Schon vor der entscheidenden Partie bei der CAF U-23-Afrikameisterschaft begannen bei Nigeria und Algerien die Feierlichkeiten, denn mit dem Einzug ins Finale hatten die beiden Teams ihr vorrangiges Ziel erreicht: Die Qualifikation für das Olympische Fussballturnier der Männer in Rio de Janeiro. Später sollte sich Südafrika zu den beiden Großmächten des afrikanischen Fussballs gesellen, das im Spiel um Platz drei gegen die Gastgeber aus Senegal die Oberhand behielt.

Held auf der Linie
Ohne den Druck der Olympiaqualifikation sicherte sich im Endspiel das nigerianische "Dream Team VI" - benannt nach dem Dream Team von 1996, das als erster afrikanischer Vertreter Olympiagold gewinnen konnte - gegen die Nordafrikaner mit 2:1 den Pokal als kontinentaler Meister. Zum Helden der Nigerianer avancierte der Torhüter Emmanuel Daniel, der im Halbfinale gegen Senegal einen Elfmeter parierte und dieses Kunststück im Endspiel wiederholte. Die Leistungen des 21-jährigen Schlussmanns der Enugu Rangers werden seine Chancen, in die aus einheimischen Spielern bestehende Auswahl für die Afrikanische Nationenmeisterschaft im kommenden Monat berufen zu werden, mit Sicherheit stark erhöht haben.

Beim Siegerteam wusste außerdem Azubuike Okechukwu zu überzeugen, einer von nur drei im Ausland tätigen Akteuren des Kaders. Der Mittelfeldspieler und Kapitän war zwar im Halbfinale gesperrt, brillierte dafür in der entscheidenden Begegnung umso mehr als Regisseur aus der Tiefe. Torschützenkönig des Turniers wurde Etebo Oghenekaro mit fünf Treffern - vier davon vom Elfmeterpunkt. Der Mittelfeldakteur von Warri Wolves FC ist ein charismatischer und kraftvoller Spielmacher, der nicht nur durch seine Schnelligkeit, sondern auch durch seinen Torinstinkt überzeugt.

Die Schützlinge von Trainer Samson Siasia hatten sich in der Gruppenphase durch einen Sieg gegen Mali und zwei Unentschieden gegen Algerien und Ägypten für das Halbfinale qualifiziert. Das Ticket nach Rio schließlich sicherte sich das Team mit einem 1:0-Erfolg gegen Senegal im Halbfinale, bevor Oghenekaro mit seinen Toren im Endspiel dafür sorgte, dass Nigeria die Trophäe in die Höhe stemmen durfte. Siasia, der auch die Auswahl betreut hatte, die sich in Peking 2008 zum letzten Mal für ein Olympisches Turnier qualifiziert hatte, zeigte sich zufrieden mit dem Erfolg: "Es gab einige Höhen und Tiefen, doch wir haben unser Ziel erreicht. Dann wollten wir für die Menschen in Nigeria das Turnier gewinnen."

Wie Nigeria zog auch Algerien nach einem Sieg gegen Mali und zwei Unentschieden in der Gruppenphase in die Runde der letzten Vier ein. Die Mannschaft wird vom ehemaligen Trainer des FC Sion, Andre-Pierre Schürmann, betreut. Die Aufgabe, das Team nach Rio zu führen, meisterte er mit Bravour. "Die Spieler wurden dafür belohnt, dass alle hart gearbeitet haben, um uns für die Olympischen Spiele qualifizieren zu können. Ich bin stolz auf das Team und unseren Stab."

"Amaglug-glug" folgt "Banyana Banyana"
Während Nigeria und Algerien schon vor ihrem letzten Duell wussten, dass sie in Rio dabei sein würden, ging es für Südafrika im Spiel um Platz drei gegen Senegal noch einmal um Alles oder Nichts. Die Teams waren sich bereits in der Gruppenphase begegnet, in der die Gastgeber mit 3:1 gewonnen hatten. Senegal hatte auch gegen Tunesien und Sambia Siege gefeiert und war ungefährdet ins Halbfinale eingezogen. Die Südafrikaner hingegen mussten im letzten Gruppenspiel gegen Tunesien zittern und unbedingt eine Niederlage vermeiden. Am Ende warfen sie die Nordafrikaner mit einem knappen 1:0 aus dem Rennen.

Erwartungsgemäß erwies sich die Playoff-Partie um das letzte Olympia-Ticket als hart umkämpfte Angelegenheit, in der beide Mannschaften ihre Chancen hatten. Entscheidend vielleicht, dass die Gastgeber wie im Halbfinale erneut eine glänzende Gelegenheit vom Elfmeterpunkt vergaben. Da im weiteren Verlauf kein Team einen Treffer landen konnte, musste die Entscheidung im Elfmeterschießen fallen, in dem sich der südafrikanische Schlussmann Jody February zum Helden aufschwang. Nach dem in der regulären Spielzeit abgewehrten Strafstoß parierte der Torwart von Ajax Cape Town drei weitere Versuche, so dass sein Team mit 3:1 die Oberhand behielt. Bescheiden spielte February im Anschluss an die Partie seine Leistung herunter: "Ich wollte einfach nur meinen Beitrag leisten. Ich bin gar kein Elfmeterspezialist. Mir fehlen die Worte, und ich bin einfach nur glücklich. Wir haben gezeigt, dass wir mit Entschlossenheit und harter Arbeit große Dinge erreichen können. Das ist ein guter Anfang für kommende Aufgaben", sagte er.

Somit folgt das Amaglug-glug genannte Team, das 2000 letztmalig bei den Olympischen Spielen dabei war, der Frauenauswahl Banyana Banyana nach Rio, die sich zuvor ebenfalls qualifiziert hatte. Der südafrikanische Coach Owen Da Gama räumte nach der entscheidenden Partie ein, dass auch das Glück eine Rolle gespielt habe, und sprach den Gastgebern sein Bedauern aus. "Wir haben hart gekämpft, und je härter du kämpfst, desto mehr kannst du das Glück auf deine Seite ziehen. Ich glaube, dass wir das glücklichere Team waren. Es tut mir leid für Senegal."