiner Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio fühlt, erübrigt sich – insbesondere nach dem 3:2-Auftaktsieg seines Teams gegen Algerien. Die Antwort lässt sich nicht nur an seinem breiten Lächeln ablesen, sondern auch an den zahlreichen Pins, die das Bändchen seiner Akkreditierungskarte zieren und die er uns mit dem Stolz eines Sammlers präsentiert.

"Diesen hier bekommen alle Athleten. Diesen hier habe ich von Kollegen aus Spanien bekommen, der andere hier stammt von einer Gruppe Kanadier… Das ist eine ganz andere Seite eines Fussballturniers, und sie gefällt mir sehr. Dabei war das Ganze für mich schon in weite Ferne gerückt."

Vor vier Jahren, als Quioto noch in einem Trainingslager irgendwo in Slowenien schwitzte, lieferte Honduras eine gute Leistung ab und hätte um ein Haar Geschichte geschrieben. Nachdem die Catrachos in der Gruppenphase Spanien aus dem Rennen geworfen hatten, zogen sie ins Viertelfinale ein. Dort trafen sie auf die brasilianische Seleção, die schon damals von Neymar angeführt wurde. Das Team machte es den Brasilianern denkbar schwer und unterlag am Ende nur knapp mit 2:3.

Nach dem erfolgreichen Auftakt in Rio de Janeiro wollen die Honduraner nun an ihre Glanzleistung in London anknüpfen und vielleicht sogar noch weiter kommen. "Das ist natürlich unsere Absicht, klar. Wir sind mit dem Gedanken angereist, über das Viertelfinale hinauszukommen", so der Angreifer. "Doch wir wissen, dass wir noch nichts erreicht haben. Wir haben zum Auftakt einen kniffligen Gegner besiegt, aber wir haben noch zwei weitere [Portugal und Argentinien] vor der Brust. Wir wissen, dass der Weg auf diesem Niveau nie einfach ist."

Doch mit schwierigen Wegen kennt sich Romell Quioto zweifellos aus.