Olympische Fussballturniere Tokio 2020 - Männer

Olympische Fussballturniere Tokio 2020 - Männer

23 Juli - 8 August

Olympisches Fussballturnier

Vor 20 Jahren gewann Nigeria Olympia-Gold

Nigeria celebrate winning the gold medal at the 1996 Olympic Games.
© Getty Images

Beim Olympischen Fussballturnier der Männer in einigen Monaten in Rio de Janeiro werden die fussballbegeisterten Anhänger Nigerias auf eine Wiederholung des unvergessenen Erfolgs ihres 'Dream Teams' von 1996 hoffen. In diesem Sommer ist es 20 Jahre her, dass das mit Stars gespickte nigerianische Team vor fast 90.000 Zuschauern das Finale des Olympischen Fussballturniers der Männer mit 3:2 gegen Argentinien gewann und als erstes afrikanisches Land Olympia-Gold holte.

Den Siegtreffer erzielte Emmanuel Amuneke, der in der 72. Minute eingewechselt worden war. Für den in Diensten von Sporting Lissabon stehenden Stürmer änderte sich durch dieses Tor alles. "Schon vor der Reise zu den Olympischen Spielen hatte es eine Vereinbarung mit Barcelona gegeben, aber ich hatte mit einer Verletzung zu tun und daher gab es Zweifel an meiner Einsatzfähigkeit. Nach den Olympischen Spielen hat sich Barcelona dann aber wieder interessiert gezeigt und letztlich bin ich auch dorthin gegangen. Durch meine Leistungen in Atlanta konnten die Leute sehen, dass ich ein guter Spieler war, auf den man zählen konnte", so Amuneke im Gespräch mit FIFA.com.

Erinnerungen an goldene Zeiten
Die Westafrikaner hatten sich bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1994™ ebenfalls in den USA achtbar geschlagen. Dennoch erwartete bei den Olympischen Spielen niemand allzu große Wunder von Nigeria, das in einer schweren Gruppe mit Brasilien antreten musste. Dank Siegen gegen Ungarn und Japan hatten die Nigerianer bereits vor dem abschließenden Duell gegen die Seleção sechs Punkte auf dem Konto, was ihnen trotz einer 0:1-Niederlage zum Weiterkommen reichte. Im Viertelfinale setzte sich Nigeria mit einer eindrucksvollen Leistung mit 2:0 gegen Mexiko durch. Die Tore erzielten Jay-Jay Okocha und Celestine Babayaro. Damit trafen die Westafrikaner im Halbfinale erneut auf Brasilien – und es entwickelte sich eine unvergessliche Partie.

Zwölf Minuten vor Schluss lag Brasilien noch mit 3:1 in Führung und schien auf gutem Wege, endlich die olympische Goldmedaille zu holen, die dem südamerikanischen Land bis heute in der beeindruckenden Titelsammlung fehlt. Victor Ikpeba brachte Nigeria in der 78. Minute wieder heran und Nwankwo Kanu erzielte tatsächlich in letzter Minute noch den Ausgleich. Vier Minuten nach Beginn der Verlängerung erzielte der schlaksige Stürmer dann das *Golden Goal *zum Sieg für Nigeria. "Wir gingen mit gesundem Selbstvertrauen und der Überzeugung in das Turnier, dass wir etwas Großartiges für uns und unser Land erreichen konnten. Schließlich hatten wir einige WM-Teilnehmer von 1994 im Kader. Der Sieg gegen Brasilien in diesem dramatischen Spiel hat uns dann natürlich einen enormen Schub verliehen. Wir waren schon fast draußen, doch wir haben gekämpft und das Blatt gewendet."

Im Finale saß Amuneke, der dank seiner zwei Tore beim 2:1-Sieg der Super Eagles gegen Sambia im Finale des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals 1994 bereits Heldenstatus genoss, zunächst auf der Bank, nachdem er in allen vorherigen Spielen in der Startformation gestanden hatte. Doch nach seiner Einwechslung in der Schlussphase erzielte er erneut in letzter Minute den Siegtreffer. "Zwei Tage vor dem Endspiel sagte mir unser Trainer Jo Bonfrere, es gebe Kritik, ich würde nicht optimal für das Team spielen. Doch im Spiel wies er mich an, mich gut warm zu halten und schließlich wollte es das Schicksal so, dass ich den Siegtreffer erzielte. Ich war sehr glücklich, dass ich eingewechselt wurde und meinen Beitrag leisten konnte."

Erwartungen und Unterschiede
Nach seiner Spielerkarriere, die immer wieder durch Verletzungen beeinträchtigt wurde, blieb Amuneke dem nigerianischen Fussball als Führungspersönlichkeit erhalten. Derzeit ist er Trainer der U-17-Nationalmannschaft des Landes und er ist optimistisch, dass das Dream Team VI in Rio gut abschneiden kann. "Wir müssen unsere Chancen allerdings realistisch sehen. Es wird natürlich keine leichte Aufgabe, doch der Trainer Samson Siasia ist sehr erfahren. Er stand am Ruder, als Nigeria 2008 die olympische Silbermedaille gewann und hatte das Team schon bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft 2005 auf den zweiten Platz geführt."

Der U-17-Auswahltrainer sieht einige entscheidende Unterschiede zwischen dem aktuellen Team und dem von 1996. "1996 hatten wir ein sehr erfahrenes Team mit vielen talentierten Spielern, von denen mehrere schon 1994 bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ gespielt hatten. Damit will ich natürlich nicht sagen, dass die aktuellen Spieler nicht talentiert sind. Doch ich denke, mit Talent allein kann man heutzutage keine Turniere mehr gewinnen. Es geht darum, wie sich die Spieler an die jeweils veränderten Anforderungen in den einzelnen Spielen auf dem Weg durch das Turnier anpassen können."

Amuneke, dessen Goldmedaille nach seinen Angaben vor einigen Jahren aus seinem Haus in Lagos gestohlen wurde, ist aber dennoch optimistisch: "Es gibt keinen Grund, warum Nigeria den Erfolg von 1996 nicht wiederholen könnte. Es war eine tolle Sache, dass wir das Fundament legen konnten und andere uns gefolgt sind. Ich denke, unser aktuelles Team kann den Erfolg wiederholen."

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