Olympische Fussballturniere Rio 2016 - Männer

Olympische Fussballturniere Rio 2016 - Männer

4 August - 20 August 2016

Olympische Fussballturnier 2016 - Männer

Die Seleção und ihre Sehnsucht nach Gold

Bei den Olympischen Spielen von London 2012 gelang Brasilien ein sportlicher Gipfelsturm, der mit dem Gewinn der 23. und letzten Olympischen Goldmedaille gekrönt wurde. Zwölf Volleyballerinnen in kanariengelb verloren zwei ihrer ersten drei Spiele in der ersten Runde und schafften dann trotzdem noch den Sprung in die K.o.-Phase. Im Viertelfinale gegen Russland wehrten sie nicht weniger als sechs gegnerische Matchbälle ab. Im Endspiel gegen die USA, die auf dem Weg ins Finale 16 Sätze in Folge gewonnen hatten, schafften die Brasilianerinnen nach einem völlig verpatzten Auftakt erneut die Kehrtwende und machten am Ende ein Sportmärchen wahr.

Doch dieser Erfolg ist nur eine Seite der (olympischen) Medaille. Denn auch keine der anderen 22 Goldmedaillen wurde in der Sportart errungen, die für Brasilianer wie eine zweite Religion ist und in der sie bereits fünf Mal den Weltmeistertitel gewinnen konnten. Dabei haben die Brasilianer, die 1952 erstmals am Olympischen Fussballturnier der Männer teilnahmen, es mit allen Mitteln und zahlreichen Stars versucht.

Mit Gilmar Rinaldi und Dunga im Team – heute Generalkoordinator beziehungsweise Trainer der Seleção – verlor Brasilien das Finale von Los Angeles 1984 gegen Frankreich. Vier Jahre später unterlagen Taffarel, Jorginho, Bebeto, Romario, Careca und Co. gegen die Sowjetunion. 1996 schickte Brasilien ein mit Stars wie Dida, Aldair, Roberto Carlos, Juninho Paulista, Rivaldo und Ronaldo gespicktes Team zu den Spielen nach Atlanta. Im Halbfinale gegen Nigeria führten die Brasilianer zwölf Minuten vor Schluss noch mit 3:1. Doch dann kassierten sie noch den Ausgleich und verloren nach Verlängerung mit 3:4. Und bei der jüngsten Turnierauflage in London hatte das hoch favorisierte brasilianische Team mit Thiago Silva, Oscar, Hulk und Neymar im Finale gegen Mexiko mit 1:2 das Nachsehen.

Und es gibt noch einen weiteren Grund, warum die Brasilianer bei den Olympischen Spielen 2016 endlich erlöst werden wollen: Die Seleção erlitt in Rio de Janeiro vor ihren eigenen fanatischen Anhängern zwei der schlimmsten Niederlagen der WM-Geschichte: eine 1:2-Pleite im entscheidenden Spiel der WM 1950 und eine geradezu entsetzliche 1:7-Schmach gegen Deutschland im Halbfinale der WM im vergangenen Jahr. Nun soll der Heimfluch in Rio endlich gebrochen werden, indem der letzte Titel geholt wird, der in der beeindruckenden Sammlung Brasiliens noch fehlt.

"Ich träume schon lange davon, bei den Olympischen Spielen in meinem Heimatland zu spielen", schwärmte Neymar kürzlich. "Ich konnte schon beim Konföderationen-Pokal und bei der WM in Brasilien spielen. Jetzt bleiben noch die Olympischen Spiele."

Neymar war bei der katastrophalen Pleite gegen Deutschland in Belo Horizonte wegen einer Verletzung nicht dabei. Doch er ist überzeugt, dass Brasilien letztlich davon profitiert habe. "Ich denke, dass man aus allem etwas lernen kann", meinte er.

"Das Trikot der Seleção zu tragen, ist unbeschreiblich. Ich werde mich mein Leben lang erinnern, wie ich es in London getragen habe. Jetzt will ich in den Kader für Rio und dem brasilianischen Volk den Titel schenken. Es wäre fantastisch, im Maracanã-Stadion die Goldmedaille zu gewinnen. Wir werden alles geben, um diesen Traum wahr zu machen."

Nach der enttäuschenden U-20-Südamerikameisterschaft im vergangenen Monat gab der brasilianische Fussballverband (CBF) am Montag einen umfassenden Umbau des Betreuerstabes für die U-20- und Olympia-Auswahl bekannt. Trainer Alexandre Gallo ist einer von nur zwei Mitgliedern, die ihren Posten behalten. Dunga und Gilmar Rinaldi waren bei einer ersten Sitzung des neuen Betreuerstabes ebenfalls dabei.

Der Verband gab zudem bekannt, dass die Olympia-Auswahl am 27. März ein Heim-Freundschaftsspiel gegen Paraguay bestreiten wird. Brasilien nimmt in den kommenden Monaten zudem an der FIFA U-20-Weltmeisterschaft sowie den Panamerikanischen Spielen (in der Altersklasse U-22) teil.

Im November hatten die Brasilianer das internationale Turnier von Wuhan gewonnen, an dem auch Australien, die VR China und die Republik Korea teilnahmen. Im Kader fanden sich dabei einige interessante Namen, darunter der gelegentlich als ‘neuer Rivaldo’ bezeichnete Benfica-Stürmer Talisca, der ebenfalls hoch gelobte Lazio-Spielmacher Felipe Anderson sowie Rafinha vom FC Barcelona, dessen Bruder Thiago bei Bayern München und in der spanischen Nationalmannschaft spielt. Es bleibt abzuwarten, ob diese Akteure auch bei den Olympischen Spielen von Rio 2016 ihr Land repräsentieren werden. Hinter einem Namen steht jedoch kein Fragezeichen:

"Neymar ist ein unglaublicher Spieler, ein großartiger Profi und zudem noch ein sehr netter Kerl", so Gallo. "Wenn Brasilien ihn nicht mit zu den Olympischen Spielen nehmen würde, wäre das ungefähr so, wie wenn Argentinien ohne Messi oder Portugal ohne Cristiano Ronaldo zur WM fahren würde."

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